Trinkwasser Welches Wasser ist am besten?

Trinkwasser aus der Flasche oder einfaches Leitungswasser - bei vielen Konsumenten ist das fast eine Glaubensfrage. Ist das eine wirklich besser als das andere? Ein Faktencheck.

Leitungswasser: Die Wasserqualität wird ständig kontrolliert
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Leitungswasser: Die Wasserqualität wird ständig kontrolliert

Von "enorm"-Autor Julius Hering


Vor dem Supermarktregal zeigt sich das ganze Dilemma: Soll das angebotene Wasser einem Vulkan entspringen, sich besonders zum Aufgießen von Kaffee oder gar für Säuglingsnahrung eignen?

Bei der riesigen Auswahl geraten viele ins Schwimmen. Und die Versprechen der Hersteller lassen eines schnell vergessen: Wasser in der Flasche kostet einige hundertmal mehr als Wasser aus dem Hahn - das eine Top-Qualität hat, wie die deutschen Wasserwerke betonen. Aber stimmt das auch? Oder lohnt es sich vielleicht doch, mehr auszugeben?

Das Magazin "Enorm" beantwortet die wichtigsten Fragen zum Thema Trinkwasser.

  • Woher kommt das Leitungswasser?

Es ist von Region zu Region verschieden, doch zum größten Teil sprudelt reines Grundwasser aus den deutschen Wasserhähnen - im Schnitt fast zu 70 Prozent. Oberflächenwasser aus Seen, Talsperren oder Flüssen macht weitere 15 Prozent des Leitungswassers aus. Den restlichen Bedarf decken die deutschen Wasserwerke mit einem Gemisch: Es besteht zu gleichen Teilen aus Grundwasser - angereichert mit gereinigtem Oberflächenwasser - und dem sogenannten Uferfiltrat. Hierfür werden Brunnen in der Nähe von Flüssen gebohrt, wo das Flusswasser durch die Erdschichten bereits natürlich gefiltert ist. Dieses Rohwasser wird dann im Wasserwerk aufbereitet und anschließend in das Versorgungsnetz eingeleitet.

  • Wer garantiert die Qualität beim Leitungswasser?

Welche Qualität Trinkwasser - amtlich korrekt "Wasser für den menschlichen Gebrauch" - haben muss, ist in der Trinkwasserverordnung von 2001 festgeschrieben. Geregelt werden darin unter anderem die zulässigen Höchstmengen von Stoffen wie etwa Metallen, Nitrat oder Bakterien. Bei Bedarf setzen die Wasserwerke verschiedene Filter- und Reinigungsmethoden ein, damit alle gesetzlichen Grenzwerte eingehalten werden. Die Wasserqualität wird ständig kontrolliert, an die 200 Proben werden zum Beispiel in Hamburg untersucht - jeden Tag. Für die Jahre 2011 bis 2013 hat das Bundesumweltamt dem deutschen Leitungswasser eine sehr gute Qualität attestiert: In weniger als einem Prozent aller genommenen Proben wurden Grenzwerte überschritten.

  • Stellen alte Wasserleitungen ein Gesundheitsrisiko dar?

Nein, zumindest nicht, wenn man zur Miete wohnt. Ole Braukmann, Sprecher des städtischen Unternehmens Hamburg Wasser, erklärt: "Bei Mietwohnungen muss sichergestellt sein, dass das Wasser die gültigen Grenzwerte einhält. Die sind so streng, dass alte Bleileitungen einen sicheren Verstoß bedeuten würden." Alte Bleirohre, die das Wasser verschmutzen können, sind also höchstens noch in Privathäusern verbaut. "Und wir garantieren die Qualität des Trinkwassers im gesamten öffentlichen Netz", sagt Braukmann. "Dafür werden die Grenzwerte an den Grundwasserbrunnen, in den Wasserwerken, im Leitungsnetz und an öffentlichen Wasserhähnen kontrolliert." Zudem wird sichergestellt, dass die im Wasser gelösten Mineralien nicht die Rohrleitungen angreifen können.

