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Vergiftetes Futtermittel: Dioxin soll aus Frittierfett stammen

Wie gelangte Dioxin ins Futtermittel? Nach neuen Erkenntnissen stammt das Gift aus Altfetten wie zum Beispiel Frittierfett. Diese sollen über Zwischenhändler beim Skandalbetrieb Harles & Jentzsch gelandet sein. In Sachsen-Anhalt wurde ein verbotenes Antibiotikum im Futtermittel entdeckt.

Gekochtes Ei im Labortest: Dioxinherkunft ist offenbar geklärt Zur Großansicht
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Gekochtes Ei im Labortest: Dioxinherkunft ist offenbar geklärt

Berlin - Die Herkunft des Dioxins in Tierfutter ist offenbar geklärt: Nach den Worten von Nordrhein-Westfalens Umweltminister Johannes Remmel soll unter anderem Frittierfett die Quelle sein. "Mit einer hohen Wahrscheinlichkeit stammt das Dioxin aus Vorstoffen, die zur Biodieselproduktion dienen", sagte Remmel. Denn dabei würden Altfette wie Frittierfett gereinigt und destilliert.

Der Minister bezog sich auf neue Erkenntnisse des Chemischen und Veterinäruntersuchungsamts (CVUA) in Münster. Die Experten nahmen Proben aus technischen Fetten der Firma Vital, die Speisefette für den Biodiesel-Produzenten Petrotec raffiniert. Petrotec wiederum belieferte den Futterfett-Hersteller Harles und Jentzsch, der nach bisherigen Erkenntnissen die Industriefette mit Futterfetten vermischte und damit den Dioxin-Skandal auslöste.

Nach Angaben des Ministeriums gibt es aber keine Hinweise auf ein Fehlverhalten von Vital und Petrotec. Die wesentlich höheren Grenzwerte für Dioxin in Industrieölen seien eingehalten worden. "Mit diesen Untersuchungen haben wir einen ersten Erklärungsansatz, den wir heute auch der zuständigen Staatsanwaltschaft übermitteln werden", sagte Remmel. Die Herkunft eines kleinen Teils des gefundenen Dioxins sei aber noch unbekannt, fügte ein Sprecher hinzu.

Nordrhein-Westfalen gab die letzten gut 40 gesperrten Bauernhöfe wieder frei. "Wir haben keine Erkenntnisse über Produkte, die belastet in den Handel gegangen sind", sagte Remmel.

Niedersachsen wies einen Zeitungsbericht zurück, wonach mehr mit Dioxin belastetes Futterfett ausgeliefert worden sei als bekannt. Dafür existierten keine Hinweise, teilte das niedersächsische Agrarministerium mit.

Schweinepreise brechen wegen des Skandals ein

Die Preise für Schweine sind seit der Sperrung der ersten Höfe am 3. Januar um 40 Prozent eingebrochen. Das teilte der Deutsche Bauernverband mit. "Der Preisverfall ist so groß, dass die Existenz einiger Betriebe bedroht ist", sagte ein Verbandssprecher. Für den Endverbraucher sind die Preise nach Branchenschätzungen um rund zehn Prozent gefallen.

Wegen des Dioxin-Skandals und der hohen Preise für Getreidefutter rufen Branchenvertreter Brüssel um Hilfe an: Die EU müsse den Markt für Schweinefleischprodukte unterstützen, forderte der europäische Tierfutterverband Fefac. "Der EU-Schweinemarkt steht vor einem Kollaps", erklärte Fefac-Chef Patrick Vanden Avenne. Bereits am Donnerstag hatte Frankreich wegen der rückläufigen Erlöse eine EU-Sonderhilfe für Schweinemäster gefordert.

Verbotenes Antibiotikum in Tierfutter gefunden

In Sachsen-Anhalt ist ein neuer Fall von gepanschtem Futtermittel bekannt geworden: Ein Hersteller aus dem Bördekreis habe darüber informiert, dass er eine Vitaminmischung verarbeitet habe, die mit dem verbotenen Antibiotikum Chloramphenicol verunreinigt gewesen sei, teilte das Umweltministerium in Magdeburg mit. Die Verunreinigung sei aber so gering, dass weder für Tiere noch für Menschen bei Verzehr von Milch oder Fleisch eine Gefahr bestehe.

