Zehn Jahre Riester-Rente: Wo die Fallstricke für Sparer lauern

Der Bürger spart fürs Alter und der Staat belohnt ihn mit satten Zulagen - dieses Prinzip der Riester-Rente lockt seit zehn Jahren Millionen Anleger an. Doch diese Form der Altersvorsorge lohnt sich nur, wenn Sparer alles richtig machen. Die Zeitschrift "Finanztest" zeigt, wo die Fallen lauern.

Seniorengruppe in Dresden: Noch immer Schwachstellen bei der Riester-Rente Zur Großansicht
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Seniorengruppe in Dresden: Noch immer Schwachstellen bei der Riester-Rente

Seit zehn Jahren gibt es die Riester-Rente. Fast 15 Millionen Menschen haben sich für dieses Modell der Altersvorsorge entschieden und bisher insgesamt knapp 37 Milliarden Euro angespart. Das Bundesarbeitsministerium spricht von einer "Entwicklung, die sehr erfreulich verläuft". Doch Euphorie ist nicht angebracht. Denn alle Kinderkrankheiten hat diese staatlich geförderte private Altersvorsorge nach zehn Jahren noch nicht hinter sich gelassen.

Die größten Schwachstellen sind das komplizierte Zulagenverfahren, die vielen Vermittler, die Sparern unpassende Produkte verkaufen sowie der Umstand, dass ausgerechnet Geringverdiener bisher kaum von der staatlich geförderten Vorsorge profitieren.

Schwachstelle komplizierte Förderung

Die Zulagen sind das Herzstück der Riester-Rente: Sie sind das, was der Staat allen Sparern dazu gibt. Und sie machen diese Art des Sparens so vorteilhaft im Vergleich zu anderen Formen der Altersvorsorge. 154 Euro gibt es jährlich für jeden Sparer als Grundzulage. Hinzu kommt eine Kinderzulage von 300 Euro im Jahr für Kinder, die ab 2008 geboren sind. Für alle Kinder, die vorher geboren wurden, gibt es 185 Euro im Jahr.

Eine Familie mit zwei kleinen Kindern kann so jährlich 908 Euro allein an staatlichen Zulagen fürs Alter sparen. Doch mit dem Zulagenverfahren gibt es immer wieder Probleme. Erst Mitte 2011 hat die staatliche Zulagenstelle für Altersvermögen (ZfA) ausgezahlte Zulagen im Wert von 490 Millionen Euro wieder zurückgebucht. Viele Sparer hatten die Voraussetzungen nicht erfüllt, um die volle Zulage zu erhalten.

Worauf Sparer in Sachen Zulage achten müssen

Um die volle Zulage zu erhalten, müssen Sparer jedes Jahr mindestens vier Prozent ihres rentenversicherungspflichtigen Bruttoeinkommens aus dem Vorjahr in ihren Riester-Vertrag einzahlen. Bei 50.000 Euro Einkommen sind das zum Beispiel 2000 Euro. Die Zulagen werden auf die eigenen Einzahlungen angerechnet. Wer weniger spart, bekommt die Zulage nur anteilig. Riester-Sparer müssen also ständig im Auge behalten, wie sich ihr Einkommen entwickelt, und sie müssen ihre Sparleistung anpassen, wenn sie nichts von der Zulage verschenken wollen.

Regeln für Gering- und Gutverdiener

Nicht gekürzt wird die Zulage nur bei Gutverdienern, die zwar weniger als vier Prozent, aber mindestens 2100 Euro jährlich einzahlen. Denn damit haben sie die Förderhöchstgrenze erreicht. Wer zum Beispiel 60.000 Euro brutto im Jahr verdient und so eigentlich 2400 Euro in seinen Vertrag fließen lassen müsste, bekommt die volle Zulage schon ab 2100 Euro Sparleistung im Jahr.

Ist das Gehalt dagegen so niedrig, dass die Zulagen allein schon mehr als vier Prozent des rentenversicherungspflichtigen Bruttoeinkommens ausmachen, muss der Sparer trotzdem einen Sockelbetrag von mindestens 60 Euro im Jahr selbst einzahlen.