  • Ist abgefülltes Wasser besser als das aus der Leitung?

Beim Verbraucher am beliebtesten ist "Natürliches Mineralwasser", mehr als 140 Liter davon kaufte jeder Deutsche durchschnittlich im vergangenen Jahr. Anders als Leitungswasser muss Mineralwasser nicht die Trinkwassergrenzwerte einhalten, geregelt wird seine Qualität von der Mineral- und Tafelwasserverordnung. Demnach entspringt Mineralwasser einer unterirdischen, besonders geschützten Quelle von "ursprünglicher Reinheit" und enthält keine Krankheitserreger.

Gefunden in
"Die Qualität von Trinkwasser und Mineralwasser lässt sich nur sehr bedingt vergleichen, da sie unterschiedlichen rechtlichen Regelungen unterworfen sind", schreibt das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit auf Anfrage. Generell sorge die europäische Lebensmittel-Basis-Verordnung für sicheren Genuss. "Regelmäßige Kontrollen erfolgen bei Mineral- und Leitungswasser." Dennoch fand "Stiftung Warentest" im Juni Verunreinigungen in Mineralwässern, zum Beispiel Abbaustoffe von Pestiziden, immerhin in drei von 20 Proben.

Ein gesundheitliches Risiko könnte womöglich in Plastik abgefülltes Wasser darstellen - drei von vier Litern Mineralwasser wurden 2014 in PET-Flaschen verkauft. So fand eine Studie der Goethe-Universität Frankfurt Rückstände hormonähnlicher Substanzen in Wasser aus Plastikflaschen. Vorteil Leitungswasser: Es nimmt gar nicht erst den Umweg über den Transport in schädlichen Verpackungen. Und es spart die Fahrt zum Supermarkt ein.

  • Wodurch unterscheiden sich Quell-, Tafel- und Heilwasser?

Quellwasser wird wie Mineralwasser aus unterirdischen Quellen gewonnen und vor Ort abgefüllt. Es hat allerdings anders als Mineralwasser keine sogenannte amtliche Anerkennung und fällt unter die Trinkwasserverordnung. Es erfüllt somit die gleichen Qualitätsvorschriften wie Leitungswasser.

Tafelwasser kann Mineralwasser sein - oder abgefülltes Leitungswasser. Außerdem dürfen Meerwasser und andere Bestandteile zugefügt werden. Es darf überall hergestellt und abgefüllt werden.

Heilwasser schließlich fällt in einen komplett neuen Zuständigkeitsbereich, hier gilt das deutsche Arzneimittelgesetz. Seine mineralische Zusammensetzung muss nachgewiesen positiv auf die Gesundheit wirken.

  • Was ist Biowasser?

Die Brauerei Lammsbräu in Neumarkt bei Nürnberg hat 2009 erstmals Flaschenwasser mit der Angabe "Bio-Mineralwasser" verkauft. Es stammt ebenfalls aus einer geschützten Mineralwasserquelle. Wasser wird in den europäischen Bio-Richtlinien nicht berücksichtigt und kann ihnen darum nicht entsprechen. Die Kriterien für das heutige Siegel "Bio-Mineralwasser" hat stattdessen der Verein Qualitätsgemeinschaft Biomineralwasser festgelegt. Mitgegründet wurde er von Franz Ehrnsperger, Geschäftsführer von Lammsbräu. Das Siegel schreibt vor, dass die natürliche Zusammensetzung des Bio-Wassers nicht verändert werden darf, zudem unterliegt es mehr und strengeren Grenzwerten als etwa Mineralwasser. Unternehmen, die das Siegel verwenden wollen, müssen Ökolandbau in ihrer Umgebung fördern und weitere soziale und ökologische Anforderungen erfüllen. Deren Einhaltung wird durch eine Prüfgesellschaft kontrolliert. Aktuell sind vier Abfüller zertifiziert.

  • Ist die Qualität unseres Leitungswassers bedroht?

