Richterin im Check24-Prozess Vergleichsportal muss Rolle als Versicherungsmakler deutlich machen

Ein Urteil gibt es erst im Mai - doch bereits jetzt zeichnet sich im Prozess gegen Check24 ab: Das Vergleichsportal muss wohl deutlicher auf seine Rolle als Versicherungsmakler hinweisen.

Check24-Büro in München: Besucher muss Maklerrolle verstehen
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Check24-Büro in München: Besucher muss Maklerrolle verstehen


Das Vergleichsportal Check24 muss Verbrauchern seine Funktion als Versicherungsmakler wohl künftig deutlicher machen als bisher. Das deutete sich am Mittwoch im Prozess vor dem Landgericht München an: Die Vorsitzende Richterin Barbara Clementi sagte in einer ersten Einschätzung zum Prozessauftakt, der Besucher der Seite müsse verstehen, dass Check24 ein Makler ist und nicht nur ein Dienstleister, der Preise vergleicht.

Die Richterin führte weiter aus, das könne zum Beispiel durch ein Pop-up-Fenster erfolgen, das aufblinkt, sobald der Nutzer sich die Versicherungen ansieht. Bislang erfolge der Hinweis auf die Maklertätigkeit nur in einer Fußzeile, die von vielen Verbrauchern wohl nicht gelesen werde. "Es geht nicht darum, ob man es findet, wenn man es sucht", sagte Clementi.

Ein Urteil hat das Landgericht allerdings noch nicht gefällt. Die endgültige Entscheidung soll erst am 11. Mai verkündet werden. Der Bundesverband Deutscher Versicherungskaufleute hat Check24 verklagt, weil er dem Portal eine Irreführung der Verbraucher vorwirft.

Check24 stelle sich zwar als verbraucherfreundliches Preisvergleichsportal dar, arbeite in Wahrheit aber wie ein Makler, der Provisionen von den Anbietern kassiert, argumentiert der Verband. Dies müsse auch auf den ersten Blick für die Verbraucher erkennbar sein. "Wir wollen einheitliche Spielregeln für alle Marktteilnehmer", sagte Verbandschef Michael Heinz.

Wie Vergleichsportale Geld verdienen und worauf Verbraucher achten sollten, finden Sie in diesem Artikel.

Einem anderen Vorwurf des Maklerverbands scheint das Münchner Landgericht jedoch nicht zu folgen. Die Versicherungsvertreter werfen Check24 vor, den Kunden keine individuelle Beratung anzubieten. Richterin Clementi sagte dazu, es könne zwar sein, dass die Intensität der Beratung bei einem Onlineanbieter nicht so hoch sei wie bei einem persönlichen Gespräch. Wenn Check24 aber über eine Eingabemaske persönliche Informationen von dem Kunden abfrage, stelle auch dies eine individuelle Beratung dar.

fdi/dpa

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