Haftpflicht, Hausrat, Leben Der richtige Weg zur besten Versicherung

Einfach direkt abschließen, online Vergleichsrechner bemühen - oder doch lieber den Vertreter ins Haus kommen lassen? Je nach Versicherungsart kann jeder dieser drei Wege der richtige sein. Ein kleiner Wegweiser zur richtigen Police.

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Versicherungsvertreter (Symbolbild): Beraten statt beschwatzen
Corbis

Versicherungsvertreter (Symbolbild): Beraten statt beschwatzen


Die Allianz versucht es nun mit Facebook und Skype statt Hausbesuchen. Gleich 360 Stellen sollen im Vertrieb der Versicherung abgebaut werden und dazu ein Drittel der Geschäftsstellen zur Betreuung der Vertreter. Das gesparte Geld, rund 40 Millionen Euro im Jahr, soll zum größten Teil für einen besseren Facebook-Kanal und für Videoberatung von Kunden ausgegeben werden.

Das ist kein Witz. Es ist vielmehr Ausdruck der Klemme, in der viele Versicherungsunternehmen stecken. Immer weniger Verbraucher wollen offenkundig einen Vertreter auf ihr Sofa lassen.

Vollautomatisierte Makler

Die alte Welt der Versicherer ruhte auf einem Heer von Versicherungsvertretern, die von der Zahl ihrer Abschlüsse lebt. Für jede vertickte Versicherung erhielt der Vertreter eine Abschlussprovision. So wurde es zur Regel, dass man den Versicherungsvertreter wegen einer Haftpflicht anrief und am Ende auch eine Hausrat- und eine Unfallversicherung abgeschlossen hatte. Andererseits hatte so der Kunde immerhin Kontakt zu jemandem, der Auskunft geben konnte und dafür sorgte, dass wenigstens die notwendigsten Versicherungen bekannt waren.

Noch stöhnt die Branche vor allem über den Veränderungsdruck. Dabei ist eine neue, auch für den Kunden funktionierende Versicherungswelt durchaus möglich. Eine Welt, in der der Kunde leicht erfährt, welche Policen er bedenkenlos direkt beim Versicherer kaufen kann, für welche er einen Online-Vergleichsrechner bemühen sollte und bei welchen er tatsächlich häufig eine Beratung braucht (einen ausführlichen Überblick über alle wirklich notwendigen Versicherungsarten finden Sie am Ende des Textes):

  • Zwingend notwendige simple Produkte wie die Privathaftpflicht können Kunden heute schon mit hohen Qualitätsstandards von der Stange kaufen. Guter Schutz vor dem fahrlässig angerichteten Schaden kostet heute für Familien sechs Euro im Monat, für Singles nur fünf Euro. Wir bei Finanztip empfehlen ebenso wie die Stiftung Warentest zum Beispiel bestimmte Haftpflichttarife der Interrisk, der Haftpflichtkasse Darmstadt oder der Bayerischen.
  • Solche Standard-Empfehlungen gibt es auch für die Auslandsreisekrankenversicherung der Ergo direkt.

Andere Versicherungsprodukte werden inzwischen personalisiert angeboten. Die für mich optimale Hausrat- oder Kfz-Versicherung unterscheidet sich deutlich von der meines Nachbarn. Angebot und Preis kann der Kunde in diesem Angebotschaos inzwischen nur noch mithilfe von Vergleichsportalen abgleichen. In diesem Segment tummeln sich Online-Portale wie Check24, Verivox oder Mr. Money.

Diese Vergleichsrechner funktionieren wie vollautomatisierte Makler. Und wie bei den richtigen Versicherungsmaklern müssen die Verbraucher lernen, zum Beispiel bei Verivox alle Häkchen an der richtigen Stelle zu setzen, um tatsächlich einen für sie guten Tarif zu erhalten.

Honorar statt versteckte Provision

Durch die Lösungen im Internet, bei denen sich Verbraucher selbst helfen, bleiben als Arbeitsfeld für die klassischen Vertriebsmannschaften nur noch die besonders komplexen und damit betreuungsintensiven Produkte: Berufsunfähigkeitsversicherung und Altersvorsorge zum Beispiel. Dafür müssten bisher "abschlussorientierte Vertriebler" (so heißt das im Fachjargon) auf Beratung und Betreuung umgepolt werden. Erfolgreiche Berater reisen dann nicht mehr zum Betriebsausflug nach Budapest, sondern skypen wiederholt mit dem Kunden, ohne ihm gleich beim ersten Gespräch einen neuen Vertrag anzudrehen.

