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Versicherte: Was Sie über die neue Gesundheitskarte wissen müssen

Millionen gesetzlich Versicherte erhalten in den kommenden Wochen eine neue Gesundheitskarte. Ärzte sollen sich damit künftig besser austauschen können. Aber was ändert sich konkret? Und worauf müssen Patienten achten? Antworten auf die wichtigsten Fragen.

Neue Gesundheitskarte: Jeder Versicherte behält seine Nummer ein Leben lang Zur Großansicht
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Neue Gesundheitskarte: Jeder Versicherte behält seine Nummer ein Leben lang

Berlin - Eigentlich sollte die elektronische Gesundheitskarte bereits zum Januar 2006 eingeführt werden. Technische Probleme und Bedenken von Datenschützern bremsten das Projekt allerdings. Nun ist es endlich soweit - zumindest für zehn Prozent der gesetzlich Versicherten. Sieben der 70 Millionen Kassenpatienten sollen bis Ende des Jahres eine neue Karte erhalten.

Anders als die bisherige Versichertenkarte enthält die neue nicht mehr nur einen einfachen Speicherchip, sondern einen Mikroprozessorchip. Damit bietet sie weitaus mehr Speichermöglichkeiten. Die Kassen loben, die neue Karte sei besser, weil darauf in einigen Jahren etwa Notfalldaten gespeichert werden könnten. Kostengünstiger werde es unter anderem deshalb, weil die Versichertendaten online aktualisiert werden könnten und der Austausch von rund 15 Millionen Karten pro Jahr damit entfalle.

Aber was ändert sich mit der neuen Karte im Einzelnen? Und worauf müssen Versicherte am meisten achten? Antworten auf die wichtigsten Fragen.

Was bringt die elektronische Gesundheitskarte?

Anders als die alte Gesundheitskarte enthält die elektronische Variante ein Lichtbild des Versicherten; damit soll ein Missbrauch verhindert werden. Gespeichert werden in einem ersten Schritt Name, Geburtsdatum, Geschlecht und Anschrift sowie Angaben zur Krankenversicherung. Schnell umgesetzt werden soll zudem der fachliche Austausch von Ärzten untereinander. Geplant ist außerdem, Informationen wie etwa die elektronische Patientenakte, Notfalldaten, Patientenverfügungen oder auch Organspendeerklärungen auf der Karte zu speichern. Das soll jeder Patient jedoch frei entscheiden können. Rezepte können künftig elektronisch ausgestellt werden.

Gelten die alten Karten weiterhin?

Bis Ende dieses Jahres müssen die Kassen zehn Prozent ihrer Mitglieder mit den neuen Karten versorgt haben. Für eine Übergangszeit gelten die bisherigen Versichertenkarten neben der neuen elektronischen Gesundheitskarte. Auch die Arztpraxen müssen mit neuen Lesegeräten ausgestattet werden. In Brandenburg haben bereits mehr als 80 Prozent der Ärzte neue Leseterminals, in Bayern sind es erst 43 Prozent. Trifft ein Patient mit einer neuen Karte auf einen Arzt ohne neues Lesegerät, wird er trotzdem behandelt.

Was passiert bei einem Wechsel der Krankenkasse?

Jeder Versicherte behält seine Versichertennummer sein Leben lang. Wechselt er die Krankenkasse, erhält er eine neue elektronische Versichertenkarte und eine neue Geheimzahl, die Nummer aber bleibt. Die gespeicherten Daten und Informationen des Versicherten gehen nicht verloren. Sie können auf die neue Karte übertragen werden.

Wie sicher sind meine Daten?

Medizinische Daten auf der Karte werden mit einer PIN gesichert. Diese übermitteln die Krankenkassen ihren Versicherten. Am Lesegerät müssen sich Ärzte zudem durch Heilberufsausweise identifizieren. Erst dann können Daten entschlüsselt werden. Lediglich Notfalldaten, also etwa Informationen über Arzneimittelunverträglichkeiten, sollen ohne Geheimzahl zugänglich sein. Arbeitgeber sollen keinen Zugriff auf die Daten erhalten. Jeder Versicherte soll außerdem freiwillige Angaben jederzeit wieder löschen lassen können. Die genauen Konzepte hierfür werden erst noch entwickelt.

