Werbung beim Wort genommen Wie man Baumärktler zur Verzweiflung treibt

"25 Prozent auf alles ohne Stecker": Mit diesem Slogan trommelt eine Baumarktkette um Kunden. Doch wenn man das wörtlich nimmt, drohen die Mitarbeiter mit der Polizei - das bekam Buchautor Hinrich Lührssen zu spüren. Er testet, wie ernst Firmen ihre Werbebotschaften wirklich meinen.

Gerätestecker: "Wegen der Rabattaktion bin ich hier. Nicht wegen Beschädigung"
dapd

Gerätestecker: "Wegen der Rabattaktion bin ich hier. Nicht wegen Beschädigung"


Noch nie war der Ruf von Politikern so schlecht wie heute. Mit ihrer Initiative "Ärmel hoch" will sich die Baumarktkette Praktiker diese schlechte Stimmung in weiten Teilen der Bevölkerung zunutze machen. "Weil nur reden in diesen Zeiten keine Lösung ist. Wir handeln" steht auf Plakaten und in Anzeigen der Kette.

Endlich welche, die nicht rumlabern, sondern was tun - der merkwürdige Ausflug eines Baumarktes in die große Politik, übrigens mit blau-gelber Farbgestaltung. Das weitere Lesen der Anzeige löst allerdings bei mir sofort schwere Begeisterung aus, denn Praktiker lockt mit einem geradezu sensationellen Schnäppchen. Die 241 Filialen bieten zwei Tage lang einen Preisnachlass von 25 Prozent an. Und zwar "auf alles, was keinen Stecker hat". Also etwa auf Tapeten, Farben oder Holz. Reduzierung des Preises um ein Viertel, das ist wirklich günstig. Ich wollte mir ohnehin in diesen Tagen eine Bohrmaschine kaufen. Kostet bei Praktiker eigentlich 39,99 Euro - und hat einen Stecker. Noch, denn das kann man ändern.

Gleich am nächsten Morgen schlüpfe ich in meine Lieblingskleidung für derartige Anlässe: grünes Karohemd und grüne Latzhose, auch bei dem Besuch eines Baumarktes achte ich gern auf ein farblich abgestimmtes Erscheinungsbild. Dazu die schwarzen Arbeitsschuhe, die ich noch nie gebraucht habe, die aber einen professionellen Eindruck hinterlassen, um von Anfang an mit der notwendigen Kompetenz bedient zu werden. Für den Kauf wähle ich die Filiale 117 aus, dort kennt man mich noch nicht.

Die Bohrmaschine für den Heimgebrauch aus dem Angebot finde ich auf Anhieb: 39,99 Euro, rot und elektrisch, also mit Stecker. Da sich der angebotene Preisnachlass von 25 Prozent auf alle Artikel ohne Stecker bezieht, muss in diesem Fall also zuerst der Stecker entfernt werden, um dieses tolle Angebot nutzen zu können. Kein Problem. Im bestens bestückten Sortiment entdecke ich im übernächsten Gang einen XL-Bolzenschneider, scharf und vor Ort einsetzbar. Der Stecker der Bohrmaschine ist mit einem Schnitt abgetrennt, dies spricht für eine hervorragende Qualität des Bolzenschneiders, den ich leider zurücklassen muss.

"Wieso ist kein Stecker dran?"

Der Stecker ist entfernt, ich bin bereit für 25 Prozent Rabatt. Mit der Bohrmaschine in der einen und dem Stecker in der anderen Hand nähere ich mich dem Kassenbereich. Folgende Fragen stellen sich in dieser Situation: Wird meine Vorgehensweise sofort akzeptiert, oder gibt es wieder mal Ärger? Kann ich den Stecker trotzdem mitnehmen, oder ist dann der Rabatt futsch? Gibt es Tipps, wie der Stecker nach dem Kauf ohne Gesundheitsrisiko bei der späteren Benutzung der Bohrmaschine wieder angebracht werden kann?

Alle Fragen lösen sich in Luft auf, als die Kassiererin mit einem sehr strengen Blick ihre erste stellt: "Wieso ist kein Stecker dran?"

"Den habe ich abgeschnitten, um die 25 Prozent Rabatt zu bekommen", lautet meine sachlich einwandfreie Antwort.

