Lebensmittel: Verbraucherschützer monieren verwirrende Angaben

Dürftige Infos auf Verpackungen und ein Wirrwarr an Siegeln und Gütezeichen schrecken Verbraucher ab. Sie orientieren sich deshalb an den Preisen. Verbraucherschützer fürchten Qualitätsdumping und fordern neue Standards.

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Qualitätsangaben auf Lebensmitteln: unverständliche Angaben verwirren Kunden

Berlin - Die Ansprüche der Verbraucher an Lebensmittel steigen, doch die Hersteller versagen bei der verständlichen Qualitätskennzeichnung. Die verwirrenden und uneinheitlichen Angaben lassen eine klare Beurteilung nicht zu. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie des Bundesverbands der Verbraucherzentrale (vzbv). "Im Lebensmittelmarkt läuft etwas grundlegend schief. Zwischen Werbe- und Produktrealität klafft oft eine große Lücke", sagte vzbv-Vorstand Gerd Billen.

Käufer interessieren sich der Studie zufolge immer mehr dafür, ob Lebensmittel biologisch und regional hergestellt wurden oder ob die Hersteller auf den Tierschutz achten. Doch genau solche Qualitätsmerkmale seien am fertigen Produkt kaum überprüfbar. Da die Orientierung anhand von Siegeln kompliziert sei, greifen die überforderten Käufer laut der Studie letztlich auf die Preisangabe als einzig verlässliches Entscheidungskriterium zurück.

In der Folge würden Qualitätshersteller aus dem Markt gedrängt, ruinöses Preis- und letztlich Qualitätsdumping sei die Folge, fürchtet der vzbv. "Klare Regeln und Standards sind deshalb im Interesse von Verbrauchern und Anbietern", sagt Billen. Damit Verbraucher besser urteilen können, sei ein verlässliches "zweites Preisschild" erforderlich, das den Produkt- und Prozessqualität sichtbar macht.

Der vzbv fordert neue staatliche verlässliche Labels, klare und wahre Kennzeichnung der Qualitätseigenschaften auf der Produktvorderseite sowie regelmäßige Überprüfung der Verständlichkeit der Angaben mit Hilfe von Verbraucherbefragungen.

Nur wenn Hersteller und Gesetzgeber zusammenarbeiten, könne ein funktionierender Qualitätswettbewerb ermöglicht werden, der "im Interesse von Verbrauchern und Anbietern" sei, sagte Billen.

cla/dpa/dapd/afp

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1.
SpieFo 18.04.2012
---Zitat--- "Klare Regeln und Standards sind deshalb im Interesse von Verbrauchern und Anbietern" ... "ein funktionierender Qualitätswettbewerb ermöglicht werden, der "im Interesse von Verbrauchern und Anbietern" sei" ---Zitatende--- Wo gibt's denn sowas? Seit wann sind Wettbewerb und Klarheit "im Interesse von Anbietern"? Was schwadroniert Herr Billen da. Und der ist vzbv-Vorstand? Bekommt der auch schon was von den Anbietern, damit er so einen Unsinn redet?
2.
Knackeule 18.04.2012
Die Verbraucherschützer haben vollkommen Recht mit ihrer Kritik. Es wäre die Aufgabe des Bundes-und der Länderverbraucherschutzministerien, solche berechtigte Anliegen im Interesse der Verbraucher in Gesetze umzusetzen. Bei der derzeitigen verantwortlichen Ministerin Ilse (keiner will sie) Aigner kann man das vergessen. Eine typische CSU-Karrierefrau. Unfähig dass es quietscht, aber immer auf Parteilinie. Wer schüzt eigentlich die Verbraucher vor solch einer Verbraucherschutz-Ministerin ?
3.
wutentbrannt 03.05.2012
... von der Praxis in Unternehmen in etwa so viel Ahnung wie ich von Quantenphysik. Das sind größtenteils krasse Lobbyisten, die allenfalls das Wohlergehen ihres eigenen Vereins, aber nur selten die Interessen der Verbraucher im Blick haben. Ich habe täglich mit denen zu tun und kaum einen Fall erlebt, der wirklich zu einer Verbesserung des Verbraucherschutzes geführt hat. Zudem tragen ganze Gesetze die Handschrift der Verbraucherschützer. Was auf den ersten Blick sinnvoll erscheint, erweist sich in der Praxis oftmals als völlig unpraktikabel. Wir müssen dringend weg von der Glorifizierung der Verbraucherzentralen, die jährlich mit 200 mio. Euro (!) Steuergeldern bezuschusst werden. Allein in NRW wird der jährliche Zuschuss von derzeit rund 10 mio. Euro auf demnächst 15 mio. Euro aufgestockt. Aber NRW hat's ja.
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