Anbieterwechsel Kunden können Stromrechnung um Hunderte Euro drücken

Die Koalition diskutiert Wege, um die steigenden Stromkosten einzudämmen. Doch Verbraucher können schon jetzt aktiv werden. Wer zu einem günstigeren Anbieter wechselt, kann laut Stiftung Warentest mehrere hundert Euro im Jahr sparen.

Strommast in der Oberpfalz: Großes Einsparpotential für Verbraucher
dpa

Strommast in der Oberpfalz: Großes Einsparpotential für Verbraucher


Hamburg - Der Wechsel zu einem günstigen Stromanbieter kann jährlich Ersparnisse in Höhe von mehreren hundert Euro bringen. Wie groß derzeit das Potential für Verbraucher ist, Geld zu sparen, hat nun die Stiftung Warentest untersucht.

Ein Haushalt in Essen mit einem Jahresverbrauch von 5500 Kilowattstunden könne zum Beispiel 321 Euro im Jahr sparen, wenn er vom örtlichen Versorger zu einem anderen Anbieter wechsle, berichtet die Stiftung am Dienstag in ihrer Zeitschrift "Finanztest". In Frankfurt seien Einsparungen von knapp 280 Euro möglich, in Leipzig von bis zu 223 Euro. "Finanztest" verglich Stromtarife in 20 großen deutschen Städten.

Verbraucher können viel Geld sparen, wenn sie beim örtlichen Versorger aus der sogenannten Grundversorgung zu einem seriösen Alternativanbieter wechseln, berichtet "Finanztest". In der Grundversorgung sind Verbraucher, die noch nie den Tarif gewechselt haben.

Doch selbst Stromkunden, die nicht mehr in der Grundversorgung sind, könnten durch einen Anbieterwechsel noch deutlich Geld sparen, berichtet "Finanztest". In Essen seien so Einsparungen von 170 Euro möglich, in Frankfurt seien es sogar 190 Euro. Bislang seien nur 17 Prozent der Haushalte schon einmal zu einem neuen Anbieter gewechselt.

Wichtig: Der alternative Anbieter, zu dem man wechselt, sollte eine Kündigungsfrist von nicht länger als sechs Wochen haben und die Bezahlung über monatliche Abschläge regeln. Was Sie sonst noch beachten müssen, können Sie hier nachlesen:

Anbieterwechsel - so funktioniert's
In wenigen Minuten zum Ziel
Der Wechsel des Stromanbieters ist sehr einfach. Für die Formalitäten braucht man nur wenige Minuten. Im Kern gilt das Gleiche auch für Gaskunden. Wechselwillige Kunden sollten Folgendes beachten.
Verbrauch ermitteln
Als Erstes sollte man seinen individuellen Jahresverbrauch ermitteln. Am einfachsten geht das über die letzte Rechnung. Wichtig: Es kommt nicht auf den Betrag in Euro an, sondern auf den Verbrauch in Kilowattstunden (kWh). Wer die letzte Rechnung nicht mehr findet, kann seinen jährlichen Strombedarf zur Not auch anhand des Verbrauchs der letzten Monate hochrechnen.
Die Suche nach dem passenden Anbieter
Nun beginnt die Suche nach dem günstigsten Anbieter. Eine wichtige Hilfestellung bieten dabei unabhängige Verbraucherportale wie www.toptarif.de, www.verivox.de, www.stromtarife.de, www.check24.de oder www.verbraucherzentrale.de. Auf diesen Seiten finden sich Tarifrechner, in die man nur zwei Werte eingeben muss: seine Postleitzahl und seinen jährlichen Stromverbrauch in Kilowattstunden. Der Tarifrechner bietet dann eine Übersicht sämtlicher Anbieter, die in dieser Region verfügbar sind.
Die Auswahl
Jetzt kommt der entscheidende Schritt - die Wahl des neuen Anbieters. Dabei sollte man Folgendes beachten: Der günstigste ist nicht automatisch der beste. So warnen Verbraucherschützer vor Unternehmen, die Vorkasse verlangen. Auch sollte man sich nicht zu lange an einen Anbieter binden - Vertragslaufzeiten von zwei Jahren also lieber meiden. Die Stiftung Warentest zeigt, welche Einstellungen bei der Tarifsuche wichtig sind
Ökoanbieter
Wer möchte, kann sich an dieser Stelle auch für einen Ökostromanbieter entscheiden. Diese Unternehmen garantieren grünen Strom aus erneuerbaren Energien, ohne Kohle und Kernkraft.
Die Formalitäten
Nun muss man mit dem neuen Anbieter nur noch Kontakt aufnehmen. Häufig ist das direkt über das Verbraucherportal möglich - entweder per Mausklick oder per Telefon. Der neue Anbieter klärt dann sämtliche Formalitäten. Eine Abmeldung beim alten Versorger ist nicht nötig, auch das übernimmt das neue Unternehmen automatisch. Nur eine Sache sollte man beachten: Die Vertragslaufzeit beim alten Anbieter muss eingehalten werden. Wer seit acht Monaten in einem Jahresvertrag ist, muss eben noch vier Monate warten.
Die Technik
Technisch ist der Anbieterwechsel überhaupt kein Problem. Das physikalische Produkt Strom bleibt in jedem Fall dasselbe, eine Unterbrechung der Versorgung ist ausgeschlossen. Dass man einen neuen Anbieter hat, merkt man nur daran, dass die Rechnung von einem anderen Unternehmen kommt als bisher. Übrigens: Selbst wenn der neue Anbieter pleitegehen sollte, bekommt man weiterhin Strom. In diesem Fall ist der örtliche Grundversorger gesetzlich verpflichtet einzuspringen.
Wie lange dauert der Anbieterwechsel?
Seit April 2012 können Strom- und Gaskunden schneller den Anbieter wechseln. Sobald die Anmeldung beim Netzbetreiber erfolgt ist, dürfen laut Energiewirtschaftsgesetz nur noch drei Wochen verstreichen, bis die Strom- oder Gaslieferung durch den neuen Anbieter beginnt. Starttermin muss nicht der Monatserste sein - jeder Tag ist möglich. Dauert die Umstellung länger als drei Wochen, kann der Kunde Schadenersatz vom Lieferanten oder Netzbetreiber fordern.
Ich habe eine Nachtspeicherheizung. Kann ich auch den Anbieter wechseln?
Lange ging das gar nicht. Inzwischen bestehen in einigen Fällen auch hier alternative Angebote.
Neben einem Anbieterwechsel können Verbraucher durch einen niedrigeren Verbrauch zusätzlich Geld sparen. Dafür reicht es schon, dass sie Elektrogeräte bewusster einsetzen.

