Frankfurt am Main - Schuldenkrise, schlechte Konjunkturaussichten und Sorgen um die Stabilität der Banken - Verbraucher hätten viele Gründe für schlechte Laune. Doch die Deutschen denken offenbar pragmatisch nach dem Motto: Wenn wir jetzt nicht kaufen, wird alles noch schlimmer. Die Stimmung der Verbraucher hat sich erneut verbessert. Wie die Experten der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) mitteilten, stieg das Konsumklima zum dritten Mal in Folge um 0,2 auf 5,6 Punkte.
Besonders die Kaufbereitschaft ist erneut gewachsen. Der entsprechende Index kletterte um 9,1 Punkte auf 40,3 Punkte. Dass besonders die Neigung zu größeren Anschaffungen zunahm, erklärten die GfK-Experten mit sinkender Arbeitslosigkeit und steigenden Einkommen. Zudem wollen die Deutschen nicht mehr so viel sparen - denn das Vertrauen in die Finanzmärkte sei erschüttert und die Zinsen niedrig. Die Verbraucher investieren deshalb lieber in Immobilien und Hausrat, als das Geld zu den Banken zu tragen.
Darum können auch die Händler auf ein gutes Weihnachtsgeschäft hoffen. Durchschnittlich 241 Euro wollen die Verbraucher in diesem Jahr für Geschenke ausgeben. Das sind nur vier Euro weniger als ein Jahr zuvor. Insgesamt könne der Handel mit Umsätzen von 13,7 Milliarden Euro rechnen, teilte die GfK mit.
Mehr als ein Drittel der rund 3500 Befragten will Bücher verschenken. Auf den Plätzen der beliebtesten Geschenke folgen Kleidung und Accessoires, Spielwaren, Lebensmittel und Getränke.
Verbraucher rechnen mit schlechterer Wirtschaftslage
Doch trotz aller Vorfreude auf Weihnachten - gänzlich unberührt lässt die Schuldenkrise die Deutschen nicht. Sie seien verunsichert, weil die Politik keine Lösung finde, sagten GfK-Forscher. Dies schlage sich in einer weiter sinkenden Konjunkturerwartung und einer leicht nachlassenden Einkommenserwartung nieder. Der Teilindex zu den wirtschaftlichen Aussichten fiel auf minus 7,2 Punkte und sank damit auf den tiefsten Stand seit August 2009.
Erst am Montag verdüsterten sich die Vorzeichen erneut. Der Euro-Raum rutscht nach Ansicht der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) in eine Rezession. Das Wachstum soll sich laut dem am Montag vorgestellten Wirtschaftsausblick nur auf 0,2 Prozent im gesamten nächsten Jahr belaufen.
Laut GfK kann die deutsche Wirtschaft dennoch auf die Verbraucher als Stütze zählen. Zwar dürfe die wichtige Rolle der Exporte nicht außer Acht gelassen werden, sagten die Marktforscher. Aber mit einem "zweiten starken Standbein, wie dem Konsum", stehe die deutsche Konjunktur stabiler da und sei "etwas weniger anfällig für negative Einflüsse von außen, wie wir sie derzeit erleben".
Zur guten Laune der Konsumenten dürften auch Zahlen des Statistischen Bundesamts zur Inflation beitragen. Denn verglichen mit Oktober sind die Verbraucherpreise in Deutschland im November gar nicht gestiegen. Im Vergleich zum Vorjahr kosteten Waren und Dienstleistungen laut erster Schätzung durchschnittlich 2,4 Prozent mehr. Zwar lässt der Preisdruck nach, von stabilen Preisen spricht die Europäische Zentralbank aber nur bei Inflationsraten unter der Marke von zwei Prozent.
mmq/Reuters/dpa
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