Die Konzerne müssten im Gegenzug einsehen, dass auch Betreuung und Beratung vergütet gehören, nicht allein der Abschluss. Und die Kunden müssten einsehen, dass es der Ehrlichkeit des Beraters zuträglich ist, wenn er mit einem Beratungshonorar vom Kunden statt einer versteckten Provision vom Versicherer bezahlt wird. Andere Länder können da als Vorbild dienen. In den Niederlanden und Großbritannien ist der Provisionsverkauf schon jetzt verboten.

In den Meldungen zur Allianz war übrigens zu lesen, dass die 360 Mitarbeiter eigentlich nicht die Kunden betreut haben, sondern die Vermittler, die den Kunden Produkte verkaufen sollten.

Den Kunden werden sie deswegen eher nicht fehlen.

Zum Autor
  • Finanztip
    Hermann-Josef Tenhagen (Jahrgang 1963) ist Chefredakteur von "Finanztip". Das Onlineportal ist gemeinnützig. "Finanztip" refinanziert sich über sogenannte Affiliate-Links. Mehr dazu hier.

    Tenhagen hat zuvor als Chefredakteur 15 Jahre lang die Zeitschrift "Finanztest" geführt. Nach seinem Studium der Politik und Volkswirtschaft begann er seine journalistische Karriere bei der "Tageszeitung". Dort ist er heute ehrenamtlicher Aufsichtsrat der Genossenschaft. Bei SPIEGEL ONLINE schreibt Tenhagen wöchentlich über den richtigen Umgang mit dem eigenen Geld.

Welche Versicherungen wirklich wichtig sind

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Privathaftpflicht

Was ist das?

Ob man als Radfahrer ein Auto beschädigt oder bei der Party die teure Ming-Vase des Gastgebers zerstört – die private Haftpflichtversicherung springt ein, wann immer jemand einem anderen Schaden zufügt, auch dann, wenn der Schaden grob fahrlässig verursacht wurde. Wichtig ist dabei die vereinbarte Versicherungssumme: Sie legt den Höchstbetrag für die Erstattung fest.

Wer braucht es?

Eine Privathaftpflicht braucht jeder. Sie sichert mit vergleichsweise geringen Beiträgen sehr hohe Risikosummen ab

und wird von allen Experten als vielleicht wichtigste Versicherung empfohlen. Kinder sind bis zum Ende ihrer Ausbildung in der Regel bei den Eltern mitversichert.

Was kostet es?

Eine ordentliche Privathaftpflicht gibt es ab rund 50 Euro pro Jahr. Je nach Leistung können die Tarife aber auch mehr als hundert Euro pro Jahr kosten.

Fazit:

Diese Versicherung braucht wirklich jeder.

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Berufsunfähigkeitsversicherung

Was ist das?

Wer krank wird und seinen Beruf nicht mehr ausüben kann, steht schnell vor finanziellen Problemen. Zwar zahlt die gesetzliche Rentenversicherung häufig noch eine sogenannte Erwerbsminderungsrente. Doch der gewohnte Lebensstandard lässt sich damit nicht halten. Für diesen Fall soll die Berufsunfähigkeitsversicherung einspringen.

Wer braucht es?

Die Berufsunfähigkeitsversicherung gehört vor allem für junge Menschen zu den wichtigsten Versicherungen. Experten raten dazu, eine solche Police früh abzuschließen, um einen möglichst günstigen Tarif zu bekommen. "Am besten schon in der Ausbildung oder im Studium", sagt Lena Kamprolf von der Zeitschrift "Finanztest". Denn im Alter kann es schwierig werden, noch einen bezahlbaren Vertrag zu bekommen.

Das gilt besonders für Menschen mit Vorerkrankungen wie etwa Bandscheibenvorfällen. Sie können sich häufig gar nicht mehr gegen Berufsunfähigkeit versichern.

Was kostet es?

