Kosten-Nutzen-Bilanz Studie zur Wärmedämmung sorgt für Ärger

Dämmen lohnt sich: Mit diesem Versprechen werben Politik und Umweltschützer für die Sanierung von Gebäuden. Laut einer Studie im Auftrag der Förderbank KfW übertreffen die Kosten jedoch die Einsparungen. Die Grünen widersprechen vehement.

Wärmedämmung eines Daches: Zentraler Bestandteil der Energiewende
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Wärmedämmung eines Daches: Zentraler Bestandteil der Energiewende


Berlin - Was bringt die energetische Sanierung von Gebäuden? Eine neue Studie des Schweizer Beratungsunternehmens Prognos im Auftrag der deutschen Förderbank KfW kommt zu einem ernüchternden Ergebnis. Demnach übersteigen die Kosten der Sanierung die Einsparungen bei den Heizkosten in den kommenden Jahren erheblich. Die Investitionen ließen sich "nicht allein aus den eingesparten Energiekosten finanzieren", zitiert die "Welt" aus dem Gutachten.

Damit widersprechen die Forscher anderen Untersuchungen. So ergab etwa eine Studie der halbstaatlichen Deutschen Energie-Agentur, dass sich über einen Zeitraum von 25 Jahren auch ehrgeizige Sanierungen von Einfamilienhäusern lohnen.

Die Wärmedämmung von Häusern ist ein zentraler Bestandteil der Energiewende und wird in Deutschland großzügig gefördert. Die Bundesregierung will den Energieverbrauch in Wohngebäuden bis 2050 um 80 Prozent senken. Um dieses Ziel zu erreichen, sind laut Studie Investitionen von 838 Milliarden Euro nötig. Dadurch könnten jedoch nur Energiekosten von 370 Milliarden Euro eingespart werden, errechneten die Prognos-Forscher.

Beim energiepolitischen Sprecher der Grünen, Hans-Josef Fell, stießen die Ergebnisse von Prognos auf heftigen Widerspruch. "An der Stichhaltigkeit dieser Studie darf erheblich gezweifelt werden", sagte Fell. So hätten sich seit 1998 die Heizölpreise in Deutschland verdreifacht, was Prognos nie prognostiziert habe. Auch die künftigen Heizkosten setzten die Autoren viel zu niedrig an, obwohl fossile Rohstoffe sich dramatisch verknappten.

Zu befürchten ist nach Ansicht des Politikers zudem, dass die Studie viele Hausbesitzer und Vermieter von der Sanierung abhalte, "obwohl sie damit sich selbst und ihre Mieter immer tiefer in die Heizkostenfalle treiben werden".

Die Sanierung von Häusern ist zuletzt noch aus einem anderen Grund in die Kritik geraten: Die dabei häufig verwendeten Styroporplatten sind extrem leicht entflammbar. Eine Verschärfung der Brandschutzvorschriften scheiterte jedoch bislang.

dab/dpa



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fredadrett 30.03.2013
1. Dir Grünen - man fast es nicht!
Wenn man für die Wärmedämmung eines Einfamilienhauses ca. 40.000 Euro auf den Tisch legen muß und im Jahr dadurch vielleicht 500 Euro spare muss man kein Gauss od. Riese sein um zu sehen das sich das nie rechnet. Hinzu kommt die Dämmung ist nach 20ig Jahren als Sondermüll zu entsorgen und belastet die Umwelt. Wie kann ein Grüner so die Bau/Dämstoffwirtschaft hofieren?
albert schulz 30.03.2013
2. das war bekannt
Zitat von sysopDPADämmen lohnt sich: Mit diesem Versprechen werben Politik und Umweltschützer für die Sanierung von Gebäuden. Laut einer Studie im Auftrag der Förderbank KfW übertreffen die Kosten jedoch die Einsparungen. Die Grünen widersprechen vehement. http://www.spiegel.de/wirtschaft/service/waermedaemmung-studie-zu-kosten-und-nutzen-sorgt-fuer-streit-a-891797.html
Das ist ein uralter Hut im Bestand. Gilt natürlich nicht für Neubauten. Die Zuschüsse und Kredite der öffentlichen Hand sollen motivieren, aber wenn die Eigentümer rechnen können und das Geld nicht haben, hilft Ideoolgie gar nichts. Die Realitätsferne der Grünen ist zuweilen beängstigend. So lobenswert Energieeinsparung wäre.
pubsfried 30.03.2013
3. und genau deswegen...
...blieb unser Haus trotz neuem Putz UNGEDÄMMT (30cm Ytong). So nutzt man wenigstens noch die solaren Gewinne, und nach 20 Jahren ist Styropor sowieso hinüber- eben gerade dann wenn er "rentabel" wird - ein absoluter Witz! Selbst Zusatz-Investitionen von nur 8000 Euro hätten sich bei uns laut Energieberatung nicht rentiert in den nächsten 20 Jahren, auch bei Energiepreis-Verdoppelung nit!
j.w.pepper 30.03.2013
4. Jeder, der das schon mal...
Zitat von sysopDPADämmen lohnt sich: Mit diesem Versprechen werben Politik und Umweltschützer für die Sanierung von Gebäuden. Laut einer Studie im Auftrag der Förderbank KfW übertreffen die Kosten jedoch die Einsparungen. Die Grünen widersprechen vehement. http://www.spiegel.de/wirtschaft/service/waermedaemmung-studie-zu-kosten-und-nutzen-sorgt-fuer-streit-a-891797.html
...für sein Haus durchgerechnet hat, wusste das schon. Klar, wenn die Energiepreise (dank tatkräftiger Mithilfe des Staates durch Steuern, Abgaben und Blockade neuer Fördermethoden) weiter in den Himmel steigen, mag das mal anders aussehen. Aber auch wir sind nach dem gegenwärtigen Stand auf eine Amortisationsdauer von 40 - 50 Jahren gekommen, und das noch ohne Verzinsung. Und dafür unser Haus in potthässliche und brandgefährliche Styroporpaneele einpacken? Niemals.
derstefan12 30.03.2013
5. Haben fertig
Wer glaubt denn im Ernst noch unseren Politikern und dem Unsinn vom Energiesparen durch Dämmung unserer Häuser? Unsere Politiker haben fertig, und das Volk wacht langsam auf. Wer weiß, ob wir die energetisch "sanierten" Häuser und Wohnungen (das Wort "saniert" ist in diesem Zusammenhang eine Groteske!) in 10 oder 15 Jahren nicht wieder abreißen müssen, weil vor lauter Schimmel und Algen keiner mehr drin wohnen kann? Eigentümer und Mieter müssen die Rechnung für diejenigen zahlen, die sich an der Wärmedämmung und der Energiewende eine goldene Nase verdienen. Cui bono! Und was soll daran ökologisch sein? Wie viel CO2 entsteht eigentlich bei der Herstellung der Dämmstoffe? Was ist mit den Bioziden, die zum Schutz vor Schimmel und Algen schon mal vorsorglich in den Putz eingebaut werden, die aber nach ca. 5 Jahren (dann endet nämlich die Gewährleistung) vom Regen ausgewaschen werden? Diese Biozide landen im Boden und im Grundwasser, das wir und unsere Kinder dann zu uns nehmen. Sehr ökologisch, wirklich! Und was passiert mit den ganzen Dämmstoffen in 40 Jahren oder so, wenn die Lebenszeit dieser Stoffe abgelaufen ist? Das meiste dürfte Sondermüll sein. Versenken wir das dann im Meer oder vergraben es in der Wüste? Oder findet sich dann schon ein Entwicklungsland, das es für Geld bei sich deponiert? Und was ist mit der Feuergefahr, die von dem Styropor ausgeht? Freunde, wacht endlich auf. Wir werden nur noch veralbert, siehe Euro, Bankenrettung, Gebäude"sanierung" u. v. m.
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