Von Florian Diekmann
Hamburg/Frankfurt am Main - Eine erschreckende Summe verdeutlicht die Misere: 806 Euro. So viel Geld - nach heutiger Kaufkraft berechnet - wird jenen Verbrauchern im Alter Monat für Monat durchschnittlich fehlen, die sich ausschließlich auf die gesetzlich vorgeschriebene Altersversorgung verlassen. Und selbst wer eine Riester-Rente abgeschlossen hat oder in den Genuss einer Betriebsrente kommt, ist noch nicht auf der sicheren Seite. Mehr als die Hälfte der Betroffenen erhält im Ruhestand voraussichtlich weniger als 55 Prozent des letzten Bruttoeinkommens. Zu wenig, um den gewohnten Lebensstandard halten zu können.
Die Zahlen gehen aus dem aktuellen Vorsorgeatlas hervor, den die Wissenschaftler Bernd Raffelhüschen und Christoph Metzger vom Forschungszentrum Generationenverträge der Uni Freiburg erstellt haben. Auftraggeber ist die Kapitalanlagegesellschaft Union Investment, die ihr Geld auch mit privater Altersvorsorge verdient. Die umfangreiche Studie schlüsselt den Zustand der Altersvorsorge für verschiedene Alters- und Einkommensklassen sowie nach Geschlecht auf - für insgesamt 47 Regionen in Deutschland.
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Am wenigsten Geld haben demnach Rentner in Ostdeutschland zu erwarten, am meisten die in Süddeutschland. Allerdings haben Letztere auch heute schon den höchsten Lebensstandard - und müssen deshalb im Alter relativ gesehen auch mit den höchsten Einbußen rechnen.
Wer sich auf die Rente verlässt, der ist verlassen - so lautet das Fazit der Forscher. Viele Menschen werden es sich im Alter nicht mehr so gut gehen lassen können wie im Arbeitsleben. Um seinen Lebensstandard zu halten, braucht ein Rentner den Forschern zufolge nämlich eine sogenannte Ersatzquote von mindestens 60 Prozent seines letzten Bruttoeinkommens als Erwerbstätiger. Die Forscher berücksichtigen dabei, dass die Abgabenlast durch den Wegfall von Renten- und Arbeitslosenversicherung sowie niedrigere Steuersätze erheblich geringer ist als im Erwerbsleben. Wer also zuletzt 3500 Euro brutto im Monat verdient hat, sollte im Ruhestand 2100 Euro brutto monatlich haben.
Der Gesetzgeber definiert drei sogenannte Vorsorge-Schichten:
Bereits in der Vergangenheit konnte ein Rentner, der stets den Durchschnittsverdienst aller Arbeitnehmer erzielt hat, seinen Lebensstandard nicht halten. Seine Rente deckte rund 50 Prozent des letzten Bruttogehalts ab. Durch diverse Reformen wird diese Ersatzquote in den kommenden 20 Jahren auf rund 45 Prozent sinken. Um diese Absenkung auszugleichen, wurde die Riester-Rente eingeführt.
Tatsächlich wird die Rentenlücke aber gerade für viele junge Menschen noch weitaus größer ausfallen - denn dass Arbeitnehmer über Jahrzehnte ununterbrochen in die Rentenkasse einzahlen, ist immer seltener die Regel. Die heute 20- bis 34-Jährigen können daher nur mit einer Rente in Höhe von 38,4 Prozent ihres letzten Bruttogehalts rechnen.
Nur Vermögende sind wirklich gut abgesichert
Immerhin erreichen fast die Hälfte aller Riester-Sparer im Alter mehr als 55 Prozent dieses Niveaus. Sie müssen also kaum Abstriche beim Lebensstil hinnehmen. Das gilt insbesondere für die Jungen: Wer heute 20 bis 34 Jahre alt ist und riestert, wird im Alter im Schnitt 488 Euro Riester-Rente (nach heutiger Kaufkraft) beziehen, 22 Prozent seines letzten Bruttoeinkommens. Allerdings nutzt das nur jeder dritte Berechtigte in dieser Altersgruppe.
Zwar ist die Riester-Rente wegen überhöhter Gebühren und niedriger Renditen ins Gerede gekommen. Nur 5 der 29 von Stiftung Warentest untersuchten Versicherungsangebote schnitten mit "gut" ab. Dennoch raten auch Verbraucherschützer dazu: "Ein Riester-Vertrag ist eine gute Altersvorsorge", sagt Günter Hörmann von der Verbraucherzentrale Hamburg - sofern man bei der Produktauswahl sorgfältig hinschaut.
Dennoch sind dem Altersvorsorge-Atlas zufolge eigentlich nur jene gut abgesichert, die zu gesetzlicher und Riester-Rente zusätzlich Vermögen aufbauen, etwa mit klassischen Spareinlagen, Aktien oder Immobilien. Allerdings: "Das Geld- und Immobilienvermögen ist sehr ungleich verteilt", stellen die Forscher fest. Wer aber zu den Vermögenden gehört, erreicht im Schnitt 77,4 Prozent des letzten Bruttogehalts.
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