Die Berufsunfähigkeitsversicherung ist relativ teuer und kann mehrere hundert Euro im Monat kosten. Die genaue Höhe der Beiträge hängt nicht nur von der Versicherungssumme ab, sondern auch vom Alter bei Abschluss der Versicherung. Je jünger der Kunde, desto geringer sind in der Regel die Kosten. Auch Vorerkrankungen und der jeweilige Beruf haben Einfluss auf die Beiträge. Dachdecker etwa zahlen mehr als Büroangestellte.

Fazit:

Diese Versicherung ist für viele Menschen empfehlenswert.

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Hausratversicherung

Was ist das?

Ob Einbruch, Brand oder Wasserschaden: Für alle Schäden am Wohnungsinventar gibt es die Hausratversicherung. Sie ersetzt in der Regel die beschädigten Gegenstände und springt zudem für mögliche Aufräum- oder Hotelkosten ein. Wichtig ist jedoch eine ausreichend hohe Versicherungssumme, bei Unterversicherung wird möglicherweise nicht der gesamte Schaden erstattet. Meist ist auch Reisegepäck bei Auslandsaufenthalten mitversichert, häufig lässt sich als Zusatzbaustein auch noch eine Fahrradversicherung ergänzen.

Wer braucht es?

Die Hausratversicherung ist in Deutschland sehr beliebt, nötig ist sie aber nicht für jeden Menschen. "Wer in die erste Studentenbude zieht, braucht meist noch keine Hausratversicherung,

weil er kein besonders wertvolles Inventar besitzt", sagt "Finanztest"-Expertin Lena Kamprolf. Wer genug Geld gespart hat, kann sich auch entscheiden, die Versicherungsprämie zu sparen und im Ernstfall die Kosten selbst zu tragen.

Was kostet es?

Die Kosten für eine Hausratversicherung hängen nicht nur von der Versicherungssumme, sondern auch von Wohnungsgröße und Wohnort ab. In Gegenden mit größerer Einbruchswahrscheinlichkeit sind auch die Beiträge höher.

Fazit:

Diese Versicherung ist nur in bestimmten Fällen nötig.

Corbis

Unfallversicherung

Was ist das?

Wer einen Unfall hat und dabei bleibende Gesundheitsschäden davonträgt, braucht viel Geld. Oft sind zum Beispiel Umbauten in der Wohnung nötig, von Verdienstausfällen ganz zu schweigen. Zumindest teilweise kann man sich für diesen Fall mit einer privaten Unfallversicherung absichern. Die Versicherung zahlt bei Unfällen mit anschließender Voll- oder Teilinvalidität meist eine einmalige Kapitalsumme aus. Passiert der Unfall bei der Arbeit, kommt die Leistung der privaten Unfallversicherung zu der der gesetzlichen hinzu.

Wer braucht es?

Eine Unfallversicherung ist grundsätzlich sinnvoll, um sich gegen Invalidität abzusichern. Experten empfehlen sie besonders für Risikogruppen wie zum Beispiel Reiter oder Skifahrer.
"Die Unfallversicherung ersetzt keine Berufsunfähigkeitspolice",

warnt Lena Kamprolf von "Finanztest", "denn sie zahlt wirklich nur bei Unfallschäden." Interessant ist sie aber für all jene Menschen, die keine Berufsunfähigkeitsversicherung bekommen oder sich diese nicht leisten können.

Was kostet es?

Die Kosten liegen bei zwischen 100 und 500 Euro pro Jahr – und damit deutlich niedriger als bei einer Berufsunfähigkeitsversicherung. Wie viel ein Kunde genau zahlen muss, hängt unter anderem davon ab, wie gefährlich sein Beruf eingestuft wird. Bauarbeiter etwa zahlen mehr als Büroangestellte.

Fazit:

Diese Versicherung ist nur in bestimmten Fällen nötig.

BMW

Kaskoversicherung

Was ist das?

Eine Kfz-Haftpflichtversicherung ist in Deutschland Pflicht, doch sie deckt nur die Schäden ab, die ein Autofahrer bei Dritten verursacht, also zum Beispiel an anderen Autos. Wer auch mögliche Schäden am eigenen Auto abdecken will, braucht eine Voll- oder Teilkaskoversicherung. Dabei deckt die Teilkasko zum Beispiel Schäden durch Brand, Diebstahl oder Hagel ab. Auch geborstene Scheiben und Wildunfälle fallen darunter. Die Vollkaskoversicherung kommt zusätzlich noch für selbst verursachte Schäden am eigenen Auto sowie für Vandalismus auf.