"Bekommen Sie nicht", sagt die Kassiererin und schüttelt zweimal mit dem Kopf. Ich weise mit Nachdruck auf die aktuelle Werbung hin, sie greift zum Haustelefon. Ein grimmiger, um die 30 Jahre alter Kollege erscheint, vermutlich der Abteilungs- oder sogar Filialleiter. Leider stellt er sich nicht weiter vor. Das ist bedauerlich, denn auch in einem Baumarkt sollte es doch Zeit und Platz für Höflichkeit geben. Schließlich wurde der Kunde doch mit diesem 25-Prozent-Angebot hergelockt. Sein erster Satz lautet vielmehr: "Wer hat das abgeschnitten?" Eine ziemlich blöde Frage, der Übeltäter steht doch vor ihm und bekennt sich sofort: "Ich."

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Seite 1
Phil1305 10.04.2011
1. so ein Blödsinn
hm... entweder habe ich die Ironie nicht verstanden, oder der Artikel bzw. Buchauszug ist kompletter Blödsinn. Niemand ist so dämlich und erwartet durch das Abschneiden eines Steckers den Rabatt zu bekommen. Sicher ist Kritik an hohlen Werbeversprechen immer berechtigt und man sollte so etwas auch immer im Auge behalten, aber bitte nicht so... Was hier vermeintlich Witzig sein soll ist im besten Fall die Entlarvung des Autoren als ein reichlich dümmlicher Zeitgenosse.
hermanngaul 10.04.2011
2. Wm- Titel
Soll das jetzt witzig sein? Ist das ne Satire? Oder was? Wenn es eine Satire ist, ist das Ganze ja unheimlich raffiniert und ausgefallen. Tolle Idee. Über Werbefallen und Ungereimtheiten lässt sich ja diskutieren, aber die Sinnhaftigkeit oder Lustigkeit dieser "Aktion" erschließt sich wohl nur irgendwelche gelangweilten 35-Stunden-die-Woche-Arbeiter.
keoki, 10.04.2011
3. Witzigkeit kennt doch Grenzen ...
Der Herr "Journalist" hält sich anscheinend für schrecklich witzig. Dieser Artikel entbehrt jeder Grundlage, ist dämlich und komplett überflüssig. Er wird eigentlich nur von dem nichtsagenden Artikel vor ein paar Tage übertroffen, bei dem angeblich mitgeteilt werden sollte, welche Reparaturen man selber am Auto durchführen könne. Man sollte doch lieber auf ein paar Artikel verzichten. ... einfach schrecklich und nicht mal als Ironie zu gebrauchen !!!
unterländer 10.04.2011
4. a
Zitat von sysop"25 Prozent auf alles ohne Stecker": Mit diesem Slogan trommelt eine Baumarktkette um Kunden. Doch wenn man das wörtlich nimmt, drohen die Mitarbeiter mit der Polizei - das bekam Hinrich Lührssen zu spüren. Er testet, wie ernst Firmen ihre Werbebotschaften wirklich meinen. http://www.spiegel.de/wirtschaft/service/0,1518,754593,00.html
Schade, dass keiner tatsächlich die Polizei gerufen hat. Solche selbstgestrickten Verbraucherschützer braucht kein Mensch.
Eukalyptusbonbon, 10.04.2011
5. Nee, ist klar ...
Die Geschichte war bereits vor 2 oder 3 Jahren bei SternTV zu sehen, wo Herr Lührssen ja häufiger solche Aktionen durchführt. Also schon mal nichts neues. Insgesamt finde ich das dann auch weder lustig noch "lehrreich" ... Hat die Werbung irgendwo behauptet, dass man die gewünschten Geräte beschädigen soll oder darf, um den Rabatt zu bekommen? Anstelle über echte Verbrauchertäuschung zu berichten - die es ja nun wirklich tausendfach gibt - wird so Sendezeit (oder Artikel-Reichweite) verschwendet. Zudem erwecken solche Aktionen immer eher den Eindruck als ob nicht die Werbung die Verbraucher bewusst täuscht, sondern dass viele Verbraucher oft zu kleinlich sind oder Werbung von "echten" Produktinformationen nicht unterscheiden können. Eine Nullnummer - so oder so!
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