böl/dapd

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insgesamt 57 Beiträge
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1. moment mal
weltbetrachter 01.10.2011
Habe ich das richtig verstanden ? Der Versicherte bekommt eine Geheimzahl, so wie die PIN der EC-Karte und sagt die dann beim Arztbesuch der Mitarbeiterin. So erhält die dann Zugriff auf die Kartendaten. - Ich kenne jede Menge ältere Menschen, die noch nicht einmal ihre Postleitzahl auswendig kennen. Und PIN-Nummern schon gar nicht. - Dann finde ich es auch toll, wenn man einem Patienten im Krankenhaus, bewußtlos nach einem Unfall behandelt und seine PIN-Numme benötigt.
2. Human-Chip
weltbetrachter 01.10.2011
Wir können uns doch alle noch einen Chip unter die Haut pflanzen lassen, der zusammen mit der Gesundheitskarte die Identifizierung ermöglicht. - Erspart die PIN-Nummer - oder nicht ? - Wäre doch eine prima Idee !!!
3. Es gibt noch mehr Fragen...
archie, 01.10.2011
....z.B. bin ich mit Diagnose und Verschreibung meines Arztes unzufrieden. Heute kann ich zu einem anderen Arzt gehen, zahle meine 10 Euro nochmal und möglicherweise behandelt er mich besser und anders. Ist in Zukunft mein voriger Arztbesuch mit (falscher) Diagnose und (falscher) Verordnung für den zweiten Arzt sichtbar, so dass er statt selber zu diagnostizieren die Vorarbeit seines Kollegen übernimmt?
4. Wunsch und Wirklichkeit
heideprinz 01.10.2011
Die neue Versicherungskarte dient allein den Krankenkassen: Bisher haben die Ärzte mit ihren KVen (Kassenärztliche Vereinigungen) abgerechnet, diese haben dann anonymisiert mit den Krankenkassen abgerechnet. Die Einführung der disease-management-Programme hat erstmals den Kassen erlaubt, zu erfahren, was die Pat. einnehmen, wie scwer sie sind, welche Risikofaktoren sie haben. Das ganze wurde als Benefit für die Versicherten verkauft, nur für die ist nichts anders geworden. Die oberflächliche Untersungen (Diabetes) oder das Ankreuzen des Fragebogens hat weder Arzt noch Patienten zum Wohl gereicht. Nun haben die Kassen erstmals Zugriff auf ALLES! Was kommt danach? Risikozuschläge für Adipositas, Hochdruck, Rauchen etc.?! Ob dies unbedingt schlecht ist, sei dahin gestellt. Wenn wir uns klar machen, dass z.Z. im Jahr 35 Mill.€ für Diabetes und dessen Folgen ausgegeben werden müssen und schon in 9 Jahren mit 240 Mill.€ gerechnet wird, dann ist klar, wohin die Reise geht. Erziehung geht am besten über den Geldbeutel.
5. Horrorvision
E. Bär, 01.10.2011
Zitat von archie....z.B. bin ich mit Diagnose und Verschreibung meines Arztes unzufrieden. Heute kann ich zu einem anderen Arzt gehen, zahle meine 10 Euro nochmal und möglicherweise behandelt er mich besser und anders. Ist in Zukunft mein voriger Arztbesuch mit (falscher) Diagnose und (falscher) Verordnung für den zweiten Arzt sichtbar, so dass er statt selber zu diagnostizieren die Vorarbeit seines Kollegen übernimmt?
Davor graut mir auch, dass man mit der neuen Chipkarte bei Fehldiagnosen möglicherweise nur noch durch das Gesundheitssystem durchgereicht wird, ohne Hoffnung auf eine wirklich unabhängige Zweit- und Drittdiagnose.
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Gesundheitssystem: Wofür die Kassen Geld ausgeben