Wer braucht es?

Ob eine Haftpflichtversicherung ausreicht oder ob man besser eine Kaskoversicherung abschließt, hängt unter anderem vom Alter und vom Wert des Fahrzeugs ab. Eine Vollkaskoversicherung lohnt sich meist nur für relativ neue Fahrzeuge. Wenn das Auto nicht älter als 18 Monate ist, ersetzt die Vollkasko bei einem Totalschaden in der Regel den Listenpreis des Wagens, man erhält also mindestens den Kaufpreis erstattet. Teilkaskoversicherungen sind günstiger und lohnen sich entsprechend länger, Experten sprechen von bis zu acht Jahren.

Danach sind die Erstattungsbeträge so gering, dass eine Kaskoversicherung sich kaum mehr rechnet. Auch hier gilt: Wer genug Geld für ein neues Auto auf der hohen Kante hat, kann sich auch entscheiden, das Schadensrisiko selbst zu tragen – schließlich kann der Schaden nicht höher ausfallen als der Wert des Fahrzeugs.

Was kostet es?

Die Prämien für die Kfz-Versicherungen variieren gewaltig. Sie hängen von vielen Faktoren wie den jährlich gefahrenen Kilometern, der Anzahl der Fahrer und dem Standort des Wagens ab (Garage oder Straße). Am wichtigsten ist aber die sogenannte Schadensfreiheitsklasse des Halters: Wer viele Jahre unfallfrei gefahren ist, muss deutlich weniger zahlen als ein Fahranfänger oder jemand, der schon mehrere Schäden verursacht hat. Drücken lässt sich die Versicherungsprämie durch eine vorher vereinbarte Selbstbeteiligung bei möglichen Schäden. Experten empfehlen 150 bis 300 Euro.

Fazit:

Diese Versicherung ist für viele Menschen empfehlenswert.

DPA

Risikolebensversicherung

Was ist das?

Eine Risikolebensversicherung zahlt bei Tod des Versicherten eine vorher festgelegte Summe – an wen, das kann der Versicherte zu Lebzeiten selbst bestimmen. Meist sind es Familienangehörige, die dabei begünstigt werden, es können aber auch Freunde oder Geschäftspartner sein.

Wer braucht es?

Eine Risikolebensversicherung ist empfehlenswert für Menschen, die Angehörige absichern müssen – also zum Beispiel ein Alleinverdiener mit Ehepartner und Kindern, von dessen Einkommen womöglich auch noch ein Hauskredit abbezahlt werden muss. Für Singles in der Mietwohnung ist ein solcher Vertrag dagegen in der Regel unsinnig.

Was kostet es?

Der Beitrag hängt von mehreren Faktoren ab, zum Beispiel von der Höhe der Versicherungssumme, dem Alter, Beruf und Gesundheitszustand des Versicherten. Raucher zahlen meist deutlich höhere Beiträge als Nichtraucher. Auch für Menschen mit gefährlichen Hobbys kann die Versicherung teurer werden.

Fazit:

Diese Versicherung ist für viele Menschen empfehlenswert.

DPA

Private Rentenversicherung

Was ist das?

Wer allein auf die gesetzliche Rente setzt, muss seinen Lebensstandard im Alter meist deutlich zurückfahren. Für die junge Generation von heute wird deutlich weniger Geld übrig bleiben als für die aktuellen Rentner. Mit einer privaten Rentenversicherung lässt sich diese Lücke zumindest einigermaßen schließen. In der Regel zahlt man dazu bis zum Rentenalter monatlich ein und erhält später im Gegenzug eine monatliche Rente bis ans Lebensende. Viele Verträge werden vom Staat mit Zuschüssen als sogenannte Riester-Rente gefördert. Sehr ähnlich wie die private Rentenversicherung funktioniert eine Kapitallebensversicherung – dort kann man sich das angesparte Geld allerdings auch auf einen Schlag auszahlen lassen.

Wer braucht es?

