Videoüberwachung am Arbeitsplatz: Arbeitgeber muss Entschädigung zahlen

Wer sich rechtswidrig von einer Videokamera bei der Arbeit beobachten lassen muss, kann gegenüber seinem Arbeitgeber Anspruch auf Entschädigung haben. Das hat ein Gericht in Hessen entschieden. Ständige Überwachung sei eine "Verletzung der Würde und Ehre des Menschen".

Videoüberwachung: Kameras am Arbeitsplatz können zu Entschädigungen berechtigen Zur Großansicht
DPA

Videoüberwachung: Kameras am Arbeitsplatz können zu Entschädigungen berechtigen

Frankfurt am Main - Arbeitnehmer, die rechtswidrig von einer Videokamera überwacht werden, können einen Entschädigungsanspruch gegenüber dem Arbeitgeber haben. Das geht aus einem Urteil des Hessisches Landesarbeitsgerichts (LAG) hervor. Laut der am Mittwoch bekanntgegebenen Entscheidung hat das LAG einer kaufmännischen Angestellten deswegen 7000 Euro zugesprochen. Sanktionen seien nötig, damit "der Rechtsschutz der Persönlichkeit" am Arbeitsplatz nicht verkümmere, erklärte das LAG zur Begründung.

Die 24-jährige Frau arbeitet in einer hessischen Niederlassung eines bundesweit tätigen Unternehmens. Es wurde von dem Gericht nicht näher benannt. Im Juni 2008 brachte die Firma eine Videokamera an. Sie zeichnete Bilder aus einem Bereich auf, in dessen Vordergrund der Schreibtisch der Frau stand. Im Hintergrund war der Eingangsbereich des Büros zu sehen. Die Frau protestierte gegen die Überwachung - vergebens. Die Kamera diene der Sicherheit der Mitarbeiter, argumentierte das Unternehmen.

Darauf zog die Frau vor Gericht. Das LAG gab ihr nun Recht. Es wertete die Kamera als "schwere Persönlichkeitsrechtsverletzung". Auch wenn sie angeblich nicht immer eingeschaltet gewesen sei, sei die Mitarbeiterin allein wegen der möglichen Aufzeichnungen "einem ständigen Anpassungs- und Überwachungsdruck" ausgesetzt gewesen. Eine solche "Verletzung der Würde und Ehre des Menschen" dürfe für den Arbeitgeber nicht ohne Folgen bleiben.

Die vom Arbeitsgericht Wetzlar in einer früheren Instanz noch auf 15.000 Euro festgesetzte Entschädigung setzte das LAG allerdings auf 7000 Euro herab. Eine Kamera, die aus Sicherheitsgründen allein den Eingangsbereich des Büros erfasst, wäre wohl zulässig gewesen, erklärten die Frankfurter Richter.

(Az: 7 Sa 1586/09)

ulz/AFP

Diesen Artikel...
Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.

Auf anderen Social Networks teilen

  • Xing
  • LinkedIn
  • Tumblr
  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • deli.cio.us
  • Digg
  • reddit
Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 4 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1. Ab 5:45 Uhr wird zurückgefilmt
roterschwadron 26.01.2011
Zitat von sysopWer sich rechtswidrig von einer Videokamera bei der Arbeit beobachten lassen muss, kann gegenüber seinem Arbeitgeber Anspruch auf Entschädigung haben. Das hat ein Gericht in Hessen entschieden. Ständige Überwachung sei eine "Verletzung der Würde und Ehre des Menschen". http://www.spiegel.de/wirtschaft/service/0,1518,741867,00.html
Ob die Arbeitgaber da wirklich alles im Griff haben? Kontrollieren die jeden morgen ihr Chefbüro auf versteckte Kameras, um zu verhindern, daß ihre Aktivitäten irgendwann im Internet öffentlich werden?
2. zur Diebstahlabschreckung
weltbetrachter 26.01.2011
Die Videoüberwachung zur Abschreckung gegen Diebstahl z.B. im Verkaufsraum ist durchaus hilfreich und in Ordnung. Weitere Überwachungen in Firmen halte ich für absolut nicht notwendig und überflüssig.
3. bald ist es soweit ...............
otto huebner 27.01.2011
Zitat von sysopWer sich rechtswidrig von einer Videokamera bei der Arbeit beobachten lassen muss, kann gegenüber seinem Arbeitgeber Anspruch auf Entschädigung haben. Das hat ein Gericht in Hessen entschieden. Ständige Überwachung sei eine "Verletzung der Würde und Ehre des Menschen". http://www.spiegel.de/wirtschaft/service/0,1518,741867,00.html
das man als arbeitgeber einen unternehmensanwalt fest anstellen muss der jede massnahme der eigner auf ihre rechtmaessigkeit abklopfen muss. naja, so werden wenigstens ein paar arbeitslose rechtsanwaelte beschaeftigt. am besten keinen betrieb in dtld aufmachen.........
4.
co2lüge 27.01.2011
Aus dem Artikel geht nicht hervor, ob die Firma nun weiterfilmen darf. Heißt das nun, dass nur, wenn sich jemand beschwert, dann Schadensersatz bezahlt werden muss und die Firmen fürfen einfach weiterfilmen, nachdem sie bezahlt haben? Also so eine Art Freikauf?
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Wirtschaft
Twitter | RSS
alles aus der Rubrik Verbraucher & Service
RSS
alles zum Thema Arbeitsrecht
RSS

© SPIEGEL ONLINE 2011
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH

SPIEGEL ONLINE Schließen


  • Drucken Versenden
  • Nutzungsrechte Feedback
  • Kommentieren | 4 Kommentare
  • Zur Startseite
Die schlimmsten Chef-Sprüche (1)

Zitate starten: Klicken Sie auf den Pfeil