Ver.di-Umfrage Callcenter-Mitarbeiter sehnen andere Jobs herbei

Telefonische Massenabfertigung nervt nicht nur Kunden: Bei einer Umfrage der Gewerkschaft Ver.di bezeichnete sich die erdrückende Mehrheit der Callcenter-Mitarbeiter als "leer und ausgebrannt". Einen Telefondienst bis zur Rente können sich die wenigsten vorstellen.

Callcenter-Mitarbeiter: Zu wenig Geld und Anerkennung
Corbis

Callcenter-Mitarbeiter: Zu wenig Geld und Anerkennung


Berlin - Enthüllungsjournalist Günter Wallraff berichtete verdeckt über ihre Tricks, manch genervter Kunde hält sie gar für die Vorhölle des Kapitalismus: Callcenter haben einen denkbar schlechten Ruf.

Doch nicht nur Anrufer, die in Warteschleifen versauern, sind offenbar von telefonischen Kundendiensten frustriert. Laut einer Umfrage der Gewerkschaft Ver.di ist die große Mehrheit der Callcenter-Beschäftigten mit ihrer Arbeit unzufrieden.

Nicht weniger als 83 Prozent der 7500 Befragten hätten über "schlechte Arbeitsbedingungen" geklagt, berichtet Ver.di. Mehr als 88 Prozent vermissten Anerkennung für ihre Arbeit, gut 78 Prozent fühlten sich "leer und ausgebrannt", und knapp 69 Prozent erlebten ihre Arbeitssituation oft als frustrierend.

Angesichts der schlechten Arbeitsbedingungen sehen viele Callcenter-Angestellte einen neuen Job herbei. Mehr als 82 Prozent der Befragten halten laut Ver.di einen Arbeitgeberwechsel für möglich, fast 62 Prozent schätzen, dass sie ihren Job im Callcenter nicht bis zur Rente ausüben können.

Deutliche Kritik übten die Befragten auch an ihrer Bezahlung: Drei Viertel von ihnen halten die derzeitigen Entlohnungsbedingungen für nicht angemessen. Viele Betroffene benötigen laut Ver.di einen Zweitjob. Auch sogenannte Aufstocker, die zusätzliche staatliche Leistungen nach Hartz IV beantragen müssen, seien in Callcentern keine Seltenheit.

dab/dapd



Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 60 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Achim 20.02.2011
1. Umgekehrt
»Auch sogenannte Aufstocker, die zusätzliche staatliche Leistungen nach Hartz IV beantragen müssen, seien in Call-Centern keine Seltenheit.« Umgekehrt ist es richtig: »Auch arbeitsfähige Hartz-IV-Empfänger, die von den ARGEn in Callcenter zwangsvermittelt werden, obwohl die ARGEn wissen, dass sie dort betrügen und gegen Gesetze verstoßen (Cold-Calls usw.) sollen, sind keine Seltenheit.«
Laserfrankie 20.02.2011
2. Pauschalisierungen bringen uns nicht weiter
Zitat von Achim»Auch sogenannte Aufstocker, die zusätzliche staatliche Leistungen nach Hartz IV beantragen müssen, seien in Call-Centern keine Seltenheit.« Umgekehrt ist es richtig: »Auch arbeitsfähige Hartz-IV-Empfänger, die von den ARGEn in Callcenter zwangsvermittelt werden, obwohl die ARGEn wissen, dass sie dort betrügen und gegen Gesetze verstoßen (Cold-Calls usw.) sollen, sind keine Seltenheit.«
Nicht jedes Call Center ist automatisch ein Hort illegaler Aktivitäten. "Servicefachkraft für Dialogmarketing" ist mittlerweile ein anerkannte Ausbildungsberuf. Leider wird die gesamte Branche durch ihre schwarzen Schafe in den Köpfen der Leute definiert und stigmatisiert. Es berufen sich immer alle auf Günther Wallraff, ohne zu bedenken, dass er in seiner Reportage nur eine Unterart der betrügerischen Call Center angeprangert hat, die aber nicht die Mehrheit betrifft. Mit Sicherheit sind die Servicekräfte unterbezahlt, wenn sie zwar hochqualifiziert und kompetent Kunden beraten sollen aber ansonsten Zuschüsse vom Staat brauchen, damit sie über dem Hartz-IV-Satz bleiben. Die Firmen geizen beim Kundenservice, weil die Kunden auf der anderen Seite nicht bereit sind, guten Service weder anzuerkennen oder dafür zu bezahlen. Aller beklagen sich über die Servicewüste Deutschland aber keiner bedenkt, dass man bei einer Menschheit, die zu 80 % aus Egoisten und Opportunisten besteht, nun mal nur den Service bekommt, den man verdient.
Berta, 20.02.2011
3. Hauptsache Arbeit
Zitat von sysopTelefonische Massenabfertigung nervt nicht nur Kunden: Bei einer Umfrage der Gewerkschaft Ver.di bezeichnete sich*die erdrückende Mehrheit der Callcenter-Mitarbeiter als*"leer und*ausgebrannt". Einen*Telefondienst bis zur Rente können sich die wenigsten vorstellen. http://www.spiegel.de/wirtschaft/service/0,1518,746660,00.html
ha ha ha. ;-(
Blackb3ard 20.02.2011
4. Wow...nur 10 Jahre....
Wow, da hat verdi nur 10 Jahre gebraucht um das offensichtliche festzustellen....Hut ab !
jObserver 20.02.2011
5. f
Zitat von Achim»Auch sogenannte Aufstocker, die zusätzliche staatliche Leistungen nach Hartz IV beantragen müssen, seien in Call-Centern keine Seltenheit.« Umgekehrt ist es richtig: »Auch arbeitsfähige Hartz-IV-Empfänger, die von den ARGEn in Callcenter zwangsvermittelt werden, obwohl die ARGEn wissen, dass sie dort betrügen und gegen Gesetze verstoßen (Cold-Calls usw.) sollen, sind keine Seltenheit.«
Auch Sie haben es nicht getroffen: »Auch Arbeitslose, die mit ihrer Tätigkeit im Call-Center ihr Arbeitslosengeld aufbessern, sind keine Seltenheit.« --- Interessant wäre mal eine Aufstellung, in welcher Branche von Call-Centern (Internet, Telefon, Bahn, Food, Elektronik, etc) welche Gruppe von Anrufern (alt, jung, Mann, Frau, ...) besonders negativ auffällt. Es macht schon einen Unterschied, ob da z.B. ein technisch Versierter Anrufer Tipps wie "neustarten und sonst nochmal anrufen" erhält, weil das Call-Center eben auch nur ein Skript abarbeiten kann, oder ob eine alte Oma den gleichen Call-Center-Agenten mit Unkenntnis nervt wenn sie hundert mal nicht versteht, dass man Kabel einstecken und auf einen Knopf drücken - und deren "Internet kaputt" ist.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2011
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.