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10. Februar 2013, 07:05 Uhr

Boom des Bausparens

Die Nivea-Creme unter den Geldanlagen

Von Christian Kirchner

Der Verkauf von Bausparverträgen brummt wie nie zuvor, 6000 werden pro Tag abgeschlossen. Dabei ist keine Sparform so schwer zu durchschauen wie diese. Auf den Spuren eines deutschen Geldanlage-Kuriosums.

In diesem Land ist die finanzielle Allgemeinbildung mies, das Misstrauen gegenüber Banken und Beratern groß und der Argwohn gegenüber schwer verständlichen Finanzprodukten noch größer.

Wie passt das zusammen mit der Tatsache, dass sich ausgerechnet Bausparverträge eines ungebrochenen Zuspruchs erfreuen? Wieso vermelden Bausparkassen wie Wüstenrot und LBS Rekordergebnisse? Woher kommt der Boom von rund 26 Millionen Bausparern mit rund 800 Milliarden Euro abgeschlossener Bausparsumme - das ist in etwa die Marktkapitalisierung aller 30 DAX-Werte - sowie jährlich über zwei Millionen Neuverträgen?

Klar, die eigenen vier Wände sind bei der Geldanlage momentan der Renner. Aber warum sehen die deutschen als Königsweg zur eigenen Immobilie ausgerechnet den Bausparvertrag? Dass unter den notorisch misstrauischen deutschen Anlegern derzeit ausgerechnet ein Produkt floriert, bei dem Anbieter bis heute weder für Spar- noch für Darlehenszinsen effektive Zinssätze ausweisen müssen, entbehrt in einem Land von meist notorisch misstrauischen Anlegern nicht einer gewissen Komik.

Für die Popularität des Bausparens gibt es - neben den Niedrigzinsen und der Popularität von Eigenheimen zur Altersvorsorge - vor allem drei Gründe.

Der erste: Die Bausparerei ist so etwas wie die Nivea-Creme unter den Anlageformen. Keiner weiß genau, was drin ist, aber geschadet hat sie bislang kaum jemandem.

Der zweite Grund ist das Umfeld verunsicherter und von Verlustängsten geplagten Anleger. Das belegen zumindest die in der vergangenen Woche von der Bundesbank veröffentlichten Daten zum Geldvermögen privater Haushalte im dritten Quartal 2012, laut denen inzwischen aus fast allen Anlageformen - Aktien, Anleihen, Fonds, aber auch Sparbriefen und Termingeldern - unter dem Strich Mittel abfließen. Zuflüsse gibt es nur noch in dramatischem Umfang bei unverzinsten Bar- und Sichteinlagen und, erheblich schwächer, bei Versicherungen.

Bausparverträge als kleinster gemeinsamer Nenner

Und eben mit zunehmender Tendenz bei Bausparverträgen. Weil sich immer weniger Menschen in Sachen Geldanlage überhaupt mit etwas genauer beschäftigen wollen, fallen Entscheidungen, wenn überhaupt, meist aus dem Bauch. Da zieht dann der Nivea-Effekt, der unter dem Strich für im Schnitt 6000 neue Bausparverträge Tag für Tag sorgt.

Der dritte Grund: Bausparverträge sind inzwischen der einfachste Ausweg für von Regulierung und Vertriebsdruck geplagte Anlageberater. Einen Bausparvertrag kann ein Berater - anders als Aktien, Fonds, Zertifikate und Versicherungen - meist ohne den Aufwand und die Haftungsrisiken eines Beratungsprotokolls verkaufen, wie es für die Anlageberatung seit 2010 vorgeschrieben ist.

Da trifft es sich gut, dass die fälligen Abschlussgebühren praktischerweise erstens meist gleich mit den ersten Raten des Kunden entrichtet werden, sich zweitens nach der Höhe der Bausparsumme richten und, drittens, jahrelang kaum Folgeaufwand erfordern.

Nun darf man Bausparverträge nicht per se verteufeln. Bei Investmentfonds und Versicherungen sind noch weit aggressivere Gebührenmodelle üblich, und für Sparer mit fester Bau-, Kauf- oder Modernisierungsabsicht in einigen Jahren ist ein Bausparvertrag in Zeiten extrem niedriger Zinsen ein gutes Modell.

Bausparverträge sind komplexe Produkte

Aber eben auch nur für die. Problematisch wird es, wenn ein Bausparvertrag als eine Art Allzweckwaffe für die Geldanlage eingesetzt werden soll. Denn Bausparverträge sind - anders, als die Anbieter suggerieren - recht komplexe Produkte:

Das wohlig-warme Gefühl, vielleicht nicht alles richtig, aber am Ende bestimmt auch wenig falsch zu machen, gibt es bei Bausparverträgen nicht umsonst. Wenn das Darlehen doch nicht gebraucht oder der Vertrag gekündigt wird, verursacht der Bausparvertrag reale Vermögensverluste und ist dennoch nicht zwingend von Vorteil gegenüber dem klassischen Modell: erst das Eigenkapital ansparen, dann den Immobilienkredit aufnehmen.

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