Ob sich eine private Rentenversicherung lohnt, hängt unter anderem von der Lebenserwartung ab. Bei den meisten Tarifen muss man schon mindestens 80 Jahre alt werden, um die eingezahlten Beiträge wieder rauszubekommen. Das Produkt ist also eine Art Wette auf ein langes Leben. Viele Verbraucherschützer raten aber generell davon ab, mit einer privaten Versicherung für das Alter zu sparen. Grund sind vor allem die hohen Abschlusskosten und die unsichere Verzinsung. Der Garantiezins ist in den vergangenen Jahren immer weiter geschrumpft. Zusätzlich versprechen die Versicherer den Kunden

zwar noch eine Beteiligung an den Überschüssen – verbindlich ist das allerdings nicht. Nils Nauhauser von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg rät deshalb, mit anderen Produkten für das Alter vorzusorgen. Allenfalls kurz vor der Rente könne es sich lohnen, das anderweitig ersparte Geld auf einen Schlag in einen Vertrag einzuzahlen, der eine monatliche Leibrente bis ans Lebensende garantiere.

Was kostet es?

Die private Renten- oder Lebensversicherung kostet häufig viel mehr, als es auf den ersten Blick aussieht. Im Vergleich zu anderen Finanzprodukten fallen vergleichsweise hohe Abschlusskosten an, die in den ersten fünf Jahren der Vertragslaufzeit gezahlt werden. Deshalb kann es mitunter lange dauern, bis der Kunde überhaupt seine eingezahlten Beiträge wieder herausbekommt. Von einem jährlichen Garantiezins in Höhe von 1,75 Prozent bleiben laut Verbraucherschützer Nauhauser nach Abzug der Kosten faktisch nur noch 0,75 Prozent übrig. Etwas lohnender ist die Privatrente, wenn sie vom Staat als Riester-Vertrag gefördert wird – allerdings gilt auch dort: Es gibt günstigere Alternativen, die ebenfalls förderfähig sind, etwa einen Fonds- oder Banksparplan.

Fazit:

Diese Versicherung ist nur in bestimmten Fällen nötig.

DPA

Reisekrankenversicherung

Was ist das?

Ob Skiunfall oder Magen-Darm-Infekt: Wer im Ausland Hilfe vom Arzt braucht, kann die Reisekrankenversicherung in Anspruch nehmen. Sie erstattet die Kosten für ambulante Behandlung, Medikamente und Krankenhausaufenthalte - und kommt meistens auch für einen möglicherweise nötigen Rücktransport auf.

Wer braucht es?

Eine Reisekrankenversicherung ist für alle gesetzlich Versicherten empfehlenswert, die ihren Urlaub im Ausland verbringen. Zwar gibt es ein EU-Abkommen, wonach gesetzlich Versicherte aus EU-Staaten die gleichen Leistungen bekommen wie Einheimische. Doch in der Praxis funktioniert das oft nicht gut. Die Leistungen sind in vielen Ländern deutlich geringer als in Deutschland. Viele Ärzte behandeln zudem nur gegen Privatrechnung,

die die Krankenkasse zu Hause in der Regel nicht ersetzt. Außerhalb der EU und einiger klassischer Urlaubsländer ist die Reisekrankenversicherung noch wichtiger. Dort hat man im Krankheitsfall sonst gar keinen Versicherungsschutz. Auch Privatversicherte sollten prüfen, welche Leistungen ihre Versicherung im Ausland bietet. Oft ist zum Beispiel der Rücktransport ins Heimatland nicht inbegriffen.

Was kostet es?

Eine gute Reisekrankenversicherung gibt es schon für zehn Euro pro Jahr.

Fazit:

Diese Versicherung braucht wirklich jeder gesetzlich Versicherte, der ins Ausland reist.

Corbis

Private Krankenzusatzversicherung

Was ist das?

Gesetzlich Krankenversicherte können private Ergänzungstarife abschließen, um sich für bestimmte Fälle besser zu schützen. Besonders beliebt sind solche Policen für Zahnersatz sowie für eine privilegierte stationäre Behandlung im Krankenhaus, etwa durch Ein- oder Zweibettzimmer oder durch Chefarztbehandlung.

Wer braucht es?