Wann der Staat die Förderung zurückfordert

Verloren ist die staatliche Förderung für Sparer, die ihr Geld vor Ende der Laufzeit aus dem Riester-Vertrag nehmen. Ausnahme: Für den Bau oder Kauf einer selbstgenutzten Immobilie dürfen sie die angesparte Summe einsetzen. Auch Riester-Sparer, die ihren Wohnsitz in ein Land verlegen, das nicht zur EU oder zum europäischen Wirtschaftsraum gehört, verlieren ihre Ansprüche und müssen die Förderung zurückzahlen.

Nicht jeder darf riestern

Für die Riester-Förderung muss eine Voraussetzung erfüllt sein: Der Sparer selbst oder sein Ehepartner ist in der gesetzlichen Rentenversicherung pflichtversichert. Für Beamte gilt eine Ausnahme: Sie sind zur Riester-Rente berechtigt, obwohl sie nicht der gesetzlichen Rentenversicherung angehören.

Alle anderen, beispielsweise Freiberufler, können über einen Umweg die Zulagen vom Staat bekommen: Wenn ihr pflichtversicherter Ehepartner riestert, werden sie zu "mittelbar" Förderberechtigten. Sie müssen einen eigenen Vertrag abschließen. Dabei sind sie aber nicht an den Anbieter gebunden, bei dem ihr Ehepartner den Riester-Vertrag abgeschlossen hat. "Mittelbar" Förderberechtigte bekommen so viel Grundzulage wie ihr Ehepartner. Sie müssen aber nicht wie ihr Partner vier Prozent ihres Einkommens in ihren Vertrag einzahlen. Ab 2012 gibt es aber einen Mindesteigenbeitrag von 60 Euro jährlich.

Die volle Zulage von 154 Euro gibt es nur, wenn der Ehepartner mit dem ursprünglichen Riester-Vertrag vier Prozent seines Einkommens einzahlt. Ansonsten wird ihm und auch dem Partner die Zulage gekürzt. Im Gegenzug wird die Zulage aus dem zweiten Vertrag auf den Mindestbeitrag für den ursprünglichen Riester-Vertrag angerechnet.

Für manche kommt im Alter die böse Überraschung

Neben dem komplizierten Verfahren hat die Riester-Rente noch einen weiteren Schwachpunkt: Geringverdiener, die ihr Leben lang wenig verdienen, haben bisher nichts von der privat angesparten Altersvorsorge. Zumindest dann nicht, wenn sie im Alter auf Grundsicherung angewiesen sind. Das ist eine steuerfinanzierte Sozialleistung. Sie soll diejenigen absichern, die wegen ihres Alters aus dem Erwerbsleben ausgeschieden sind und deren Einkünfte für den notwendigen Lebensunterhalt nicht ausreichen.

Die Krux: Eigene Einkünfte und Vermögenswerte werden auf die Zahlungen der Grundsicherung angerechnet - auch die Riester-Rente. Wer also sein Leben lang wenig verdient und dennoch privat vorsorgt, hat nichts davon. Denn die Rente aus dem Riester-Vertrag wird von der Grundsicherung abgezogen.

10 Jahre Riester-Rente
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Die Riester-Rente gibt es nun seit fast zehn Jahren. Durch die staatliche Förderung ist sie viel attraktiver als andere Formen der Altersvorsorge.

Finanztest sagt, worauf es ankommt und klärt für acht Arten von Riester-Produkten die wichtigsten Fragen
Tipps
Riester-Rente abschließen. Wenn Sie fürs Alter vorsorgen wollen, ist ein Riester-Vertrag wegen der Förderung erste Wahl. Doch der Vertrag muss günstig sein und zu Ihnen passen. Ausführlichen Tests zu den einzelnen Sparformen finden Sie im Artikel "Die Riester-Tests von Finanztest".

Beiträge anpassen. Ist Ihr Einkommen gestiegen, müssen Sie Ihre Sparleistung anpassen. Für die volle Zulage müssen 4 Prozent Ihres rentenversicherungspflichtigen Einkommens aus dem Vorjahr in den Vertrag fließen; hierbei zählen die Zulagen aber schon mit. Wie hoch dieses Einkommen war, erfahren Sie aus der Jahresmeldung zur Sozialversicherung von Ihrem Arbeitgeber.