  • Wer etwa statt einem PC mit LCD-Monitor ein Notebook nutze, senke seine Stromausgaben bei mehrstündigem täglichen Betrieb um fast drei Viertel von rund 40 Euro auf elf Euro im Jahr.
  • Wer seine Wäsche häufiger bei 40 statt 60 Grad wasche, könne die anfallenden Stromkosten um fast 40 Prozent senken.
  • Wer bei seinem Geschirrspüler anstelle des Kurzprogramms das Sparprogramm wählt, könne 31 Prozent einsparen.

ssu/AFP

Mehr zum Thema


Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 140 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
elwu 12.11.2013
1. Jedes Jahr
dieselben längst ausgelutschten Hinweise. Wer eh seit vielen Jahren stets auf die jeweils besten Anbieter bei Strom (und auch Gas, Autoversicherungen, DSL-Anbeiter...) wechselt, kann durch Anbeiterwechsel nichts mehr sparen. Und das sind sehr viel Bürger. Der Rest sind tendenziell eher alte, in slchen Digenn unbewegliche. Denen kann man mit diesem ach so tollen Vorschlag aber auch nicht helfen. Was passieren muss ist eine Reduzierung der irrsinnig explodierten Strompreise. Und das hat der Staat per EEG ganz allein in der Hand.
Stromkenner 12.11.2013
2. Regional unterschiedliche Strompreise
Die Strompreise in Deutschland sind regional sehr unterschiedlich. Das liegt an vor allem an den Netznutzungsentgelten, der KWK - Umlage sowie die lokalen Stromwettbewerb. Verbraucher aus der Grundversorgung sollten unbedingt wechseln, denn damit wird Druck auf die Anbieter aufgebaut.
mare56 12.11.2013
3. Wechseln ist Trumpf
Zahle durch ständige Wechsel der Anbieter, unter Mitnahme der Boni, monatlich nur noch zirka 13 € Strom in einem zwei Personenhaushalt!
mangor221 12.11.2013
4. Wer bei einem Geschirrspüler
immer das Kurz oder Sparprogramm benutzt muss sich nicht wundern wenn dieser nach wenigen Jahren von innen verschlammt weil das Fett sich in diesen Programmen nicht gut auflöst. Dasselbe mit der Waschmaschine, wer nur mit niedrigen Temperaturen wäscht hat seine Waschmaschine nach wenigen Monaten von innen am schimmeln. Solche Spartipps sind nie gut für den Geldbeutel der Verbraucher, oder wer kauft sich gerne alle 2 Jahre eine neue Waschmaschine oder Spülmaschine? Die Unternehmen die ihren Kunststoffschrott, der sich heute Haushaltsgerät schimpfen darf, verkaufen wollen freut es natürlich.
sitiwati 12.11.2013
5. das letzte
was ich machen würde, per Internet einen Wechsel vornehmen, nachdem ich ein bischen gesurft bin, komm ich zu folgendem ERgebniss-mein EVU verlangt 25c/kWh, die meisten Billiganbieter verlangen 27,5 c/KWh, ein bischen günstiger sind die Grundgebühren-nur der Bonus, den man verpricht ist da wirkliche Plus, aber den bekommt man nur, wenn man die Geschäftsbedingungen akzeptiert, da muss man aufpassen, also, da muss man schon genau hinschauen!
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2013
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.