Sparen in unruhigen Zeiten Warum Aktienfonds immer noch sicherer sind als Gold

Über Jahre ging es an den Börsen nach oben, jetzt droht neue Unsicherheit - auch durch die politischen Manöver des US-Präsidenten. Ist es in so einer Situation überhaupt noch sinnvoll, mit Aktien zu sparen?

Börsenhändler in New York
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Börsenhändler in New York

Eine Kolumne von


Dreimal habe ich diese Woche schon mit Bekannten über ihre Aktienfonds diskutiert. Sie haben in den vergangenen Jahren sogenannte ETFs gekauft, häufig Indexfonds, die den internationalen Aktienindex MSCI abbilden. Und sie fragen sich, ob ihr Sparvorhaben in politisch unruhigen Zeiten wie diesen der richtige Schritt war.

Ich beruhige sie dann. Sparen mit Aktien ist ein langfristiges Projekt, 10 bis 15 Jahre sollten sie schon Zeit haben. Dann ist jedenfalls in der Vergangenheit aus dem Auf und Ab an der Börse regelmäßig eine schöne Rendite geworden - selbst in politisch unruhigen Zeiten.

Ob es wirklich sinnvoll ist, mehr Indexfonds zu kaufen, ist nicht die einzige Sorge, die diese Bekannten umtreibt.

  • Der nächste Einwand, der dann regelmäßig kommt, lautet: Die Börsen stehen doch so hoch, sollte ich nicht lieber jetzt gleich aussteigen? Meine Antwort: Wenn sie das Geld demnächst brauchen, ist das eine gute Idee. Wenn sie das Ersparte in den kommenden zehn Jahren wahrscheinlich nicht brauchen, ist das eine Schnapsidee.

Tatsächlich sind die Börsen im Vergleich zum Tiefpunkt 2009 so gestiegen, dass mutige Anleger, die damals Aktien beziehungsweise Aktienfonds gekauft haben, sich heute über eine schöne Rendite freuen können. Betrachtet man nur die vergangenen fünf Jahre, waren beim MSCI World fast 15 Prozent Rendite pro Jahr drin. Doch zuvor, 2007 und 2008, waren die Börsenkurse auch ziemlich hoch. Und wer 2007 einen Indexfonds gekauft hat, sieht zwar jetzt, dass er keine Verluste mehr macht, aber eine riesige Rendite sieht er noch nicht. Das zeigt: Wer glaubt, kurzfristig den richtigen Einstieg oder Ausstiegszeitpunkt zu erwischen, betreibt Glücksspiel.

  • Nächstes Argument: Aber in diesem weltweiten Aktienindex MSCI World sind doch 60 Prozent US-Aktien, kann das gut gehen? 60 Prozent US-Aktien sind in der Tat viel. Aber das spiegelt vor allem die Tatsache, dass Unternehmen in den USA ihr Geld von der Börse holen, nicht von der Bank und auch nicht als Familienbetrieb aus den Gewinnen früherer Jahre. Sollte es unter Präsident Donald Trump mit der US-Wirtschaft nach unten gehen, würden Firmen aus anderen Teilen der Welt im Index ein Gewicht bekommen.
  • Auch diese Frage ist oft zu hören: Sollte ich wegen Trump nicht lieber einen europäischen Aktienfonds kaufen - also einen Indexfonds, der sich auf Europa konzentriert? Das kann man machen. Der Stoxx Europe 600 etwa ist breit gestreut, er umfasst die 600 größten börsennotierten Firmen in Europa. Das fängt Schwankungen gut ab. Außerdem sind die im Index enthaltenen großen europäischen Konzerne von Nestlé über Siemens bis Santander auch sehr international orientiert, haben Standorte in aller Welt und exportieren weltmeisterlich. Über 15 Jahre hätte eine Anlage hier 4,2 Prozent pro Jahr gebracht, verglichen mit 4,7 Prozent beim MSCI World.

Ob der europäische Fonds auch mal besser läuft, hängt natürlich von den weiteren politischen Entwicklungen ab: den Austrittsverhandlungen der Briten mit der EU, dem Ergebnis der Wahlen in Frankreich und in den Niederlanden oder dem künftigen Erfolg der deutschen und europäischen Exportindustrie in den USA, in China oder Indien.

Zum Autor
  • Finanztip
    Hermann-Josef Tenhagen (Jahrgang 1963) ist Chefredakteur von "Finanztip". Der Verbraucher-Ratgeber ist gemeinnützig. "Finanztip" refinanziert sich über sogenannte Affiliate-Links. Mehr dazu hier.

    Tenhagen hat zuvor als Chefredakteur 15 Jahre lang die Zeitschrift "Finanztest" geführt. Nach seinem Studium der Politik und Volkswirtschaft begann er seine journalistische Karriere bei der "Tageszeitung". Dort ist er heute ehrenamtlicher Aufsichtsrat der Genossenschaft. Bei SPIEGEL ONLINE schreibt Tenhagen wöchentlich über den richtigen Umgang mit dem eigenen Geld.

Eine weitere Einschränkung muss man außerdem machen: Verglichen mit den USA gibt es hierzulande mehr erfolgreiche Unternehmen, die nicht an die Börse gehen. Das fängt bei Bosch an. Dazu gehört aber auch die Großtischlerei im münsterländischen Vreden, die diese Woche die neuen Schreibtische für Apple-Chef Tim Cook präsentierte und die Ausstattung für dessen Ladenlokale baut. Und die Farbenfabrik Keim aus der Nähe von Augsburg, die das Weiße Haus über Jahre in neuem Glanz erscheinen ließ.