Private Zusatzversicherungen sind relativ teuer und sicher kein Muss. "Das ist vor allem eine Frage des Geldbeutels", sagt Lena Kamprolf von der Zeitschrift "Finanztest". "Man sollte sich fragen, wie wichtig einem ein Einzelzimmer oder die Chefarztbehandlung im Krankenhaus wirklich sind." Bei den Zahnzusatztarifen sollten Verbraucher zudem sehr genau hinschauen, welche Leistungen tatsächlich abgedeckt werden. Oft müssen die Versicherten bei Kronen, Brücken

oder Implantaten einen beträchtlichen Eigenanteil zahlen. Klar sollte man sich auch darüber sein, dass die Zusatztarife reine Risikoverträge sind: Die Versicherung zahlt nur im Schadensfall. Wird der Vertrag gekündigt, ist das bis dahin eingezahlte Geld weg.

Was kostet es?

Die Preise für eine Zahnzusatzversicherung schwanken zwischen etwa 5 und 50 Euro pro Monat. Die Leistungen, die man dafür bekommt, unterscheiden sich allerdings meist gewaltig. Zudem hängen die Kosten auch vom Alter des Versicherten ab: Je jünger man anfängt, in die Versicherung einzuzahlen, desto günstiger ist der Tarif.

Fazit:

Diese Versicherung ist nur in bestimmten Fällen nötig.

DPA

Rechtsschutzversicherung

Was ist das?

Rechtsschutzversicherungen übernehmen Anwalts- und Verfahrenskosten bei Rechtsstreitigkeiten. Welche Lebensbereiche dabei abgedeckt werden, hängt von der Art der Versicherung ab: So lassen sich Verkehrs- oder Mietrechtsschutz bei vielen Anbietern einzeln buchen. Ansonsten gibt es auch große Kombipakete, die zusätzlich Berufs- und Privatrechtsschutz bieten. Doch Vorsicht: Bei Rechtsschutzversicherungen lauern besonders viele böse Überraschungen, weil im Kleingedruckten viele Leistungen ausgeschlossen werden.

Wer braucht es?

Eine umfassende Rechtsschutzversicherung ist kein Muss, viele Menschen fühlen sich aber sicherer, wenn sie wissen, dass ihnen keine horrenden Anwaltskosten drohen. Große Kombipakete sind nicht für alle Bürger sinnvoll: Wer etwa Gewerkschaftsmitglied ist, hat in der Regel schon einen Berufsrechtsschutz.

Wer einem Mieterverein beigetreten ist, braucht auch für diesen Bereich keine extra Versicherung mehr. Von den Einzelversicherungen empfiehlt die Zeitschrift "Finanztest" vor allem eine Verkehrsrechtsschutzversicherung. Sie springt auch für Fußgänger und Fahrradfahrer ein.

Was kostet es?

Kombitarife kosten zwischen 150 und 450 Euro pro Jahr. Einzelversicherungen sind deutlich günstiger. Ein guter Verkehrsrechtsschutz etwa ist schon für unter 100 Euro jährlich zu haben.

Fazit:

Diese Versicherung ist nur in bestimmten Fällen nötig.

Corbis

Wohngebäudeversicherung

Was ist das?

Ob Hagel, Sturm, Blitz, Feuer oder Wasser: Die Wohngebäudeversicherung springt ein, wenn Häuser beschädigt werden. Versichert ist dabei nicht nur das Gebäude, auch alle fest eingebauten Bestandteile wie etwa die Heizung werden abgedeckt. Doch Vorsicht: Kostenerstattung bei Sturmfluten oder anderen Naturkatastrophen ist in den Grundtarifen meist nicht inbegriffen.

Wer braucht es?

Hauseigentümer sollten eine Wohngebäudeversicherung haben – egal, ob sie Vermieter sind oder selbst im Haus wohnen.

Die potentiellen Schäden sind so hoch, dass vielen Eigentümern ohne Versicherung der finanzielle Ruin droht.

Was kostet es?

Die günstigsten Prämien liegen bei etwa hundert Euro pro Jahr. Je nach Wert und Lage des Hauses können aber auch mehrere hundert Euro pro Jahr fällig sein.

Fazit:

Diese Versicherung braucht wirklich jeder Hausbesitzer.

DPA

Tierhalterhaftpflicht

Was ist das?

