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Preis für Edelmetall: Vorsicht vor den Goldbullen

Von Christian Kirchner

Goldbarren: Keine schlechte Anlage, aber es gibt bessere Zur Großansicht
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Goldbarren: Keine schlechte Anlage, aber es gibt bessere

Wenn es um Gold geht, verlieren Investoren jede Gelassenheit. Sie kritisieren die Edelmetall-Pessimisten, stricken an Verschwörungstheorien. Aber haben sie auch recht? Eine Warnung an übertriebene Erwartungen.

Der 11. August 2011 war der Tag, an dem man hätte ahnen können, dass es mit dem Goldpreis bald abwärts geht. In London tobten Krawalle, die Aktienmärkte taumelten, die Euro-Krise eskalierte. Einzig der Goldpreis stieg und stieg. Wie seit zehn Jahren schon.

An jenem Augusttag kam Gold auf der Titelseite von Deutschlands größter Tageszeitung "Bild" an. Und zwar auf der kompletten, von oben bis unten: Goldbarren, von denen das Blatt 100 verloste, denn Gold sei "krisensicher" und "besser als Bargeld".

Da war er - der Titelseitenindikator. Dieses Marktphänomen besagt, dass ein Trend sich seinem Ende nähert, wenn er auf den Titelseiten von Massenmedien bejubelt wird. Er funktionierte Ende der siebziger Jahre, als Anleger schon einmal Gold und Silber stürmten. Er funktionierte im Jahr 2000, als die Aktieneuphorie keine Grenzen kannte.

Und er sollte auch 2011 wieder funktionieren: Gerade einmal elf Tage nach der vergoldeten Titelseite erreichte der Goldpreis im September 2011 sein bisheriges Rekordhoch. Seitdem fiel der Preis um knapp ein Fünftel auf zuletzt 1575 Dollar je Feinunze.

Wie geht es nun weiter? Um diese Frage zu beantworten, muss man zunächst das Grundrauschen ausblenden, das bei Gold eher ein Grunddröhnen ist. Denn die Methode vieler Optimisten besteht ja darin, Gold mythisch zu überhöhen, ständige Knappheit zu suggerieren und sich an Krisen aller Art zu laben. Zu gerne beschimpfen Goldbullen auch goldkritische Analysten und verbreiten tollkühne Thesen - wie zum Beispiel diese: Notenbanken, Geschäftsbanken und Mainstream-Medien seien Teil einer Goldverschwörung, in der der Goldpreis bewusst gedrückt werde, damit keine Verunsicherung entstehe.

Nun haben die Optimisten die Kursentwicklung der vergangenen Jahre auf ihrer Seite - wie auch die Intuition vieler Anleger, dass die Gelddruck-Orgien der Notenbanken nicht folgenlos bleiben werden. Doch dreht man dieses Grunddröhnen herunter, verstummt so manches Argument - und zwar sowohl von Goldoptimisten als auch Goldpessimisten, die der Goldpreisrallye verärgert hinterher sehen. Ein kurzer, nüchterner Faktencheck:

  • "Gold ist ein guter Inflationsschutz": Stimmt.

  • "Ufert die Inflation aus, locken bei Gold hohe Gewinne": Falsch. Gold erhält bei einer sehr hohen Inflation und bei Währungsschnitten das Vermögen - mehr aber auch nicht. In Zeiten hoher Inflation betrug die reale (also inflationsbereinigte) Verzinsung von Gold in den vergangenen 120 Jahren sogar etwas weniger als null Prozent pro Jahr - und zwar über alle großen Währungsräume hinweg. Die höchsten realen Erträge erzielte Gold hingegen in Phasen einer schlimmen Deflation, also bei stark sinkenden Preisen.

  • "Gold bringt keine Zinsen": Stimmt.

  • "Gold ist kein Rohstoff, sondern eine Vertrauenswährung": Falsch. Gold ist ein Rohstoff wie jeder andere, dessen Preisbildung den Regeln von Angebot und Nachfrage folgt. Das Argument mit dem Währungsersatz kommt dennoch gut an bei Optimisten, weil die industrielle Nachfrage nach Gold seit Jahren stark sinkt. An Stelle der Industrie sind Notenbanken und Privatanleger getreten, die die sinkende Nachfrage derzeit mehr als wettmachen.
  • "Alles je geförderte Gold der Welt passt in einen Würfel von nur 20 Meter Kantenlänge": Ein verblüffendes Bild, das stimmt - und nahe legt, dass sich bei einer echten Spekulationswelle viele Menschen um sehr wenig Gold schlagen können. Was indes Optimisten gerne verschweigen: Jedes Jahr kommen weitere knapp 3000 Tonnen Gold aus der Erde. Höhere Preise machen zudem auch immer mehr Lagerstätten attraktiv.

