Von Tom König
Wie im Traum taumle ich durch die Räume. So eine Wohnung dürfte es in München überhaupt nicht geben: Garten mit Kastanien. Neu renovierter Altbau. In einer ruhigen Seitenstraße, dennoch nahe Shoppingmeile und Tram. Und gar nicht teuer. Ich miete sie sofort. Dass der Makler, nennen wir ihn Dr. Müller, dafür über 3500 Euro Courtage kassiert, nehme ich hin.
Einige Monate später finde ich heraus, warum die Wohnung so preiswert war. Drei Vormieter sind bereits ausgezogen, weil der nahe liegende Fluss immer wieder Wasser in die schlecht isolierten Wände drückte. Mehrere Räume waren komplett verschimmelt.
Das hätten wir, zwei Allergiker mit kleinen Kindern, natürlich gerne vorher gewusst. Die Vermieterin erzählte uns nichts davon. Musste sie auch nicht. Sie hat das Haus neu isolieren lassen, und über beseitige Mängel muss man den Mieter nicht aufklären. Aber was ist mit dem von mir fürstlich entlohnten Makler? Hätte der nicht vielleicht ?
Regieanweisung: An dieser Stelle bitte schallendes Gelächter einspielen.
Dr. Müller teilte mir auf Nachfrage mit, er habe die Sache mit der mehrfachen Komplettüberflutung "zu erwähnen vergessen". Vergessen? Wenn das die Wahrheit ist, dann fährt der Teufel morgens auch auf Schlittschuhen zur Arbeit.
Die meisten von uns halten Makler für die Geißel des Großstadtmenschen. Makler vertreten knallhart die Interessen des Vermieters oder Verkäufers, wofür wir Mieter oder Käufer sie bezahlen müssen. Kaum jemand ist unbeliebter. Als die "Immobilien Zeitung" vor einigen Jahren eine Umfrage machte, stellte sich heraus, dass nicht nur Mieter Makler hassen - sogar der Rest der Branche sieht es genauso. Architekten, Bauingenieure oder Wohnungsverwalter: Alle finden Makler ... eher nicht so nett.
Anfangs lösten Typen wie Dr. Müller auch bei mir Hassgefühle aus. Inzwischen empfinde ich mit Maklern nur noch Mitleid. Denn kein Porsche Targa und kein italienischer Maßanzug kann einen Menschen schließlich dafür entschädigen, dass ihm derart viel Missgunst entgegenschlägt. Eher darf man auf einer Cocktailparty zugeben, dass man FDP-Politiker ist, als dass man sich als Makler outet. Wer will so leben?
Mitleid mit denen, die ihren Beruf verschweigen müssen
Die meisten von Euch wären vermutlich lieber gute Treuhänder, glasklare Interessenvertreter jener Mietpartei, die Euch bezahlt. Wie in vielen anderen Ländern - dort seid Ihr ein bisschen wie Anwälte. Euer Berufstand ist dort weitaus weniger verfemt.
Die SPD möchte nun im Bundesrat ein Gesetz durchbringen, nachdem fortan der Vermieter den Makler bezahlen muss. Liebe Makler, ist das nicht eine großartige Idee? Das ist für Euch die historische Chance, Euch Eures Berufes endlich nicht mehr schämen zu müssen.
Seltsamerweise scheint der Funke der Begeisterung noch nicht so richtig übergesprungen zu sein. In einer Pressemitteilung verlautbart der Immobilienverband Deutschland (IVD), man sei zwar offen für das Thema, aber: "Bisher hat der Markt die Verteilung der Maklergebühren ausreichend geregelt."
Das klingt ziemlich lauwarm. Warum so zögerlich? Jetzt könnt Ihr mithelfen, etwas an einem irrwitzigen System zu ändern - und damit dem ganzen Land zeigen, dass Ihr vielleicht gar nicht so übel seid. Wer weiß? Vielleicht lädt Euch dann sogar mal jemand auf eine Cocktailparty ein.
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