Der Hund beißt einen Jogger, das scheuende Pferd verursacht einen Verkehrsunfall: Für all diese Schäden haften die Halter der Tiere – und zwar in unbegrenzter Höhe. Um sich vor horrenden Kosten zu schützen, können Tierfreunde eine besondere Haftpflichtversicherung abschließen. Sie kommt für die Schäden auf, die Hunde oder Pferde verursachen.

Wer braucht es?

Eine Tierhalterhaftpflicht ist ein Muss für jeden Hundebesitzer - und auch Pferdehaltern empfehlen Experten einen solchen Vertrag.

Kleintiere wie Meerschweinchen oder Katzen werden dagegen in der Regel über die Privathaftpflicht abgedeckt und müssen nicht extra versichert werden.

Was kostet es?

Hundehalter zahlen laut Finanztest bei guten Anbietern rund 75 Euro jährlich. Für Pferdehalter geht der Schutz ab etwas über 100 Euro im Jahr los.

Fazit:

Diese Versicherung braucht wirklich jeder Hundehalter.

Wirklich notwendig
Für viele Menschen zu empfehlen
Nur in bestimmten Fällen nötig



Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 51 Beiträge
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Seite 1
Harry_S 14.06.2015
1. Vertreter helfen nicht
Vertreter kommen immer gerne um abzuschließen. Kommt es im Schadenfall zum Streit mit Versicherung, haben sie auf einmal nichts mehr damit zu tun. Musste 6 Jahre wegen Berufsunfähigkeit klagen (Versicherung musste Zahlen am Ende), Vertreter abgetaucht, keine Unterstützung. Mein Rat: Online abschließen und Provision sparen.
blabla55 14.06.2015
2. Hausratversicherung
Nach mittlerweilen 2 Wohnungseinbrüchen bin ich glücklich eine Hausratversicherung gehabt zuhaben. Der Jahrebeitrag ist überschaubar.
Spiegelleserin57 14.06.2015
3. viele Versicherungsnehmer lesen nicht..
im Internet das Kleingedruckte welches sich auch ständig ändern kann. Die Überraschung kommt dann im Schadensfall. Ich lasse mir prinzipiell immer vorab das Kleingedruckte schicken damit ich es im Ruhe studieren kann.
Kris 14.06.2015
4. Vertreter
Zitat von Harry_SVertreter kommen immer gerne um abzuschließen. Kommt es im Schadenfall zum Streit mit Versicherung, haben sie auf einmal nichts mehr damit zu tun. Musste 6 Jahre wegen Berufsunfähigkeit klagen (Versicherung musste Zahlen am Ende), Vertreter abgetaucht, keine Unterstützung. Mein Rat: Online abschließen und Provision sparen.
Meinen Sie einen Vertreter oder einen Makler ? Beide habe im Regelfall mit der Schadenreglierung nicht soviel zu tun, weil das grundsätzlich Sache der zuständigen Schadenabteilung ist. Im übrigen ist es ein Trugschluss, dass bei Online-Abschlüssen keine Provision fließen würde. Die Abschlussvergütung ist Bestandteil der Vertragskalkulation; schließen SIe online ab, dann fließt die eben an den Betreiber der Website oder die Gesellschaft steckt sich das Geld eben direkt ein.
avada~kedavra 14.06.2015
5. Notwendig
lt. Artikel (oder Meinung des Verfassers) eine Auslandskrankenversicherung (3 Sterne)? Was wenn man nie im Ausland Urlaub macht - solche Menschen gibt es auch - oder wenn man u. U. bereits über den Automobil-Club eine entsprechende Leistung im Clubbeitrag hat, wofür dann eine solche Empfehlung? Grundsätzlich sind doch folgende Versicherungen wichtig: PHV (Privathaftpflicht) Hausrat (bzw. Wohngebäude bei Eigentum) beim KFZ u. U. Teil- oder Vollkasko je nach dem noch eine Rechtschutz BU je nach Jahrgang (ab Geburtsjahr 1961 oder später) Risikolebensversicherung für "junge" Familien bis soweit alles in "trockenen" Tüchern ist. Warum lt. Herrn Tenhagen (oder lt. des SpOn-Ressorts) eine Wohngebäudeversicherung mit 3 Sternen bewertet wird (statt mit 2 - es ist ja nicht jeder SpOn-Leser ein Hauseigner) oder eine Tierhalterhaftpflicht mit 3 Sternen weiß wohl nur der Autor selbst.
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