Genossenschaftsbanken Erfolgreiches Geschäft, miese Verzinsung

Genossenschaftsbanken machen Milliardengewinne - doch ihre Kunden müssen darben. Die Cheflobbyisten der Institute haben hierfür eine fragwürdige Erklärung.

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Mehr als acht Milliarden Euro Gewinn haben die Genossenschaftsbanken (BVR) im vergangenen Jahr gemacht. Das ist schön für Volks- und Raiffeisenbanken, Sparda- und PSD-Banken, aber deswegen keine gute Kunde für die Sparer unter den Kunden der Genossenschaftsbanken.

Denn die mussten trotz der wirtschaftlichen Erfolge darben. "Die genossenschaftliche Finanzgruppe rangiert europaweit... unter den sehr ertragsstarken Bankengruppen", so sprechen die Vorstände der BVR-Bankengruppe in Berlin stolz und gut vernehmlich. "Leider nur 0 Prozent Zinsen", flüstern die Bankchefs, sobald Kunden in der Kreisstadt nach besseren Zinsen für ihr Spargeld fragten. Ein Dutzend Genossenschaftsbanken führten sogar Strafzinsen ein, für Kunden, die allzu viel Geld bei ihnen anlegen wollten.

Immerhin haben die Cheflobbyisten der Genossen diese Woche wenigstens versucht zu erklären, warum ihre Kunden darben müssen. Letztlich wolle man das große Geld großer Kunden abwehren. Der scheidende Cheflobbyist Uwe Fröhlich hatte schon im Frühjahr von "Abwehrkonditionen" gesprochen. Jetzt legte der gesamte BVR-Vorstand nach: "Wir können natürlich auch nicht zulassen, dass eine Art Zinsarbitrage zu Lasten der genossenschaftlichen Finanzgruppe stattfindet." Damit meint der Vorstand institutionelle Kunden, zum Beispiel auch Kommunen - die versuchen zur Zeit offenbar verstärkt, Geld bei Volksbanken zu parken.

Der logische Schluss: "Deswegen... muss es auch die Möglichkeit geben, rechtlich Negativzinsen zu vereinbaren. Wenn das nicht der Fall wäre, würden wir ja ausgenutzt."

Es ist zur Zeit schwer für alle, die große Mengen Geld verwalten müssen. Auch die Genossenschaftsbanken wissen offenbar nicht mehr, wohin mit dem ihn anvertrauten Geld, lagern es dann also bei der EZB und bezahlen dort Strafzinsen.

Zum Autor
  • Finanztip
    Hermann-Josef Tenhagen (Jahrgang 1963) ist Chefredakteur von "Finanztip". Der Verbraucher-Ratgeber ist gemeinnützig. "Finanztip" refinanziert sich über sogenannte Affiliate-Links. Mehr dazu hier.

    Tenhagen hat zuvor als Chefredakteur 15 Jahre lang die Zeitschrift "Finanztest" geführt. Nach seinem Studium der Politik und Volkswirtschaft begann er seine journalistische Karriere bei der "Tageszeitung". Dort ist er heute ehrenamtlicher Aufsichtsrat der Genossenschaft. Bei SPIEGEL ONLINE schreibt Tenhagen wöchentlich über den richtigen Umgang mit dem eigenen Geld.

Das Argument mit dem großen Geld großer Kunden ist nicht ganz von der Hand zu weisen. Seit Jahren ist in Fachkreisen bekannt, dass wegen der guten Einlagensicherung viel Geld von Hedgefonds, Kämmerern und Finanzministern bei deutschen Banken eingelagert wird. Und dass bei Bankpleiten hierzulande das meiste Geld aus der Einlagesicherung nicht etwa an betroffene Privatkunden fließt, sondern an institutionelle Kunden.

Keine Zinsen für die Stammkundschaft

Bei der Lehman-Pleite 2008 gingen die Privatkunden leer aus mit ihren Zertifikaten, weil sie deren Konstruktion als Schuldverschreibung nicht richtig verstanden hatten. Derweil wurden Krankenkassen mit mehrstelligen Millionenbeträgen vom Einlagensicherungsfonds entschädigt.

Bei der Pleite der Maple Bank 2016 erhielten deutsche Landesregierungen große Teile der Milliardenentschädigung aus dem Einlagensicherungsfonds. Sie hatten viel Geld bei der Maple Bank angelegt. Kleinanleger waren von der Pleite höchstens indirekt betroffen.

Dass die Genossenschaftsbanken solches Park-Geld nicht haben wollen, ist also verständlich - zumal sie ja gar nicht wissen, wohin damit. Im vergangenen Jahr nannte Cheflobbyist Fröhlich in der ARD bei "Hart aber fair" die Zahl von 100 Milliarden Euro, die die Genossenschaftsbanken durchschnittlich bei der EZB einlagern.

Allein, das erklärt immer noch nicht, warum die Genossenschaftsbanker ihrer Stammkundschaft gar keine Zinsen zahlen. Was können die Rentner, Bauern und Handwerker dafür, dass Zocker und Parker vor den Türen der Genossenschaftsbanken stehen. Und wenn die knapp 1000 Volks- und Raiffeisenbanken zuletzt erfolgreich deutlich mehr Baukredite verkaufen konnten, warum gibt es dann keine Zinsen für Sparer aus den Genossenschaftskreisen?

Man kann die Frage sogar noch ein wenig erweitern. Warum bekommen von Berlin bis Wesel die Genossen der Genossenschaftsbanken für ihre Anteile nach wie vor oft drei oder vier Prozent Rendite, währende Sparer mit 0 Prozent abgespeist werden?

Könnte es sein, dass die Idee der Abwehrkonditionen ganz jenseits des Umgangs mit den Zockern auch für den Umgang mit der Stammklientel gilt?

Wie anders ist die Diskrepanz zwischen erfolgreichem Geschäft und mieser Verzinsung für kleine Sparer zu erklären?

Mein Rat: Die Kunden der Genossenschaftsbanken sollten auf diese Geschäftspolitik ganz betriebswirtschaftlich reagieren und von sich aus das Geschäft streuen.

  • Wenn Sie eine Immobilie kaufen oder bauen wollen, prüfen Sie zunächst ihr Budget. Gehen Sie ruhig zur Volksbank vor Ort, wenn diese Ihnen ein gutes Angebot macht.
  • Wenn Sie keinen Kredit brauchen und die Volksbank Ihnen keine Zinsen zahlen möchte, suchen Sie nach besseren Angeboten; es gibt genügend Banken, die noch das ein oder andere Prozent an Zinsen zahlen.
  • Günstige und vernünftige ETFs zur Anlage in Aktien gibt es inzwischen auch an jeder zweiten Ecke.

Um die Genossenschaftsbanken an sich müssen sich Kunden bei allem Lamento keine Sorgen machen - noch erzielen diese Milliardengewinne. Und wenn einzelne Institute in naher Zukunft doch entdecken sollten, sie könnten das Geld ihrer Kunden noch brauchen, dann können sie sich ja bemerkbar machen. Die inzwischen bundesweit anbietende PSD Bank Niederbayern-Oberpfalz ist da mit Ihren 0,6 Prozent Zinsen auf Tagesgeld ein interessanter Vorreiter.



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