Was heißt all dies nun für die kurzfristige Entwicklung? Der jüngste Fall des Goldpreises seit Herbst ist jedenfalls leicht zu erklären: Über weite Strecken der vergangenen Jahre lag die Verzinsung von als sicher geltenden Staatsanleihen unterhalb der Teuerungsrate. In diesem Fall ist Gold, wie die "Bild" 2011 schrieb, tatsächlich besser als Bargeld - und auch besser als Staatsanleihen, denn Gold verspricht ja zumindest einen realen Erhalt der Kaufkraft.

Nun aber bröckelt der Goldpreis ab - und zugleich geht die Teuerung zurück: Zuletzt blieb sie in den USA wie Deutschland klar unter zwei Prozent bei zugleich sogar leicht steigenden Anleihenrenditen. Von der Höhe der Realzinsen für solche sicheren Anleihen dürfte die kurzfristig Goldpreisentwicklung abhängen - steigen sie, fällt Gold und umgekehrt.

Und langfristig? Brauchen Goldoptimisten gute Nerven. Denn auf sehr lange Sicht betrachtet beträgt der reale Ertrag von Gold rund ein Prozent pro Jahr - unter sehr starken zwischenzeitlichen Schwankungen. Mal galoppiert der Goldpreis dieser Marke davon, mal bleibt er jahrzehntelang hinter ihr zurück. Derzeit ist er davongaloppiert und hat einen deutlichen Anstieg der Inflation bereits eingepreist.

So beträgt der inflationsbereinigte Ertrag mit einer Goldanlage über die letzten 40 Jahre rund 3,5 Prozent pro Jahr, über die letzten 30 Jahre rund 1,5 Prozent pro Jahr, über die letzten 20 Jahre rund 6,0 Prozent und über die letzten zehn Jahre sogar 14 Prozent pro Jahr.

Das spricht nicht gegen eine Beimischung von Gold im Depot. Es spricht aber für gedämpfte Erwartungen - und etwas mehr Sachlichkeit im Grunddröhnen der Goldbullen.

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insgesamt 263 Beiträge
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1. Lieber Gold als Euro, siehe Zypern.
Stefan Hartmann 16.03.2013
Jetzt wird wieder auf die Goldkäufer eingeschlagen. Aber dass zwei Artikel weiter oben steht, dass die Papierhalter in Zypern mal eben bis zu 10% abführen müssen, damit etwas gerettet werden kann, was sie überhaupt nicht verschuldet haben, wird schön verschwiegen. Und genau dahin wird die Reise auch bei uns gehen. Vielleicht noch kombiniert mit einem schönen Lastenausgleich für die Immobilienbesitzer. Sollen die doch bitte schön auch etwas dazu geben, damit der Wohlstand bei einer Gruppe von Leuten gehalten werden kann. Jedenfalls denke ich, dass von den Leuten dort (Zypern) mehr als nur eine Hand voll froh wären, wenn sie statt dem nutzlosen Papier lieber Gold in physischer Form gehalten hätten. Außerdem kostet die Förderung einer Unze knapp 900$, sodass sich der Preis darauf einpendeln würde. Beim Euro kostet der Schein vielleicht 2 Cent. Besser also ein Verlust von 30% als von fast 100 %.
2. Frage
Mitch 16.03.2013
Zitat von sysopDPAWenn es um Gold geht, verlieren Investoren jede Gelassenheit. Sie kritisieren die Edelmetall-Pessimisten, stricken an Verschwörungstheorien. Aber haben sie auch recht? Eine Warnung an übertriebene Erwartungen. http://www.spiegel.de/wirtschaft/service/warum-bei-goldinvestitionen-vorsicht-geboten-ist-a-887321.html
Ok, das kann unmöglich korrekt sein oder?
3. Preis für Edelmetall
trackerdog 16.03.2013
Ich würde nie mit Gold spekulieren. Aber etwas ist doch zweifelsfrei gültig: Der Goldpreis kann nicht unter die Förderkosten fallen! Dieser Umstand gewährleistet einen gewissen Werterhalt. Dann sollte man sich auch die Aussichten für Euro oder Dollar ansehen. Der Wert von Papier-, bzw. Computergeld kann ganz schnell auf Null fallen, nämlich wenn das Vertrauen der Menschen in das Zahlungsmittel verlorengeht. Währungen haben keinen echten "Wert", sondern sind nichts weiter als ein Vertrauensvorschuß. Vertrauen weg - Geld weg!
4. Spekulanten
blowup 16.03.2013
Wer will denn mit Gold spekulieren? Ich habe es gekauft, weil ich dem Euro nicht traue und mir Immobilien nicht mobil genug sind. Mittlerweile bin ich fester denn je davon überzeugt, dass der Euro in der Form, mit den Mitgliedsländern, 2014 nicht mehr existiert. Ob das Gold dann ein bisschen weniger oder mehr wert ist, ist mir egal.
5. Geld ist bedrucktes Papier
udolein 16.03.2013
Was das Geld betrifft, bin ich sehr skeptisch. Es keinen innerer Wert. Die USA und auch Großbritannien drucken sehr viel davon. Der Euro pfeift aus allen Löchern. Alles macht mich sehr skeptisch. Auch haben die Deutschen in weniger als 100 Jahren das meiste Geld verloren. Was mal war, wird häufig vergessen. Was ist die Alternative?
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Zum Autor
  • Maxim Sergienko
    Christian Kirchner, Jahrgang 1975; Studium der Politologie und Germanistik an der Uni Mannheim, anschließend Volontariat an der Georg-von-Holtzbrinck-Schule für Wirtschaftsjournalisten. Von 2003 bis 2008 Finanzredakteur beim "Handelsblatt" und Geschäftsführender Redakteur von "New Investor" in Düsseldorf, von 2008 bis 2010 leitender Redakteur und von 2011 bis 2013 stellvertretender Ressortleiter Finanzen der Gruner+Jahr-Wirtschaftsmedien in Frankfurt am Main.

