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23. Dezember 2012, 12:21 Uhr

Weihnachts-Shopping in den USA

Das 600-Milliarden-Dollar-Fest

Amerika im Shopping-Fieber: 600 Milliarden Dollar geben die US-Bürger in diesem Jahr für Weihnachten aus. Auf der Liste der Trend-Geschenke stehen Autoersatzteile, in einer New Yorker Edel-Boutique verkaufen sich bunte Jeans besonders gut. Am beliebtesten ist jedoch ein Klassiker.

New York - Zielstrebig steuert Richard Mast auf einen Apfel aus rotem Glas zu. "Da ist ja unser Top-Seller." "New York" steht in goldenen Buchstaben darauf. Anstelle eines Stiels hat das Glas-Obst eine Schlaufe, mit der es an den Weihnachtsbaum gehangen werden kann. "In der Saison verkaufen wir Tausende davon am Tag", sagt Mast und strahlt den Apfel an.

Gemeinsam mit gelben Taxis, grauen Freiheitsstatuen und Hunderten weiteren Weihnachtsbaumkugeln im New-York-Stil baumelt das Stück an einer mannshohen Tanne. Diese steht mitten auf dem siebten Stock des Edel-Kaufhauses Bloomingdale's und bildet das Kernstück der Weihnachtsdekoration. Von der Tanne selbst ist nicht viel zu sehen.

"Schön, nicht?", fragt der immer noch strahlende Mast. "Letztes Jahr kamen Jay-Z und Beyoncé hier vorbei. Als sie den Baum gesehen haben, haben sie ihn vom Fleck weg gekauft, dabei ist er doch eigentlich nur unsere Deko. Aber meine Mitarbeiter haben ihn dann, genauso wie er hier stand, bei ihnen zu Hause wieder aufgebaut." Die Umtopf-Aktion dürfte nicht billig gewesen sein, schon eine einzige der New-York-Kugel kann bis zu 125 Dollar (etwa 95 Euro) kosten. Aber Geld sei bei seiner Kundschaft nicht so das Problem, sagt Mast.

Kurz vor Weihnachten ist der Manager wie jedes Jahr im Dauerstress. 25.000 Menschen strömen jeden Tag in das Edel-Kaufhaus an der New Yorker Lexington Avenue. Im November und Dezember - den wichtigsten Verkaufsmonaten - sind es 30.000. Auch die Zahl der Angestellten erhöht sich von 2500 auf 3000. Geschäftszahlen veröffentlicht das einst von den Nachfahren deutscher Einwanderer gegründete Geschäft nicht. Spricht man Mast darauf an, schweigt er - aber grinst dabei zufrieden.

80 Prozent kaufen Gutscheine

Jedes Jahr vor Weihnachten verfällt Amerika dem kollektiven Shopping-Rausch. Rund 750 Dollar will jeder Amerikaner in diesem Jahr nach Angaben des Einzelhandelsverbandes ausgeben - für alles vom Plätzchen über die Geschenke bis hin zum Deko-Rentier. Das macht insgesamt fast 600 Milliarden Dollar - rund vier Prozent mehr als letztes Jahr, sagt Verbandssprecherin Kathy Grannis. Und das, obwohl die Konjunktur und der Arbeitsmarkt alles andere als rosig aussehen.

Ganz oben auf der Geschenkliste? "Gutscheine. Mehr als die Hälfte aller Amerikaner wollen sie unseren Umfragen zufolge und 80 Prozent kaufen sie", sagt die Verbandssprecherin. Ist das nicht ein bisschen unpersönlich? "Ach, heute kann man die mit Fotos und allem möglichen verzieren, dann wirkt das sehr persönlich." Im Edel-Kaufhaus verkauften sich zudem Kaschmir-Pullover, Kosmetik und Technik-Accessoires ganz besonders gut, sagt Manager Mast.

Praktisch und luxuriös

Zwei Straßenblocks entfernt flanieren Touristen und Einheimische auf der weihnachtlich geschmückten Madison Avenue - der nach Angaben der Vermarktungsgesellschaft längsten Luxus-Shoppingmeile der Welt. Bis zu 15.000 Dollar pro Quadratmeter kosten die Ladenmieten, sagt Matthew Bauer, der die Gesellschaft leitet. Fast alle großen Designer haben hier Filialen, dazwischen liegen Uhren- und Schmuckläden, Galerien und an der Ecke 61. Straße das nächste Nobel-Kaufhaus: Barneys. 2011 entwarf die Sängerin Lady Gaga hier die Weihnachtsschaufenster. In diesem Jahr hat Disney Mäuse in den Auslagen verteilt und lässt Filme laufen. Kinder drücken ihre Nasen an die Scheiben.

"Bunte Jeans laufen in dieser Weihnachtssaison super", sagt ein Barneys-Sprecher. "Und Handtaschen. Am besten immer Einzelstücke, die es nur bei uns zu kaufen gibt." Auch für seine Kundschaft an der Madison Avenue ist Geld kein Problem. Das Kaufhaus liegt mitten im New Yorker "10065"-Gebiet - dem laut "Forbes"-Magazin teuersten Postleitzahlengebiet der USA. Und 60 Prozent der Menschen, die hier in den Nobel-Läden einkaufen, leben auch hier, sagt Vermarkter Bauer.

Aber auch wer sich die Madison Avenue nicht leisten kann, gibt sich in diesem Jahr große Mühe mit Geschenken, sagt Kathy Grannis vom Einzelhandelsverband. "Die Menschen wollen ihre Liebsten verwöhnen." Und immer mehr Amerikaner suchten auch nach praktischen Geschenken, mit denen die Liebsten wirklich etwas anfangen können. Der neueste Trend laut Tageszeitung "USA Today": Autoersatzteile. "Weil sich viele Amerikaner keine neuen Fahrzeuge leisten können, liegen Ersatzteile dieses Jahr sehr häufig unter US-Weihnachtsbäumen."

von Christina Horsten, dpa

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