Wen aber nicht stört, dass nicht alle erfolgreichen Unternehmen an den europäischen Börsen zu finden sind, kann sich unter den besten günstigen europäischen Fonds beruhigt umsehen und investieren.

  • Doch trotz meiner Argumente sind die Fragenden dann noch immer nicht zufrieden. Es gibt doch allein an der Börse in Frankfurt mehr als tausend Indexfonds, sagen sie. Sind darunter nicht vielleicht welche, die für die drohenden Krisen besser geeignet sind als so breit gestreute wie der MSCI World oder der Stoxx Europe 600? Eher nicht, denn viele der spezialisierten Fonds kosten mehr Gebühren als die breiten internationalen oder europäischen Indexfonds, und praktisch alle von ihnen bilden nur einen schmaleren Teil des internationalen Aktienmarkts ab.

Und schwer verständlich sind manche der Fondskonzepte außerdem. An dieser neuen Vielfalt verdienen vor allem die Fondsgesellschaften, die eine unüberschaubare Zahl solcher Produkte mit teils zweifelhafter Qualität auf den Markt gebracht haben. Davon sollte man lieber die Finger lassen.

  • Letzte in Deutschland unvermeidliche Frage: Oder sollte ich doch lieber Gold und Bitcoins, alte Autos, expressionistische Gemälde oder Briefmarken kaufen? Von mir gibt es eine solche Empfehlung nicht. Solche Anlagen sind entweder reine Wetten oder nur geeignet für Menschen, die schon alle anderen Anlageformen ausgeschöpft haben und ihrem Hobby auch als Geldanlage frönen. Die Rendite bei Gold und ähnlichen Investments ist unsicher. Und damit nichts für normale Anleger.

Dann lege ich mich halt wieder schlafen, sagt einer der Bekannten. Eigentlich keine schlechte Idee, antworte ich. Das Sparen mit Indexfonds ist genau darauf ausgerichtet: Anlegen und sich schlafen legen. Weil die internationalen Aktienfonds das Ersparte so breit weltweit verteilen, kann man kurzfristig ruhiger schlummern und sich langfristig doch über einen schönen Ertrag freuen.

Und in der Zeit, in der man wach ist, könnte man sich zum Beispiel etwas ausgeschlafener und intensiver mit der Politik hierzulande beschäftigen. Das täte in politisch unruhigen Zeiten wie in diesem Wahljahr der Demokratie gut.



insgesamt 88 Beiträge
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Bärche82 11.02.2017
1. Unser aller täglich Werbung gib uns heute
Hab die Links zu Finanztip nicht gezählt. Bringt aber bestimmt wieder ganz guten Umsatz. Viel Spaß beim Zensieren dieses Artikels. Muss mich wohl doch mal aufraffen für den Presserat wegen versteckter Werbung. Wir hören dann voneinander.
thequickeningishappening 11.02.2017
2. Ich bin sprachlos
Was ist ein Fond? Ein verbrieftes Recht auf? Einen Anwalt wenn das Geld weg ist? Und wenn Das Bargeld abgeschafft ist und der Computer dicht macht? Ich kaufe mir einen Sack Reis und einen Gaskocher!!!
SanchosPanza 11.02.2017
3. Kühler Kopf oder politische Wünsche
Einfach strukturierte und transparente ETF sind auch für mich als Finanzlaien der Königsweg für eine langfristige und hoch profitable Geldanlage. Man sollte sich aber beim Investieren nicht durch eigene politische Zu- oder Abneigungen leiten lassen. Klar, für viele wirkt Trump unsympathisch. Deshalb aber in EU-ETF investieren mit niedrigen Wachstumsraten, einem labilen Euro, einer ungelösten südeuropäischen Staatsschuldenkrise und einem sogar möglichen Auseinanderbrechen? Ich würde da nicht aufstocken sondern eher reduzieren. Aufgestockt habe ich hingegen über die letzten Jahre meinen russischen MICEX-ETF, mit auch in Euro fantastischer Wertsteigerung. Gut, in den Leitmedien müssen vielleicht sogar Aktenanlagetips politisch mainstreamkompatibel und korrekt sein, wer weiß. Das bestätigt aber wieder die alte Regel der Kaufempfehlung im Zeiten des Kanonendonnerns.
eunegin 11.02.2017
4. Gold - eher Versicherung als Anlage
und mein Youngtimer macht mir deutlich mehr Spaß als Aktien. Bald ist Frühling, dann fahre ich ihn wieder und freue mich. Man darf auch leben.
Europa! 11.02.2017
5. Teils teils
Das Problem ist doch, dass kein Mensch 10 Jahre lang schlafen kann. 2008 sind die Kurse (auch der ETFS) so in den Keller gegangen, dass bei einer Einmalanlage im Jahre 2007 jeder Blick ins Depot jahrelang rote Zahlen zeigte, die nur allmählich wieder kleiner wurden. Eine Einmalanlage Anfang 2009 dagegen hätte das Vermögen bis heute vervielfacht. Vor diesem Unterschied den Blick zu verschließen, wird kaum jemandem gelingen, der sich für sein Geld interessiert. Die langfristigen Gewinne bei ETFS sind eigentlich nur für den interessant, der sein Geld mit einem SPARPLAN anlegt, bei dem regelmäßig für eine feststehende Summe Fondsanteile gekauft werden. Bei dieser Anlageform werden die Kursschwankungen einigermaßen neutralisiert: Sind die Kurse unten, kauft man automatisch mehr Anteile. Warum wird das in dieser Kolumne eigentlich nie erwähnt?
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