Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.

Umfrage zu Vermögensbildung: Nichts geht Deutschen über Betongold

Hausbau (in Schwerin): Sicherheit ist für die Deutschen ein Haus Zur Großansicht
DPA

Hausbau (in Schwerin): Sicherheit ist für die Deutschen ein Haus

Die Immobilienbegeisterung der deutschen Sparer wächst und wächst: Einer neuen Umfrage zufolge hält mehr als die Hälfte das Eigenheim für die beste Möglichkeit zum Vermögensaufbau - doppelt so viele wie vor der Finanzkrise.

Einmal im Jahr vermessen die Sparkassen den deutschen Sparer: Wie zufrieden ist er, wofür gibt er sein Geld aus, kann er für sein Alter vorsorgen und wenn ja: Wie legt er sein Geld an? Das Vermögensbarometer 2015 des Deutschen Sparkassen- und Giroverbands zeigt vor allem zwei Dinge: Mehr als die Hälfte der Bundesbürger ist mit der eigenen Finanzlage zufrieden - und die Sehnsucht nach dem Eigenheim wird immer größer.

56 Prozent der Befragten bewerteten ihre finanzielle Situation mit "sehr gut" oder "gut", nur neun Prozent antworten mit "eher schlecht" oder "schlecht". Noch vor zehn Jahren waren nur 43 Prozent eher zufrieden und ganze 18 Prozent eher unzufrieden. Zwar bereiten die anhaltend niedrigen Zinsen den Bundesbürgern weiterhin mehr Sorgen als die Griechenlandkrise oder die Euroschwäche. Aber nur zwölf Prozent der Befragten erwarten eine Verschlechterung ihrer Finanzlage.

Vor allem junge Menschen sind eher optimistisch, in der Altersgruppe der 14- bis 29-Jährigen rechnen der Befragung zufolge 40 Prozent mit einer Verbesserung ihrer finanziellen Situation.

Insgesamt sind die Deutschen der Sparkassen-Befragung zufolge weiterhin sparsam: nur sieben Prozent gaben an, in Zukunft mehr Geld ausgeben zu wollen. Die private Altersvorsorge allerdings schieben immer mehr Bundesbürger auf: 40 Prozent gaben an, nicht monatlich etwas zurückzulegen. Der Hauptgrund ist wenig überraschend Geldmangel: 61 Prozent der Haushalte mit einem Monatseinkommen von weniger als 1000 Euro netto müssen auf eine Altersvorsorge verzichten. Erst bei einem Haushaltsnettoeinkommen von mehr als 2500 Euro sinkt der Anteil der "Nicht-Vorsorger" auf ein Viertel.

Sehnsuchtsthema Betongold

Für mehr als die Hälfte der Befragten ist der Aufbau eines Vermögens gleichbedeutend mit dem eigenen Häuschen: 53 Prozent halten eine selbst genutzte Immobilie für die beste Möglichkeit, Geld zu sparen. Für 28 Prozent ist es eine vermietete Wohnung oder ein vermietetes Haus. Dieser Wert steigt seit mehr als zehn Jahren stetig an. Offenbar gilt den sicherheitsbewussten Bundesbürgern trotz der rasant steigenden Immobilienpreise das Betongold als beste Anlage - oder vielleicht gerade deswegen.

Gleichzeitig scheint den meisten aber das Kapital zu fehlen: nur 24 Prozent der Befragten planen, eine Immobilie zu kaufen. Und trotz der niedrigen Zinsen wollen sie kein übermäßiges Risiko eingehen: Nur sechs Prozent der Kaufwilligen würden sich demnach mit bis zu 100 Prozent des Kaufpreises verschulden, nur 21 Prozent halten einen Kredit in Höhe von 80 Prozent des Kaufpreises für vertretbar.

Das Immobilienbeispiel zeigt: Die Deutschen achten bei ihrer Geldanlage weiterhin vor allem auf Berechenbarkeit. Im Vermögensbarometer 2015 steht der Faktor Sicherheit mit 50 Prozent der Nennungen unangefochten an der Spitze, es folgen Flexibilität (38 Prozent), Verfügbarkeit (31 Prozent) und erst an vierter Stelle mit 27 Prozent "hohe Rendite".

Angesichts der niedrigen Zinsen auf Spareinlagen interessieren sich die Deutschen aber langsam auch mehr für Wertpapiere. Mit 24 Prozent der Nennungen stehen Aktien und Investmentfonds als Mittel zum Vermögensaufbau immerhin direkt hinter den Immobilien. Allerdings: Nur sechs Prozent der Befragten halten das Thema für so spannend, dass sie sich damit von selbst befassen. Weit mehr als die Hälfte gab dagegen lediglich an, Anlagen in Wertpapiere "nicht grundsätzlich abzulehnen".

Diese Vorsicht hängt vermutlich mit der Selbsteinschätzung zum Thema Finanzen zusammen: Rund 83 Prozent erachten der Befragung zufolge ein grundsätzliches Verständnis von Geldanlagen zwar für wichtig oder sehr wichtig. Allerdings schätzt nur jeder siebte sein Wissen über Wertpapiere als "gut" oder "sehr gut" ein.

nck

Diesen Artikel...
Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 96 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1.
Thunder79 27.10.2015
und was haben doch schon vor 4-5 Jahren einige vor einer Immobilienblase gewarnt und legt Euer Geld in Gold an. Bin ich froh dass ich mich für meine Eigentumswohnung entschieden habe die im Raum Stuttgart seither um 10% an Wert gestiegen ist. Aber darum geht es nicht. Endlich eine WG ohne nervigen Vermieter....
2. Natürlich
forumgehts? 27.10.2015
sollte man ein Haus / eine Wohnung kaufen, solange man dies für seine 700.000 € noch bekommt und nicht nur ein Brötchen! Das ist nicht Vermögensaufbau sondern Notwehr zum Vermögenserhalt!
3. und trotzdem...
kurosawa 27.10.2015
...ist der Eigenheim anteil der deutschen deutlich geringer als der anderer westlicher länder.
4. kein Vertrauen
conny1969 27.10.2015
Beton = Sicherheit mit Abstrichen Euro, Banken, Börse und Politik = Unsicherheit Eurokrise,Bankenrettung, geschlossene Banken in Griechenland/Zypern, Lehmann, undurchsichtige Aktienmärkte, 0-Zinsen, Provisionen die höher sind als der Ertrag, schlechte Beratung usw. usw. Wer in der richtigen Gegend zu angemessenen Preisen kauft oder baut und es sich leisten kann, macht doch alles richtig, so lange man sein Geld nicht in Immobilien steckt, die irgendwelche Finanzjongleure als Wertanlage verkaufen.
5. Preise überzogen...
juergw. 27.10.2015
vor 10 jahren konnte ich eine Immobilie im Rahmen einer Zwangsversteigerung zu 50 % des Verkehrswertes erwerben und bar bezahlen.Heute wäre das nicht mehr möglich.Können die Häuslebauer nur hoffen das in 10 Jahren die Zinsen nicht steigen,sonst geht es wieder los mit den Versteigerungen...
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    

© SPIEGEL ONLINE 2015
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH





Der kompakte Nachrichtenüberblick am Morgen: aktuell und meinungsstark. Jeden Morgen (werktags) um 6 Uhr. Bestellen Sie direkt hier: