Warnstreiks bei der Post: Gewerkschaft will eine Million Briefe liegen lassen

Kunden der Deutschen Post müssen in den kommenden Tagen mit Verzögerungen rechnen. Die Gewerkschaft Ver.di hat zu Warnstreiks aufgerufen. Mehr als eine Million Briefe und Pakete sollen liegen bleiben. Betroffen ist vor allem Nordrhein-Westfalen.

Poststapel im Verteilzentrum (Archivbild): Briefe sollen liegen bleiben Zur Großansicht
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Poststapel im Verteilzentrum (Archivbild): Briefe sollen liegen bleiben

Düsseldorf - Die Gewerkschaft Ver.di will im Tarifstreit mit der Deutschen Post ihren Forderungen mit Warnstreiks Nachdruck verleihen. Post-Kunden müssen daher zum Beispiel in weiten Teilen Nordrhein-Westfalens bereits am Mittwoch mit Verzögerungen bei der Zustellung ihrer Briefe und Pakete rechnen.

Mehr als 600 Postboten in den Großräumen Düsseldorf, Köln, Bonn und Siegen würden streiken, kündigte die Gewerkschaft am Dienstag an. Mehr als eine Million Briefe und Pakete sollen deshalb liegen bleiben. Die Arbeitsniederlegungen sollen in den folgenden Tagen fortgesetzt werden. Die Post will die Auswirkungen durch den Einsatz von Service-Partnern so weit wie möglich begrenzen, sagte ein Post-Sprecher.

Auch in Hessen soll gestreikt werden. "Die 17.000 hessischen Postlerinnen und Postler werden nicht unendlich warten, bis auch sie von der guten wirtschaftlichen Entwicklung des Konzerns ein gerechtes Stück abbekommen", erklärte der Ver.di-Funktionär Detlev Borowsky am Dienstag in Frankfurt. Die Landesstreikleitung werde die weitere Vorgehensweise beraten und beschließen.

Die zweite Runde der Tarifverhandlungen war in der Nacht zum Dienstag ohne greifbare Ergebnisse zu Ende gegangen. Man sei "nicht über unverbindliche Sondierungen hinausgekommen", beklagte Ver.di-Verhandlungsleiterin Andrea Kocsis. Die Post habe erneut kein Angebot vorgelegt.

Ein Konzernsprecher kritisierte die angekündigten Proteste. "Wir halten den Streik für unnötig." Die Tarifparteien seien in den Verhandlungen, die sachlich und konstruktiv gewesen seien, weiter gekommen. Die Tarifverhandlungen sollen am 25. April fortgesetzt werden. Ver.di verlangt für die rund 132.000 Tarifbeschäftigten eine lineare Erhöhung der Einkommen um sechs Prozent, mindestens aber 140 Euro mehr im Monat.

stk/Reuters/dpa-AFX

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1. Normalzustand
earl grey 16.04.2013
Zitat von sysopDPAKunden der Deutschen Post müssen in den kommenden Tagen mit Verzögerungen rechnen. Die Gewerkschaft Ver.di hat zu Warnstreiks aufgerufen. Mehr als eine Million Briefe und Pakete sollen liegen bleiben. Betroffen ist vor allem Nordrhein-Westfalen. http://www.spiegel.de/wirtschaft/service/warnstreik-bei-der-post-ver-di-will-eine-million-briefe-liegen-lassen-a-894730.html
Das ist doch inzwischen bei der Post der Normalzustand. Wenn bei uns der Briefträger krank ist oder frei hat, bleibt die Post liegen; einen Ersatzausträger gibt es nicht - Originalaussage unseres Austrägers. In der Woche nach Ostern gab es bei uns (Innenstadtbereich mit vielen Gewerbetreibenden) keine Post; erst auf massiven Protest hin wurde nach einer Woche ein Ersatzausträger losgeschickt, der hatte richtig zu tun...
2. Gemeinschaftswährungsraum und Tarifautonomie
Progressor 16.04.2013
In der Eurozone übernehmen die Lohnstückkosten und damit die Löhne, die Aufgabe der fehlenden Wechselkurse die Leistungsbilanzen zum Ausgleich zu bringen. Damit kann es keine Tarifautonomie mehr geben. Während bei uns in D Leistungsbilanzüberschüsse vorherrschen gehen saftige Lohnerhöhungen in Ordnung. Man stelle sich aber vor, die Tarifparteien in den Defizitländern würden eine Lohnhöhe vereinbaren die Lesitungsbilanzdefizite erzeugt. Und andere Länder müssten dann im Rahmen von Hilfsmaßnahmen dafür haften. Das kann nicht sein, das ist unzumutbar. Deshalb kann es im Euroraum keine Tarifautonomie mehr geben. Wenn man für die Gemeinschaftswährung ist, sollte das klar sein.
3. Binnennachfrage
sirisee 16.04.2013
Wir brauchen mehr Binnennachfrage und soziale Gerechtigkeit, auch damit Frankreich wieder eine Chance hat. Deshalb könnten es m.E. auch 10% sein; das würde dazu führen dass die Konjunktur brummt. Außerdem haben die Postbeschäftigten über Jahrzehnte Lohnzurückhaltung geübt! Die paar Euro mehr an Briefmarkenkosten sollten soziale Gerechtigkeit in unserer Gesellschaft wert sein.
4. Unterschied
kreispunkt 16.04.2013
Wird jemand den Unterschied bemerken? - Ich verschicke wichtige Schreiben nur noch per Einschreiben, sonst kommen sie nicht an. So jedenfalls behaupten es die Empfänger, und beweisen kann ich die Absendung sonst nicht. Ein lohnendes Geschäft für die Post. Die Post kommt bei mir zwischen 14 und 16 Uhr, wenn sie überhaupt einen Tag, nachdem sie abgesendet wurde, eintrifft. Und ich wohne nicht auf dem Land. Das bedeutet, schreibt mir eine Behörde oder Versicherung, ist es zu spät um am Tag der Zustellung noch darauf zu reagieren. Werbung findet aber zuverlässig, zeitnah und in Massen den Weg in meinem Briefkasten. Zu lesen bekomme ich also genug. Immerhin etwas.
5.
Luscinia007 17.04.2013
Zitat von siriseeWir brauchen mehr Binnennachfrage und soziale Gerechtigkeit, auch damit Frankreich wieder eine Chance hat. Deshalb könnten es m.E. auch 10% sein; das würde dazu führen dass die Konjunktur brummt. Außerdem haben die Postbeschäftigten über Jahrzehnte Lohnzurückhaltung geübt! Die paar Euro mehr an Briefmarkenkosten sollten soziale Gerechtigkeit in unserer Gesellschaft wert sein.
Wieso sollte das Porto wieder teurer werden? Die Deutsche Post hat 2012 einen Gewinn vor Steuern von 2,24 Mrd. Euro erzielt. Bei weltweit ca. 460 Tsd. Mitarbeitern hat jeder Mitarbeiter 5000 Euro Gewinn erwirtschaftet. Da dürfte wohl eine kräftige Lohnerhöhung drin sein! Und nicht nur Zusatzboni in Millionenhöhe für Zumwinkels Nachfolger ... Millionen in Liechtensteiner Stifungen fördern nicht gerade die Konjunktur ...
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Deutsche Post
Der Konzern
Die Deutsche Post ist mit einem Umsatz von 55,5 Milliarden Euro und mehr als 424.000 Mitarbeitern einer der größten Konzerne der Republik. Das Unternehmen wurde in den neunziger Jahren privatisiert und ging 2000 an die Börse.
Die Geschäftsfelder
Der langjährige Post-Chef Klaus Zumwinkel baute die Deutsche Post durch zahlreiche Zukäufe zum größten Logistik- und Postunternehmen der Welt aus. Zu den wichtigsten Konzernbereichen gehören außer dem deutschen Briefnetz das Express-Geschäft (unter anderem Paket- und Kuriersendungen) und das globale Logistikgeschäft per Schiene, Straße, Luft und See.
Der Chef
Frank Appel ist seit 2008 Vorstandschef der Deutschen Post und damit Nachfolger des in Folge einer Steueraffäre zurückgetretenen Klaus Zumwinkel. Nach dem Studium arbeitete Appel mehrere Jahre bei der Unternehmensberatung McKinsey, bevor er 2000 in den Bonner Post-Tower wechselte.