Die betroffenen 180 Tonnen Tierfutter sollen zurückgeholt werden. Sie waren an 49 Agrarbetriebe geliefert worden. Die Vitaminmischung hatte ein niedersächsischer Hersteller aus China bezogen. Dieses Unternehmen belieferte auch einen anderen Futtermittelproduzenten in der Börde mit der belasteten Vitaminmischung. Die Substanz Chloramphenicol ist seit 1994 EU-weit in der Tierhaltung verboten.

nib/dpa/Reuters/AFP

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insgesamt 25 Beiträge
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1. ach so,
viceman 21.01.2011
Zitat von sysopAuf welchem Weg gelangte Dioxin ins Futtermittel? Nach neuen Erkenntnissen stammt das Gift ursprünglich aus Altfetten wie zum Beispiel Frittierfett. Diese sollen über Zwischenhändler beim Skandalbetrieb Harles & Jentzsch*gelandet sein.** http://www.spiegel.de/wirtschaft/service/0,1518,740899,00.html
nicht über die stasi? da bricht ja die ganze super-schlagzeile für die morgige blöd-zeitung zusammen! oder ist das fett noch aus ddr-zeiten?
2. Lecker Pommes
B_Gniffke 21.01.2011
Wenn es richtig ist, dass da Dioxin aus Frittierfett stammen sollte, was durchaus möglich wäre, dann möchte ich nicht derjenige sein, der die letzten Pommes gegessen hat, die in diesem Fett fritiert wurden. Dort muss ja dann die Dioxin-Konzentration x-fach höher gewesen sein als in dem gepanschten Fett zur Futtermittelherstellung. Mahlzeit!
3. das ist wohl absurd
whitelies 21.01.2011
die allgemein zum Frittieren eingesetzten Pflanzenfette haben allesamt eine Zündtemperatur von ungefähr 300°C - Temperaturen für relevante Dioxin-Entstehung sind daher gar nicht erreichbar: die ganze Fritteuse würde schon längst in Flammen stehen. Offenbar soll hier eine "zufällige", also "unabsichtliche" Entstehungslegende generiert werden, um eine wirkliche Aufarbeitung der Hintergründe zu verhindern
4. @Whitelies: Du hast genau den Punkt getroffen!
christian2210 21.01.2011
Das Dioxin soll jetzt aus Frittierfett stammen - IRRE. Was wurde denn frittiert - etwa PVC Fußboden?? Wir werden echt füt dumm verkauft. Auch mit Testergebnissen auf den Lebensmitteln, siehe Video: youtube.com/watch?v=nb77175iLFc
5. das denke ich auch
alaxa 21.01.2011
Zitat von whiteliesdie allgemein zum Frittieren eingesetzten Pflanzenfette haben allesamt eine Zündtemperatur von ungefähr 300°C - Temperaturen für relevante Dioxin-Entstehung sind daher gar nicht erreichbar: die ganze Fritteuse würde schon längst in Flammen stehen. Offenbar soll hier eine "zufällige", also "unabsichtliche" Entstehungslegende generiert werden, um eine wirkliche Aufarbeitung der Hintergründe zu verhindern
Ich denke auch, dass die Temperaturen in Friteusen keine Dioxinbildung zulassen können. Wenn die Quellen sauber sind, kann das Dioxin nur aus den fritierten Hähnchen stammen, wobei sich der Kreislauf schließt bzw. sich das Hähnchen in den Bürzel beißt.
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Dioxin im Futter: Verseuchte Lebensmittel?
Dioxine - Gefahr für Mensch und Tier
Was sind Dioxine?
Dioxine sind chemisch ähnlich aufgebaute Verbindungen, die aber unterschiedlich giftig sind. Der bekannteste Vertreter der Gruppe ist das als Seveso-Gift bekannt gewordene TCDD (2,3,7,8-Tetrachlordibenzodioxin). Im Tierversuch kann es schon in einer Konzentration von einem Millionstel Gramm pro Kilogramm Körpergewicht tödlich sein.
Wie entstehen sie?
Dioxin entsteht unerwünscht etwa bei Verbrennungsprozessen mit Chlor und organischem Kohlenstoff. Nach Angaben des Umweltbundesamts wird das Gift bei 300 Grad und mehr gebildet und bei 900 Grad und mehr zerstört. Auch bei chemischen Produktionsverfahren mit Chlor können die Stoffe entstehen, außerdem bei Waldbränden oder Vulkanausbrüchen.
Welche Gefahren gehen von Dioxinen aus?
Bereits geringe Konzentrationen können gefährlich sein. Als Langzeitwirkungen wurden etwa Störungen des Immunsystems, schwere Erkrankungen der Haut, der Atemwege, der Schilddrüse und des Verdauungstraktes festgestellt. In Tierversuchen wurden krebserregende Wirkungen nachgewiesen.

Die einmal in die Umwelt gelangten Gifte bauen sich nur sehr langsam ab und reichern sich deshalb auch im Gewebe von Tieren und Menschen an. 90 bis 95 Prozent der Belastung kommt über die Nahrung in den Körper - vor allem durch den Verzehr von Fleisch und Milchprodukten. Ein prominentes Opfer einer Dioxin-Vergiftung ist der ukrainische Politiker Wiktor Juschtschenko. Er hat einen Dioxin-Anschlag im Jahr 2004 nur knapp überlebt. (Quelle: dpa)

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