Die bisherigen Gesundheitsreformen
1977: Die Kürzungen beginnen
Es dauert fast drei Jahrzehnte, bis es in der Bundesrepublik zur ersten größeren Gesundheitsreform kommt: Mit dem "Kostendämpfungsgesetz" der sozial-liberalen Koalition versucht die Regierung, die Inanspruchnahme von Leistungen zu steuern: Sie führt Zuzahlungen bei Arznei-, Verbands- und Heilmitteln ein - in Höhe des aus heutiger Sicht niedlichen Betrags von einer Mark pro Medikament.
1983: Auch die Rentner müssen zahlen
Mit zwei Reformen zu Beginn der achtziger Jahre werden die Zuzahlungen durch die Versicherten erhöht. Auch für die Rentner sind die rosigen Zeiten vorbei. Konnten sie sich zuvor kostenlos versichern, müssen sie seit 1983 auch einen einkommensabhängigen Beitrag leisten.
1989: Der erste Rundumschlag
Mit dem "Gesundheitsreformgesetz" von Norbert Blüm geht es ans Eingemachte: Die Eigenbeteiligung der Patienten wird weiter erhöht - etwa bei Arzneimitteln, im Krankenhaus und beim Zahnersatz. Erstmals unternimmt die Regierung auch den Versuch, die Kosten für Medikamente mit radikalen Maßnahmen in den Griff zu bekommen, indem sie Bagatallmedikamente aus dem Leistungskatalog streicht und Festbeträge für Arzneimittel einführt. Seither zahlen die Kassen nicht mehr automatisch jeden Preis für Tabletten und Co., sondern nur noch einen Höchstbetrag. Verschreibt der Arzt ein teureres Mittel, muss der Patient die Differenz zahlen. Trotz dieses Rundumschlags an Kosteneinsparungen sind die Beiträge jedoch nur für kurze Zeit stabil.
1993: Die Leistungen werden budgetiert
Gesundheitsminister Horst Seehofer verfolgt mit dem "Gesundheitsstrukturgesetz" 1993 erneut das Ziel, die Beiträge der gesetzlichen Krankenkassen in den Griff zu bekommen. Um den Anstieg der Leistungsausgaben besser zu kontrollieren, werden sie für einen begrenzten Zeitraum budgetiert. Gleichzeitig erhöht die Regierung erneut die Selbstbeteiligung bei Arznei- und Verbandsmitteln. Das Projekt einer Positivliste, die alle erstattungsfähigen Medikamente benennt, scheitert allerdings. Auch deshalb wird das Reformziel stabiler Beiträge erneut nur für wenige Jahre erreicht.
1997: Zahnersatz bitte selbst zahlen
Die "GKV-Neuordnungsgesetze" stehen ebenfalls in der Tradition ihrer Vorgängerinnen: Patienten müssen sich an den Kosten für Arznei- und Heilmittel, Krankenhaushaufenthalte und Fahrten etwa vom Krankenhaus noch stärker beteiligen. Jüngere Jahrgänge bekommen außerdem geringere Kassenzuschüsse beim Zahnersatz.
1999: Rot-Grün wagt den Leistungsausbau
Mit dem "Solidaritätsstärkungsgesetz" bringt erstmals seit rund zwei Jahrzehnten eine Gesundheitsreform wieder ein Mehr an Leistungen. So werden unter anderem die Zuzahlungen für die Patienten gesenkt. Gleichzeitig führt die rot-grüne Koalition aber zur Begrenzung des Ausgabenwachstums erneut Budgets für Arzthonorare, Krankenhäuser und Arzneimittel ein.
2004: SPD und Union bitten zur Kasse
Nachdem die rot-grüne Regierung in den Folgejahren ebenfalls zum Leistungsabbau umgeschwenkt ist, wagt sie in Kooperation mit dem unionsdominierten Bundesrat ähnlich wie 1989 einen Kostendämpfungsrundumschlag: Das "Gesetz zur Modernisierung der Gesetzlichen Krankenversicherung" sieht unter anderem vor, dass Patienten eine Praxisgebühr von zehn Euro pro Quartal zahlen müssen, verschreibungsfreie Medikamente gar nicht mehr erstattet werden und die Selbstbeteiligung bei erstattungsfähigen Arznei- und Heilmitteln zehn Prozent der Kosten (maximal zehn Euro) beträgt.
2005: Paritätische Finanzierung am Ende
Aus für ein Prinzip, das seit 1883 in Deutschland bestand: Wurden die Beitäge zur Krankenversicherung zuvor paritätisch finanziert, also jeweils zur Hälfte durch den Arbeitgeber und den Arbeitnehmer, müssen die Versicherten nun einen Sonderbeitrag in Höhe von 0,9 Prozent zahlen.
2009: Der Gesundheitsfonds kommt
Zum Jahresbeginn 2009 ändert sich die Finanzierung der Krankenkassen grundlegend: Konnten die Versicherungen bislang ihren Beitragssatz weitgehend selbst festlegen, wird dieser künftig einheitlich von der Regierung bestimmt. Die Beiträge der Arbeitgeber und Arbeitnehmer mitsamt Steuerzuschuss fließen nun in den Gesundheitsfonds. Die Krankenkassen erhalten dann Pauschalen pro Versichertem von dieser gigantischen Geldsammelstelle. Weitere Änderung: Jeder Bürger muss eine Krankenversicherung abschließen.

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