Verluste in der Finanzkrise: Lehman-Anlegern droht Schlappe vor dem BGH

Schlechte Nachrichten für deutsche Käufer von Lehman-Zertifikaten: Vor dem Bundesgerichtshof zeichnet sich ein Scheitern zweier Schadensersatzklagen ab. Die Pleite der US-Investmentbank war nach Ansicht der Richter nicht vorhersehbar.

Lehman-Zentrale 2008: Verletzung von Beraterpflichten? Zur Großansicht
AFP

Lehman-Zentrale 2008: Verletzung von Beraterpflichten?

Karlsruhe - Die Kläger hoffen auf Entschädigung, Verbraucherschützer sogar auf ein Grundsatzurteil: Am Dienstag verhandelt der Bundesgerichtshof (BGH) über die Schadensersatzansprüche zweier deutscher Kleinanleger, die auf Empfehlung ihrer Bank Zertifikate der US-Pleite-Bank Lehman Brothers gekauft hatten.

Doch die Hoffnungen könnten enttäuscht werden. Laut einer vorläufigen Beurteilung sieht der BGH keine Schadensersatzansprüche der Anleger gegenüber der Hamburger Sparkasse. Eine Verletzung von Beratungspflichten sei bei vorläufiger Bewertung nicht erkennbar, sagte der Vorsitzende Richter bei der Eröffnung der mündlichen Verhandlung in Karlsruhe. "Sollte es bei der bisher nur vorläufigen Beurteilung bleiben, wären die Revisionen der Kläger wohl zurückzuweisen."

Insbesondere war demnach zum Zeitpunkt des Verkaufs der Zertifikate in den Jahren 2006 und 2007 auch nicht erkennbar, dass bei Lehman das Risiko einer Insolvenz bestand. Der Vorsitzende Richter betonte, das Verfahren habe zwar in gewisser Weise eine Pilotfunktion. Dennoch seien die Umstände jedes einzelnen Verkaufs zu berücksichtigen.

Die beiden klagenden Anleger hatten auf Empfehlung der Hamburger Sparkasse jeweils für 10.000 Euro Anlageprodukte gekauft. Dabei handelte es sich um sogenannte Zertifikate, die von Lehman herausgegeben wurden. Als die Bank im September 2008 pleiteging, wurden die Papiere weitgehend wertlos. Nun verlangen die Anleger wegen angeblich mangelhafter Beratung von ihrer Sparkasse das Geld zurück.

Die beiden Kläger waren bereits vor dem Oberlandesgericht Hamburg gescheitert. Gegen die Hamburger Urteile hatten sie Revision vor dem BGH eingelegt. (Az. XI ZR 178/10 und XI ZR 182/10).

Laut Expertenschätzungen investierten mehr als 40.000 Bundesbürger auf Anraten ihrer Banken zwischen 10.000 und 50.000 Euro in die angeblich lukrativen Lehman-Zertifikate. Nach der Pleite der Bank verloren sie am Ende insgesamt etwa 750 Millionen Euro.

dab/dpa/dapd

Diesen Artikel...
Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.

Auf anderen Social Networks teilen

  • Xing
  • LinkedIn
  • Tumblr
  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • deli.cio.us
  • Digg
  • reddit
Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 103 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1. >|-)
beutzemann 27.09.2011
Zitat von sysopSchlechte Vorzeichen für deutsche Käufer von Lehman-Zertifikaten: Vor dem Bundesgerichtshof zeichnet sich ein Scheitern ihrer Klagen auf Schadensersatz an. Die Pleite der US-Investmentbank war nach Ansicht der Richter nicht vorhersehbar. http://www.spiegel.de/wirtschaft/service/0,1518,788617,00.html
Natürlich war die Pleite vohersehbar. Nur ist der BGH wohl an Weisungen gebunden, den Kapitalismus nicht zu schaden.
2. ...
wildthin9 27.09.2011
Hat irgend Jemand was anderes erwartet?
3. Jeeez
aceofspade 27.09.2011
Zitat von sysopSchlechte Vorzeichen für deutsche Käufer von Lehman-Zertifikaten: Vor dem Bundesgerichtshof zeichnet sich ein Scheitern ihrer Klagen auf Schadensersatz an. Die Pleite der US-Investmentbank war nach Ansicht der Richter nicht vorhersehbar. http://www.spiegel.de/wirtschaft/service/0,1518,788617,00.html
Im Umkehrschluss: Nur wenn eine Pleite vorhersehbar ist, gibts Schadensersatz, oder wie? Warum in aller Welt wuerde jemand in so einen Laden Geld anlegen? Das kaeme ja schon vorsaetzlicher Selbstbeschaedigung gleich. Aber gehirnamputierte Richter machen so etwas vielleicht.
4. Kein Mitleid
kdshp 27.09.2011
Zitat von sysopSchlechte Vorzeichen für deutsche Käufer von Lehman-Zertifikaten: Vor dem Bundesgerichtshof zeichnet sich ein Scheitern ihrer Klagen auf Schadensersatz an. Die Pleite der US-Investmentbank war nach Ansicht der Richter nicht vorhersehbar. http://www.spiegel.de/wirtschaft/service/0,1518,788617,00.html
Hallo, jy sorry wer geld zu geld machen will sollte ahnung davonahben oder es sein lassen denn das man ALLES verlieren kann gehört eben dazu HAT sich von denen eigentlich einer über die hohen zinsen beklagt die man am anfnag bekommen hat?
5. So weit ich weiß...
Ex-Kölner 27.09.2011
...wurden vielen Anlegern diese Papiere verkauft, obwohl sie nach einer sicheren Geldanlage suchten und fragten. Dazu gehörten die Lehman-Papiere per Definition wohl nie - egal, ob eine Pleite absehbar war oder nicht...
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Wirtschaft
Twitter | RSS
alles aus der Rubrik Verbraucher & Service
RSS
alles zum Thema Weltfinanzkrise
RSS

© SPIEGEL ONLINE 2011
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH

SPIEGEL ONLINE Schließen


  • Drucken Versenden
  • Nutzungsrechte Feedback
  • Kommentieren | 103 Kommentare
  • Zur Startseite

Fotostrecke
Der große Crash: Wie es zur Finanzkrise kam
Interaktive Grafik