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Werbung beim Wort genommen: Wie man die Fast-Food-Industrie austrickst

"All you can eat": Mit diesem großzügigen Angebot werben viele Fast-Food-Ketten. Doch was passiert, wenn ein Kunde sie beim Wort nimmt? Der Buchautor Hinrich Lührssen hat die Restaurants und seinen Magen auf die Probe gestellt - und skurrile Erfahrungen gemacht.

Teller mit Fleisch: "Sie können so viel essen, wie Sie möchten" Zur Großansicht
DPA

Teller mit Fleisch: "Sie können so viel essen, wie Sie möchten"

Das Angebot klingt verlockend, wenn man denn Fisch mag. Bei Nordsee gibt es ab 15 Uhr "Grillfisch satt" für 5,95 Euro. Das sollte sich der hungrige Kunde ruhig mal auf der Zunge zergehen lassen: Einmal zahlen und dann so viel essen, wie man will und kann. Willkommen im Schlaraffenland.

Eines der vielen All-you-can-eat-Angebote, die seit einigen Jahren in Mode gekommen sind und bei mir zu folgender Fragestellung geführt haben: Was passiert, wenn einer wie ich eines schönen Tages dieses kulinarische Angebot schamlos ausnutzt und bis zum Erbrechen futtert, obwohl er nur einmal gezahlt hat? Zieht der Wirt nicht doch nach der 17. Portion die Notbremse, weil für die anderen hungrigen Sparfüchse nichts mehr übrig bleibt oder er nach dem großen Fressen vor dem finanziellen Ruin steht? Gibt es für das Personal geheime Anweisungen, wie es nach der dritten Portion dem verfressenen Gast das Maul stopfen kann? Oder gibt es wirklich Nachschlag ohne Ende, weil genau das so selten vorkommt und deshalb von der Gastronomie locker zu verkraften ist?

In mir reift folgender Entschluss: Beim nächsten großer Hunger werde ich mich opfern. Ohne Vorbereitung geht es allerdings auch hier nicht: Vier Tage vor dem großen Fressen reduziere ich radikal meine Nahrungszufuhr. Morgens ein halbes Marmeladenbrötchen, mittags Zwieback, abends ein Steak, dazu zwei Flaschen Wasser täglich. Keine Ahnung, ob das gesund ist, als Diät also keinesfalls zu empfehlen. Es ist jedenfalls nur ein Bruchteil dessen, was ich sonst auffuttere. Als ich am fünften Tag, es ist ein Mittwoch, um Punkt 15 Uhr die Oldenburger Filiale der Nordsee-Kette betrete, habe ich jedenfalls mächtig Kohldampf, und beim Anblick von Grillfisch satt mit Kartoffelsalat mit Speck läuft mir das Wasser im Mund zusammen, und das ist wie immer keine Übertreibung.

Beim Bezahlen erhalte ich vom Verkaufspersonal letzte Anweisungen, um erfolgreich beim All-you-can-eat-Versorgungsprogramm mitmachen zu können. "Und dann kann ich so oft kommen, wie ich will?", vergewissere ich mich bei der Kassiererin.

"Wichtig ist, ich gebe Ihnen den Bon, denn den Bon wollen wir jedes Mal sehen. Immer nur zeigen, und dann gibt es Nachschlag."

Vorsichtshalber lasse ich den Bon gleich auf meinem Tablett liegen, denn wir werden uns nun häufiger sehen. Die erste Portion fällt in vier Minuten meinem Heißhunger zum Opfer, bis zur vierten Portion spielt sich das Vorzeigen des Bons und die Herausgabe des Grillfisches wortlos ab. Dann verspüre ich erstmals Anerkennung durch die Kassiererin, die auch bedient. "Sie haben aber einen gesunden Appetit."

Noch weiß sie nicht, dass sich meine Magenwände megamäßig ausdehnen können und Platz schaffen für die gesamte Grillfischladung eines Fischkutters. Das war jetzt doch etwas übertrieben, denn nach der siebten Portion Grillfisch mit immer dem gleichen speckigen Kartoffelsalat bin ich pappsatt und verspüre das dringende Bedürfnis, mich ganz vorsichtig bewegen zu müssen. Vor der achten Portion wäre es Zeit für einen Spaziergang. Ich verlasse mühsam meinen Stammecktisch, ziehe ganz langsam meine Jacke an und bewege mich in der gleichen Geschwindigkeit in Richtung Kasse. Vorsichtshalber frage ich nach: "Der Bon behält doch für heute seine Gültigkeit?"