    In seiner Kolumne "Anlegemanöver" hinterfragt Kirchner für SPIEGEL ONLINE die typischen Anlagefloskeln und nimmt neue Produkte und Kampagnen der Finanzdienstleister unter die Lupe.

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Goldrausch - so profitieren Sie
Gold gilt als krisenfeste Anlage, aber stimmt das wirklich? Grundsätzlich sollte man bedenken: Gold wirft keine Erträge ab - es gibt weder Zinsen noch Dividenden. Gewinn kann man also nur machen, wenn der Goldpreis beständig steigt. Gerade wenn man zu einem hohen Preis kauft, ist es jedoch fraglich, ob der Kurs weiter nach oben klettert. SPIEGEL ONLINE verrät, auf was Sie bei Ihrem Investment achten müssen.
Barren, Münzen, Nuggets
Wer physisches Gold haben will, sollte gängige Anlagemünzen kaufen. Das sind Krügerrand aus Südafrika, die australische Nugget, Wiener Philharmoniker, Maple Leaf aus Kanada oder China Panda. Diese Münzen sind im Unterschied zu Sammlermünzen auch in Krisenzeiten gut handelbar.

Anleger beziehen sie am besten über Banken oder Goldhändler wie Euro Change in Berlin, pro aurum in München oder Westgold. Maßeinheit für echtes Gold ist die Feinunze, sie wiegt 31,1 Gramm. Kunden sollten sich von Banken und Händlern ein Angebot inklusive Versandkosten und aller Gebühren erstellen lassen.

Außerdem sollte man das Problem der Lagerung beachten: Denn zuhause ist die vermeintlich sichere Anlage keineswegs vor Dieben geschützt. In den Golddepots der Banken wiederum fallen Gebühren an. In einem Schweizer Hochsicherheitstresor zum Beispiel beträgt die Depotgebühr monatlich 0,025 Prozent des Werts.
Zertifikate, Fonds, Aktien
Alternativen zum echten Gold sind Wertpapiere wie Goldminenaktien, Goldfonds oder Zertifikate. Der Vorteil für den Anleger: Die Kaufaufschläge sind geringer als bei physischem Gold - und die Lagergebühren fallen ganz weg.

Wer Goldaktienfonds kauft, erwirbt Anteile an Goldminen. Aber nicht jede Mine ist eine Goldgrube. So schwanken die Kurse von Goldminenaktien noch stärker als der Goldpreis. Entsprechend hoch bewerten Experten die Chance-Risiko-Klasse von Goldaktienfonds.

Im Jahr 2009 machten manche Goldfonds rund 50 Prozent Verlust. Der Grund: Die Aktien der Minengesellschaften können sich dem allgemeinen Börsentrend nicht entziehen. Geht es an der Börse abwärts, fallen auch diese Aktien - selbst wenn der Goldpreis steigt.

Ein weiterer Nachteil: Das gute Gefühl, einen realen Wertgegenstand in der Hand zu halten, fällt bei Zertifikaten, Fonds und Aktien weg. Und das Beispiel Lehman Brothers hat gezeigt: Sollte die Bank, die die Zertifikate ausgegeben hat, pleite gehen, ist das Papier wertlos.

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