Wiesbaden - Die Preise für Benzin und Diesel an deutschen Tankstellen sind weiter gesunken und haben die Inflationsrate im Mai unter die Marke von zwei Prozent gedrückt. Sie sank von 2,1 Prozent im April auf 1,9 Prozent, wie das Statistische Bundesamt mitteilte und liegt damit zum ersten Mal seit Dezember 2010 unter der Marke, bei der die Europäische Zentralbank (EZB) von stabilen Preisen spricht.
Als Hauptgrund für den geringeren Preisauftrieb nennen die Statistiker die günstigeren Preise von Mineralölprodukten, also Benzin, Diesel und Heizöl. Der für die gesamte EU errechnete sogenannte Harmonisierte Verbraucherpreisindex (HVPI) ist ebenfalls gesunken, auf 2,1 Prozent.
Aufatmen können die Verbraucher in Deutschland aber noch nicht: Wirtschaftsexperten gehen davon aus, dass die Inflationsrate nicht auf Dauer so niedrig bleiben wird: "Die Löhne und Gehälter steigen in Deutschland wegen der guten Konjunktur und der geringen Arbeitslosigkeit spürbar", sagt die Commerzbank-Ökonomin Ulrike Rondorf. "Die Unternehmen werden versuchen, die steigenden Kosten auf die Verbraucher abzuwälzen." Rondorf rechnet deshalb damit, dass die Kosten für die Lebenshaltung "bald auf breiter Front stärker steigen".
Nach Prognose der Sal. Oppenheim-Expertin Ulrike Kastens werden die deutschen Verbraucherpreise sogar stärker zulegen als in der Euro-Zone insgesamt - bisher war es meistens umgekehrt. "Unsere Konjunktur läuft besser als anderswo, und auch die Löhne steigen bei uns schneller", sagt Kastens. 2013 dürften die Preise hierzulande um durchschnittlich zwei Prozent zulegen, in der Euro-Zone insgesamt dagegen nur um 1,7 Prozent.
Ökonomen sehen vor allem vier große Risiken, die in Deutschland die Preise und damit die Inflationsrate wieder in die Höhe treiben könnten:
Bevor die Risiken aber Wirklichkeit werden, sei die gesunkene Inflationsrate aber "für Verbraucher und Konjunktur eine gute Nachricht", sagt der GfK-Konsumforscher, Rolf Bürkl. "Das stützt die Kauflaune, denn die Deutschen reagieren auf Inflation sensibler als andere Europäer."
nck/dpa/Reuters
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