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insgesamt 132 Beiträge
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1. .
hjm, 17.04.2011
Leider merkt Herr Lührssen zwei einfache Dinge nicht, was ebenso leider Rückschlüsse auf seinen Intellekt zulässt. 1. In den geschildertern Situation führt nicht er die Gastwirte vor, sondern die Gastwirte ihn. Dass er das noch nicht einmal bemerkt und statt dessen genüsslich ausbreitet, zeugt von einer extrem verkümmerten sozialen Kompetenz. 2. Indem er das Essen in Tupperdosen füllt, nimmt er die Werbung ja gerade nicht „beim Wort“. Damit ist die intendierte Pointe der Geschichte hinfällig. Es bleibt nichts weiter übrig als ein sich pöbelhaft und frech verhaltender Mensch, der nicht logisch denken kann, und das offenbar auch von seinen Lesern erwartet.
2.
Bins 17.04.2011
Zitat von sysop"All you can eat": Mit diesem*großzügigen Angebot*werben viele Fast-Food-Ketten. Doch was passiert, wenn*ein Kunde sie beim Wort nimmt? Der Buchautor Hinrich Lührssen hat die Restaurants und seinen Magen auf die Probe gestellt -*und*skurrile Erfahrungen gemacht. http://www.spiegel.de/wirtschaft/service/0,1518,754605,00.html
Sind solche Fress-Aktionen jetzt lustig oder nicht ? Spätestens bei der Tupperwaren-Geschichte hätte ich als Geschäftsführer den Kunden dezent im Auge behalten. Dann wäre ein Anruf bei der Polizei fällig gewesesen.....
3. Vor Mißbrauch ist (ißt) man nie sicher
fleischwurstfachvorleger 17.04.2011
Zitat von sysop"All you can eat": Mit diesem*großzügigen Angebot*werben viele Fast-Food-Ketten. Doch was passiert, wenn*ein Kunde sie beim Wort nimmt? Der Buchautor Hinrich Lührssen hat die Restaurants und seinen Magen auf die Probe gestellt -*und*skurrile Erfahrungen gemacht. http://www.spiegel.de/wirtschaft/service/0,1518,754605,00.html
Ganz schön (un)-appetitlich. Aber wenn das Angebot steht, kann man es auch nutzen und auch ausnutzen. Allerdings mit einer Horde Freunde aufzutauchen und das Essen durchzureichen, halte ich für nicht angemessen. Das Füllen von mitgebrachten Tupperdosen ist in meinen Augen Diebstahl. Beim Frühstücksbuffet am Ende ein Stück Obst mitzunehmen ist ok. Semmeln für die ganze Familie, für den ganzen Tag auf Vorrat zu schmieren, ist nicht nur extrem geizig, sondern spricht auch für schlechte Manieren. - Wenn man sich keine weitere Mahlzeit leisten kann oder will, sollte man im Urlaub am besten zu Hause bleiben.
4. Wie doof ist das denn?
vogelskipper 17.04.2011
Soll das so eine Art Günter Wallraff Journalismus sein zu einem Thema, das weder Tiefgang hat, noch die Welt interessiert? Bevor der Schreiber unzählige Male seinen Magen und Darmtrakt "vergewaltigte" und eventuell sogar seine Gesundheit schädigte, hätte er mal überlegen sollen, ob es eine Befragung der All-you-can-eat-Anbieter zu diesem Thema und deren Vorgehen im speziellen Fall nicht auch getan hätte? So ist das für mich ein Versuch des kleinen Sensationsjournalismus, der in die Hose ging und eigentlich eher in der Zeitung mit den großen Buchstaben zu finden sein sollte unter der Überschrift: "Der dümmste Grund sich zu überfressen" Kann man nur an die Jugend appellieren, dass sie nicht auf die Idee kommen den Quatsch nachzuahmen. Als nächstes Thema für den Schreiber schlage ich vor: "Wie man die Flatrate-Kneipen austrickst"
5. Peinlich.
propagandhi 17.04.2011
Zitat von sysop"All you can eat": Mit diesem*großzügigen Angebot*werben viele Fast-Food-Ketten. Doch was passiert, wenn*ein Kunde sie beim Wort nimmt? Der Buchautor Hinrich Lührssen hat die Restaurants und seinen Magen auf die Probe gestellt -*und*skurrile Erfahrungen gemacht. http://www.spiegel.de/wirtschaft/service/0,1518,754605,00.html
Hält sich der Autor dieses blöden Textes nun tatsächlich für lustig oder gar schlau? 'Hohoho, ich esse jetzt eine Woche lang nur Magerjoghurt, und dann gehe ich zum All-you-can-eat, damit sich das auch richtig lohnt. Und dann nehme ich noch heimlich Tupperdosen mit und mache mir die Taschen voll.' Der krönende Abschluss ist die selbstzufriedene, centgenaue Berechnung des Preises pro Portion. Da wird dem Discounterkunden warm ums Herz. Ausländischen Beobachtern wird diese stolze Selbstentblössung von Schweinchen Schlau als die Bestätigung aller ihrer Vorurteile über Deutsche dienen. Peinlich.
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