Verseuchtes Tierfutter Warum der Dioxin-Skandal folgenlos bleiben wird

Tiermehl, Nitrofen und jetzt mal wieder Dioxin: Regelmäßig erschüttern Futtermittelskandale das Vertrauen der Verbraucher. Doch wenn die Erregung vorbei ist, bleibt alles beim Alten - weil Politik und Industrie, aber auch die Kunden es so wollen.

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Aufgeschlagenes Ei: Die Herstellung ist längst ein hochindustrieller Prozess
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Aufgeschlagenes Ei: Die Herstellung ist längst ein hochindustrieller Prozess


Hamburg - Deutschland hat einen neuen Futtermittelskandal. Ein bislang nur Branchenkennern geläufiger Futtermittelproduzent hat bis zu 3000 Tonnen mit Dioxin belastetes Futterfett an Abnehmer in acht Bundesländern geliefert. Hunderte von Landwirten haben es verfüttert, Eier und Fleisch aus ihrer Produktion weisen deshalb Dioxinwerte weit über dem gesetzlichen Grenzwert auf.

Die Politik gibt sich entsetzt, fordert härtere Strafen und natürlich bessere Kontrollen. Experten stellen Rechnungen auf, wie viele belastete Eier ein erwachsener Mann ohne Krebsrisiko zum Frühstück essen kann. Verzweifelte Landwirte fordern Entschädigung für ihre sowieso schon defizitären Höfe. Und die Verbraucher schauen ob der ach so verseuchten Lebensmittel mal wieder schockiert in die Kameras der TV-Sender.

Keiner bestreitet, dass es kriminell ist, dioxinbelastetes Futtermittel in den Umlauf zu bringen. Keiner bestreitet, dass die Kontrollen im Lebensmittelbereich verbessert werden müssen. Aber die in schöner Regelmäßigkeit wiederkehrenden Skandale bei der Produktion von Lebensmitteln zeigen vor allem eines: Die Herstellung von Eiern, Milch und Würstchen ist längst ein hochindustrieller Prozess, der nichts mehr mit grünen Wiesen und glücklichen Kühen zu tun hat.

In modernen Futtermitteln finden sich Zusatzstoffe wie Vitamine und Mineralstoffe - aber auch Aromen und Geschmacksverstärker zur Förderung des Appetits, Wachstumsförderer oder synthetische Farbstoffe. Dazu kommt: Was der Bauer seinen Tieren verfüttert, ist durch viele Hände gegangen. Ein Geflecht aus Händlern, Zwischenhändlern und Raiffeisenverbänden schiebt die verschiedenen Bestandteile des Futters hin und her.

Und da geht dann eben wie im aktuellen Fall auch mal die richtige Kennzeichnung verloren. Vor allem, wenn auf diese Weise mehr Geld verdient werden kann. Fällt das Ganze dann doch mal jemandem auf, einigen sich die Betroffenen schnell darauf, dass es sich um einen "Einzelfall" und "kriminelle Energie" handele - und nicht etwa um einen Systemfehler.

Das funktioniert, weil alle es so wollen. Die Lebensmittelindustrie, weil sie so weiter billig produzieren kann. Die Politik, weil sie sich nicht mit der mächtigen Agrarlobby anlegen möchte, keinen wirksameren Verbraucherschutz will. Und nicht zuletzt die Konsumenten, weil sie die Illusion von gutem Essen für wenig Geld nicht aufgeben wollen.

Solange sich die Mehrheit nicht dafür interessiert, was sie isst und unter welchen Bedingungen ihre Lebensmittel hergestellt werden, wird sich daran nichts ändern. In ein paar Tagen wird kaum noch jemand über die Dioxin-Eier sprechen, Konsequenzen wird der Fall wohl nicht haben.

Dann kehrt wieder Ruhe ein - so wie bei all den anderen Fällen in den vergangenen Jahren auch.

Forum - Dioxin - müssen die Kontrollen verstärkt werden?
insgesamt 2787 Beiträge
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SaT 04.01.2011
1. Natürlich nicht
Stärkere Kontrollen könnten nämlich die Wirtschaftlichkeit der Nahrungsproduktion negativ beinträchtigen. Und Geld ist ja alles – auch wenn wir dabei zugrunde gehen. Zudem ist die Dioxinbelastung laut Medien nur für Kinder problematisch. Bei den wenigen Kinder die wir in Deutschland haben ist das ein vernachlässigbares Risiko.
doubleq 04.01.2011
2. Wertigkeit der Interessen
Da gibt es eine Meldung über einen Wecker, der im iPhone nicht funktioniert und daraus entstehen 14 Seiten im Forum. ein Thema wie die mit Dioxin verseuchten Futtermittel interessiert dagegen offensichtlich niemanden. Obgleich dieses Thema uns ALLE betrifft - die überwiegende Mehrheit der Verbraucher isst Eier oder Geflügel. Wie wichtig ist da ein Wecker im Handy???
jocurt1 04.01.2011
3. Veröffentlichen nicht verschärfen
Zitat von sysopDer Skandal um vergiftete Eier verunsichert die Deutschen. Doch wer trägt Schuld an der Verseuchung? Bei der Suche nach den Verantwortlichen schaltet sich jetzt die Politik ein: Der Bundestag soll sich mit dem Skandal beschäftigen. Müssen die Kontrollen verschärft werden?
wenn jeder Bürger nachlesen kann, wer da Ross und Reiter ist, erledigt sich das ganz schnell. ZZ gilt so was als Geschäftsgeheimnis und darf nicht offengelegt werden. Mit der Regel kann ich auch Kacke als Schokoladenaustausch verkaufen.
mood 04.01.2011
4. 2 Foren
Zitat von doubleqDa gibt es eine Meldung über einen Wecker, der im iPhone nicht funktioniert und daraus entstehen 14 Seiten im Forum. ein Thema wie die mit Dioxin verseuchten Futtermittel interessiert dagegen offensichtlich niemanden. Obgleich dieses Thema uns ALLE betrifft - die überwiegende Mehrheit der Verbraucher isst Eier oder Geflügel. Wie wichtig ist da ein Wecker im Handy???
Keine Panik; idiotischerweise ist das hier schon das zweite Forum (http://forum.spiegel.de/showthread.php?t=26838) Ist zwar vollkommener Quatsch bei einem Thema zwei Foren zu machen, aber es ist so...
buktu1975 04.01.2011
5.
Zitat von doubleqDa gibt es eine Meldung über einen Wecker, der im iPhone nicht funktioniert und daraus entstehen 14 Seiten im Forum. ein Thema wie die mit Dioxin verseuchten Futtermittel interessiert dagegen offensichtlich niemanden. Obgleich dieses Thema uns ALLE betrifft - die überwiegende Mehrheit der Verbraucher isst Eier oder Geflügel. Wie wichtig ist da ein Wecker im Handy???
Naja, ein paar Einträge gab es ja schon: http://forum.spiegel.de/showthread.php?t=26838 Und im übrigen scheint der Mensch in diesem Fall eher kurzfristig zu denken und ein Meister der Verdrängung zu sein,anders kann ich mir das nicht erklären: Verschlafen beim iPhone=zu spät zur Arbeit kommen=Ärger. Dioxin im Futter=schmeckt man nicht=wird man vielleicht krank von=ich bestimmt nicht, nur andere.
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