Unbezahlte Rechnungen Versorger schalten 330.000 Haushalten den Strom ab

Rechnung nicht bezahlt, Mahnung ignoriert - dann drehen die Versorger den Saft ab. Laut Bundesnetzagentur waren 2016 rund 330.000 Haushalte betroffen. Teil des Problems: die stark gestiegenen Strompreise.

Stromzähler
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Wegen unbezahlter Rechnungen ist im vergangenen Jahr rund 330.000 Haushalten in Deutschland der Strom abgestellt worden. Neben den Sperrungen der Anschlüsse gab es 2016 zudem etwa 6,6 Millionen Sperrandrohungen gegen säumige Zahler. Das geht aus dem Entwurf für den Jahresmonitoring-Bericht von Bundesnetzagentur und Bundeskartellamt hervor, der der Deutschen Presse-Agentur vorliegt.

Die Zahl der Stromabschaltungen im Auftrag der örtlichen Grundversorger ist damit im Vergleich zum Jahr zuvor nur leicht zurückgegangen. Damals gab es etwas über 331.000 Fälle. Die höchste jemals gemessene Zahl an Sperren gab es 2014 - damals wurde exakt 351.802 Haushaltskunden der Strom abgeklemmt.

Stromsperren sind als letztes Mittel der Versorger bei Zahlungsrückständen von mindestens 100 Euro, mehreren Mahnungen und einer Sperrandrohung mit letzter Zahlungsfrist möglich. Für die Betroffenen bringen sie hohe Zusatzkosten, denn die Kunden müssen nicht nur die aufgelaufenen Rechnungen, sondern auch die Sperrung und den späteren Wiederanschluss selbst bezahlen: Nach dem Bericht fielen dafür im Schnitt jeweils 35 bis 40 Euro an, wobei einzelne Versorger wesentlich höhere Beträge von jeweils bis zu 200 Euro forderten.

Nach den Beobachtungen von Verbraucherzentralen und Sozialbehörden reagieren Betroffene oft zu spät auf die drohende Zahlungsunfähigkeit. Teil des Problems sind auch die stark gestiegenen Strompreise: Seit dem Jahr 2000 haben sie sich für Haushaltskunden auch durch die Zusatzlasten der Energiewende von 15 Cent pro Kilowattstunde auf um die 30 Cent verdoppelt. Die durchschnittlichen Realeinkommen legten im selben Zeitraum nicht annähernd so stark zu. Der Energieanteil in den Hartz-IV-Regelsätzen deckt nach Meinung von Sozialverbänden den Strombedarf eines Einpersonenhaushaltes bei Weitem nicht ab.

Zudem stecken ausgerechnet arme Menschen vielfach in teuren Grundversorgungstarifen für ihren Strom fest. Bei schlechter Bonität der Kunden schließen manche Versorger keine günstigeren Sonderverträge ab. Weil sie kein Geld haben, können sich arme Kunden oftmals keine neuen Geräte leisten und behalten ihre alten "Stromfresser". Sie verbrauchen damit also überdurchschnittlich viel.

oka/dpa



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curiousbs 22.10.2017
1.
Wenn ich so etwas lese, kommt mir das hier in den Sinn: „Ein Deutschland in dem wir gut und gerne leben.“ Ich könnte kotzen ...
weem 22.10.2017
2. Offensichtlich handelt es sich um eine heilige Kuh
Das macht mich in der Tat jedes Jahr wütend. Wenn man sich ansieht, welche Firmen von der EEG Umlage befreit sind, und wie im Gegenzug die „normalen“ Leute immer mehr belastet werden, ist das sehr wahrscheinlich mit ein Grund für die Abwanderung der Menschen von den etablierten Parteien, hin zu extremen ala AFD. Ich verstehe nicht, warum es niemand schafft, nicht nur einen momentanen Stopp des Strompreisanstieges hinzukriegen (dafür hat sich ja noch Gabriel als Wirtschaftsminister „feiern“ lassen), sondern eine dauerhafte Entlastung zustande zu bringen. Es ist einfach schwierig bis gar nicht zu verstehen, dass einerseits die Strompreise an den Börsen immer mehr sinken und am Ende beim Verbraucher nichts ankommt.
RalfHenrichs 22.10.2017
3. Stromsperren sollten verboten werden
Die Grundbedarf muss stets gewährleistet sein, weil in unserer industrialisierten Welt Elektrizität ein Menschenrecht ist. In Frankreich und Belgien gilt es z.B. ein solches Gesetz, dass Stromsperren zumindest im Winter verbietet. Auch die EU fordert, dass Stromsperren für bestimmte Personengruppen untersagt werden. Das wäre zumindest ein Anfang. Grundbedarf bedeutet auch nicht, dass man einfach bedenkenlos weiter Strom verbrauchen darf, sondern dass es z.B. gerade fürs Kochen reicht und um Licht anzuschalten. Gleichzeitig muss der Stromanbieter Hilfe anbieten, um die Schulden zurückzuzahlen. Dieses erfolgt aber in der Regel heute schon. Immerhin.
FinWir.de 22.10.2017
4. Wen Menschen zu arm sind, um den Strom zu bezahlen
Immer mehr Menschen in diesem Land verdienen so wenig, dass sie sich nicht mehr die rudimentären Dinge wie Strom oder Gas für eine warme Wohnung leisten können. Das kommt davon, wenn die Politik sich nur noch auf die Steigerung der Unternehmensgewinne konzentriert und alles andere vergisst. Eine Million Menschen die von Grundsicherung leben und insgesamt 7 Millionen Menschen, die in diesem Land Leistungen nach SGB I oder II beziehen. Das ist die Zukunft Deutschlands, in dem man ja ach so gut und gerne leben kann.
angelobonn 22.10.2017
5. Resultat grüner Politik
Das ist das Ergebnis grüner bzw. grün beeinflusster Politik. Den Anfang für die massiven Kostensteigerung hat ein gewisser Herr Trittin gelegt, Frau Merkel hat dann munter weiter gemacht. Jetzt wächst zu Lasten der Menschen zusammen, was zusammen gehört....
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