Nein. Zwar sind intensive Landwirtschaft und besonders die industrielle Tierhaltung eine zunehmende Belastung für die Wasserversorgung: Das in Tierkot und Dünger enthaltene Nitrat sickert bei Regen in die Erde und kann das Grundwasser verunreinigen. Doch die Wasserversorger in den betroffenen Gebieten steuern gegen - etwa indem sie nitrathaltiges mit nicht belastetem Wasser verdünnen oder mit ansässigen Bauern kooperieren, damit diese weniger Dünger auf ihren Feldern verteilen. Fälle, in denen zu viel Nitrat im Trinkwasser gefunden wurde, gehen nach Daten des Bundesumweltamtes seit 1999 zurück.

Eine Gefahr droht dagegen aus der Politik: Das Handelsabkommen TTIP könnte dazu führen, dass die eher strengen europäischen Regeln für den Einsatz von Pestiziden aufgeweicht werden. "Zum Beispiel dürfen amerikanische Äpfel mit einem fünfmal so hohen Restgehalt des Gifts Captan verkauft werden, als in Europa erlaubt ist", sagt Ole Braukmann von Hamburg Wasser. Er fürchtet, dass die deutschen Bauern bald ebenfalls mehr spritzen: "Für den Gewässerschutz kann die diskutierte Angleichung der Gesetze einen Rückschritt in die Siebzigerjahre bedeuten."

Zum Autor
  • Julius Hering ist angehender Journalist, studiert Geographie und lebte ein Jahr in Tansania, wo sein Interesse an den sozialen und ökologischen Folgen der Globalisierung geweckt wurde. Für das Wirtschaftsmagazin "enorm" schrieb der 21-jährige Hamburg im Rahmen eines Praktikums.

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insgesamt 83 Beiträge
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Seite 1
Spiegelleserin57 12.09.2015
1. es war schon lange bekannt dass Leitungswasser ...
stregne Kontrollen unterliegt. Mal wieser sehr interessant wie auch TTIPP hier eine Rolle spielt und wir wieder nur so ganz nebenbei darüber aufgeklärt werden. Sollte man sich also doch den strengeren Richtlinien von Bio unterwerfen oder greift auch TTIPP dort genauso? Wir dürfen gespannt sein... Alles wird scheinbar durch TTIPP aufgeweicht sogar die Qualität des Trinkwassers..
hwdtrier 12.09.2015
2. Da in den USA
Freigaben strenger untersucht werden und nicht grünem Spleen sondern hohem wissenschaftlichen Standards unterliegen seh ich da keine Probleme. Und ja mir ist ein Chlorhähnchen lieber als unsere bakterienverseuchten. Trinkwasser wird ja auch gechlort und im Pool schluckt man ja auch mal gechlortes Wasser.
falenay 12.09.2015
3. Hauptkriterium verfehlt
Ich finde es bezeichnend, dass das Hauptkriterium nicht mit berücksichtigt wurde, das den Unterschied Mineralwasser - Leitungswasser ausmachen kann: Der Mineraliengehalt. Da in Leitungswasser je nach Gebiet gern mal deutlich weniger Kalium, Kalzium und Magnesium enthalten ist, kann dies vor allem bei großzügigem Konsum von drei Litern und mehr über viele Jahre Probleme erzeugen, die über eine normale Ernährung kaum zu korrigieren sind. Beispielsweise bei der Knochenstabilität.
elpatron 12.09.2015
4.
Zitat von hwdtrierFreigaben strenger untersucht werden und nicht grünem Spleen sondern hohem wissenschaftlichen Standards unterliegen seh ich da keine Probleme. Und ja mir ist ein Chlorhähnchen lieber als unsere bakterienverseuchten. Trinkwasser wird ja auch gechlort und im Pool schluckt man ja auch mal gechlortes Wasser.
Also, in München bekommen wir das Wasser aus den Alpen - ungechlort.
annemarie_hoff 12.09.2015
5. korrigierender Hinweis...
Quellwasser unterliegt der Mineral- und Tafelwasser-Verordnung, nicht der Trinkwasserverordnung. Siehe: http://www.gesetze-im-internet.de/bundesrecht/min_tafelwv/gesamt.pdf
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