Änderungen mitteilen. Änderungen, die sich auf Ihre Zulagen auswirken können, sollten Sie Ihrem Anbieter mitteilen, zum Beispiel eine Geburt, den Wegfall des Kindergelds, den Wegfall oder Wechsel der Förderberechtigung.

Steuervorteil nutzen. Als Riester-Sparer können Sie Steuervorteile nutzen. Füllen Sie in Ihrer Einkommensteuererklärung die Anlage AV aus. Vor allem bei mittleren und höheren Einkommen kann sich das lohnen.

Dauerzulagenantrag. Ein Riester-Vertrag ist nur sinnvoll mit Zulagen. Lassen Sie sich diese daher nicht entgehen. Damit Sie die Zulagen nicht jedes Jahr neu beantragen müssen, sollten Sie über Ihre Bank oder Ihren Versicherer einen Dauer­zulagen­antrag stellen.

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1. Dieser Artikel zeigt mir
ReneMeinhardt 28.11.2011
dass es eine gute Entscheidung war, nicht zu "riestern".
2. Fällt auf!
hajo58 28.11.2011
Zitat von sysopDer Bürger spart fürs Alter*und der Staat belohnt ihn mit satten Zulagen - dieses Prinzip der Riester-Rente lockt seit zehn Jahren*Millionen Anleger an. Doch diese*Form der Altersvorsorge lohnt sich nur, wenn Sparer alles richtig machen. Die Zeitschrift "Finanztest"*zeigt,*wo die Fallen lauern. http://www.spiegel.de/wirtschaft/service/0,1518,796762,00.html
Es fällt schon sehr stark auf wie sich Finanztest und speziell Herr Tenhagen für die Riesterrente stark machen, Ein Schelm der Böses dabei denkt. Aber hier einmal eine Alternative: Einmal angenommen jemand spart 100€ im Monat und dies 30 Jahre lang und handelt mit seiner Bank einen Ratensparvertrag mit 4% Zinsen aus, so hätte er ein Kapital von 85.000€Dies wiederum gut angelegt, könnte möglicherweise sagen wir, 200€ im Monat bringen. Der Sparer hat also das Kapital UND eine monatliche Rente. Warum „riestern“?
3. Wenn da mal nicht die Konsumgeilheit wäre
AlbertWesker 28.11.2011
Zitat von hajo58Es fällt schon sehr stark auf wie sich Finanztest und speziell Herr Tenhagen für die Riesterrente stark machen, Ein Schelm der Böses dabei denkt. Aber hier einmal eine Alternative: Einmal angenommen jemand spart 100€ im Monat und dies 30 Jahre lang und handelt mit seiner Bank einen Ratensparvertrag mit 4% Zinsen aus, so hätte er ein Kapital von 85.000€Dies wiederum gut angelegt, könnte möglicherweise sagen wir, 200€ im Monat bringen. Der Sparer hat also das Kapital UND eine monatliche Rente. Warum „riestern“?
Nur mal angenommen, dass in der heutigen Zeit nicht 90% aller Menschen konsumgeil wären, könnte dieser Plan wirklich was bringen, wenn man sich 40-50 Jahre beherschen könnte und nicht an das angesparte Geld zu geht! Das ist in meinen Augen ein reine Utopie und gerade für Leute aus den niedrigen bis mittleren Einkommen vollkommen unmöglich auf diese Weise zu sparen.
4. Rhetorische Frage?
chris_42 28.11.2011
Zitat von hajo58Es fällt schon sehr stark auf wie sich Finanztest und speziell Herr Tenhagen für die Riesterrente stark machen, Ein Schelm der Böses dabei denkt. Aber hier einmal eine Alternative: Einmal angenommen jemand spart 100€ im Monat und dies 30 Jahre lang und handelt mit seiner Bank einen Ratensparvertrag mit 4% Zinsen aus, so hätte er ein Kapital von 85.000€Dies wiederum gut angelegt, könnte möglicherweise sagen wir, 200€ im Monat bringen. Der Sparer hat also das Kapital UND eine monatliche Rente. Warum „riestern“?
Weil niemand so diszipliniert ist, an das Geld nicht vor der Rente dranzugehen?
5. genialer coup der versicherunglobby
maximixa 28.11.2011
Zitat von hajo58Es fällt schon sehr stark auf wie sich Finanztest und speziell Herr Tenhagen für die Riesterrente stark machen, Ein Schelm der Böses dabei denkt. Aber hier einmal eine Alternative: Einmal angenommen jemand spart 100€ im Monat und dies 30 Jahre lang und handelt mit seiner Bank einen Ratensparvertrag mit 4% Zinsen aus, so hätte er ein Kapital von 85.000€Dies wiederum gut angelegt, könnte möglicherweise sagen wir, 200€ im Monat bringen. Der Sparer hat also das Kapital UND eine monatliche Rente. Warum „riestern“?
weil der SOZIALdemokrat, riester, als lobbyist für maschmeyer-awd tätig ist. nicht nur seine entlohnung, sondern auch die üppigen provisionen der vertreter-kloppertruppen müssen den übertölpelten versicherungsnehmern aus der tasche gezogen werden. millionen geringverdiener täten zwar besser daran, heute konjunkturfördernd zu konsumieren, statt zu sparen, aber so bezahlen sie schon mal im voraus ihre staatliche aufstockungsrente, die in höhe der riesterrente gekürzt werden wird - psst, nicht weitersagen! ;-)
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Finanztest (Stiftung Warentest)
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Kaum ein Riester-Sparer will sein Geld in Streubomben und andere heimtückische Waffen investiert wissen. Halten sich die Anbieter von Riesterprodukten daran? Das Thema hat viele Institute auf dem falschen Fuß erwischt.

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Tipps

Angebote: Gleich welche Art von Riester-Vertrag Sie haben oder abschließen wollen, Sie finden in jeder Produktkategorie Angebote ohne zweifelhafte Waffeninvestments. Die vollständigen Ergebnisse der Finanztest-Untersuchung, insbesondere Tabellen, wie die Anbieter mit der Ächtung der Streubomben umgehen, finden Sie nach Freischaltung des Themas.

Empfehlungen: Folgende Verträge vereinen ein ethisches Investment mit guter Qualität: Als Fondssparpläne kommen die UniProfirente von Union Investment sowie die DWS Toprente und die DWS Riesterrente Premium infrage. Entscheiden Sie sich für eine klassische Riester-Rentenversicherung, legt Finanztest Ihnen das Angebot der Debeka ans Herz. Wollen Sie eine fondsgebundene Versicherung, nehmen Sie die von CosmosDirekt. Bevorzugen Sie einen Banksparplan, empfiehlt Finanztest Ihnen das Angebot der Ethikbank, das bundesweit gilt, sowie die nur eingeschränkt erhältlichen Produkte der Bank für Kirche und Caritas und der Raiffeisenbank Rastede.

Wechsel: Sie können Ihren Riester-Anbieter jederzeit wechseln, müssen dafür aber Gebühren zahlen. Bei Fondssparplänen sind das meist 50 Euro, bei Banksparplänen zwischen 50 und 100 Euro, die Versicherer nehmen häufig 100 bis 150 Euro.

Protest: Beachten Sie, dass Sie Verluste machen können, wenn Sie Geld aus Fondssparplänen oder Versicherungen umschichten. Ihr neuer Anbieter gewährt die Kapitalgarantie nur für die übertragene Summe, nicht für die ursprünglichen Einzahlungen. Bei Fonds und Versicherungen kann zwischenzeitlich aber weniger Geld vorhanden sein als eingezahlt, insbesondere bei Versicherungen, da diese anfänglich teuer sind. Behalten Sie Ihren Vertrag vorerst und fordern Sie Ihren Versicherer schriftlich dazu auf, künftig auf Anlagen in Hersteller von Streumunition zu verzichten. Finanztest wird prüfen, wie die Gesellschaften mit dem Thema umgehen.