Zockerjagd für Anfänger: So will der Staat die Finanzmonster bändigen

Von , Alexander Trempler (Grafik) und Roman Höfner (Video)

Strafsteuern, harte Gesetze, Regeln gegen Hedgefonds: Weltweit sagen Politiker Spekulanten den Kampf an. Doch was verbirgt sich hinter Begriffsungetümen wie Transaktionssteuer. Sie verstehen davon auch nur die Hälfte? SPIEGEL ONLINE klärt auf - mit Videos und Comics.

Kampf gegen des Spekulantenmonster: Können neue Steuern die Märkte bändigen? Zur Großansicht
Corbis

Kampf gegen des Spekulantenmonster: Können neue Steuern die Märkte bändigen?

Hamburg - Ausgerechnet der bedächtige Horst Köhler war es, der klar Stellung bezog: Der Bundespräsident bezeichnete den internationalen Finanzmarkt vor zwei Jahren als "Monster, das in die Schranken gewiesen werden muss".

Monströs sind aber nicht nur die Märkte, sondern auch die Begriffe, die Politiker und Wirtschaftsexperten benutzen, wenn sie vermeintlich Schlaues zur Krise sagen: Zum Standard-Wortschatz gehören mittlerweile Wortungetüme wie Finanzmarkttransaktionssteuer, Finanzaktivitätssteuer und Finanzstabilitätsabgabe.

Sie fragen sich, was sich hinter solchen Phrasen verbirgt? SPIEGEL ONLINE erklärt es Ihnen in einer dreiteiligen Serie mit Comics und Videos.

Fangen wir mit den beiden F-Wörtern an, die zurzeit für Furore sorgen: Finanztransaktionssteuer und Finanzaktivitätssteuer. Was das ist?

Schauen Sie einfach den kleinen Animationsfilm, denn wissen Sie es:

Video-Spezial: Steuern gegen Spekulanten
Foto: Corbis
Wie Sie sehen, ist es im Grunde ganz einfach. Zockerei soll begrenzt, Spekulanten sollen an den Kosten der Krise beteiligt werden. Doch taugt die Finanzsteuer wirklich, um die Märkte zu regulieren? Oder sehen sie die hochverschuldeten Staaten eher als neue Einnahmequelle?

Wie im Animationsfilm erläutert, würde das schnelle Hin- und Herschieben von Wertpapieren weniger rentabel, wenn Spekulanten bei jedem Kauf oder Verkauf eine Steuer zahlen müssten. Eine Finanztransaktionssteuer würde also durchaus etwas nützen, allerdings eher gegen Spekulationsstrategien, die in der ersten Etappe der Finanzkrise eine Rolle gespielt haben. Der überbordende Handel mit Kreditversicherungen hat immerhin zum Crash der US-Investmentbank Lehman Brothers mit beigetragen.

Griechenland hingegen wurde dadurch nicht an den Rand der Pleite getrieben: Der Handel mit Kreditversicherungen auf Athener Anleihen hat zwar in den vergangenen Monaten zugenommen - das Volumen reichte aber bei weitem nicht aus, um einen Staat in die Knie zu zwingen. Griechenland ist vor allem wegen seiner realen Konjunktur- und Schuldenprobleme im Visier der Finanzmärkte - gegen solche Probleme hilft keine Finanzsteuer.

Fotostrecke

5  Bilder
Grafik-Strecke: So zockt man mit Kreditversicherungen
Auch Spekulationen gegen den Euro dagegen haben laut Daten der Commodity Futures Trading Commission in den vergangenen Monaten deutlich zugenommen. Gegen sie würde allerings eher eine Finanzaktivitätssteuer helfen. Denn bei Währungsgeschäften setzen Finanzprofis tendenziell einmalig einen großen Betrag, warten, bis der Preis fällt, und verkaufen dann rasch wieder.

Man träfe Euro-Spekulanten also stärker, wenn man sie dazu verdonnern würde, eine Abgabe auf Gewinne zu zahlen. Allerdings wäre das eine rein fiskalische Maßnahme. Den Verfall des Euro könnte sie nicht bremsen. Der Kurssturz nämlich kommt dadurch zustande, dass viele Anleger, darunter auch Zentralbanken, ihre Euro-Reserven abbauen.

Es stellt sich daher die Frage, ob eine - wie auch immer geartete - Finanzsteuer den Richtigen treffen würde. Schließlich könnten Banken und Fondsmanager die höheren Kosten einfach an ihre Kunden weitergeben.

Nach dem aktuellen Stand der Diskussion scheinen die Finanzsteuern mehr Nachteile als Vorteile zu haben:

Vor- und Nachteile der Finanzsteuer
Transaktionsteuer? Aktivitätsteuer? Zwei Konzepte werden diskutiert - ihre Vor- und Nachteile.
Transaktionsteuer: Vorteile
Der Staat könnte an den Finanzmärkten Geld abschöpfen. Wird die Steuer auf die gesamte Risikosumme erhoben, macht sie Spekulationen, die auf kurzfristige Kapitalumschichtungen ausgelegt sind, unattraktiver. Wird ein Wertpapier zum Beispiel einmal pro Jahr verkauft, beträgt die Steuer 0,2 Prozent. Wechselt das Papier einmal im Monat den Besitzer, würde für den Kapitalbetrag eine Steuer von 2,4 Prozent fällig. Wird der Betrag einmal wöchentlich transferiert, beträgt die Belastung schon 10,4 Prozent.
Transaktionsteuer: Nachteile
Firmen, die sich durch schnelles Umschichten von Anlagen gegen Währungsrisiken absichern, würden für umsichtiges Risikomanagement plötzlich bestraft.

Banken und andere Institute könnten die Kosten für die Finanztransaktionsteuer auf ihre Kunden abwälzen. Höhere Zinsen für Kreditnehmer sowie niedrigere Renditen für Sparer und Anleger wären die Folge. Das aber würde Investitionen, den privaten Konsum - und damit das Wirtschaftswachstum dämpfen.

Die Intransparenz an den Märkten wird tendenziell erhöht. Werden Geschäfte auf den regulären Finanzmärkten besteuert, könnten Händler vermehrt auf alternative Handelsplattformen wie Turquoise oder Chi-X ausweichen. Hier hat der Staat jedoch keinen Zugriff.
Aktivitätsteuer: Vorteile
Die Finanzaktivitätssteuer wäre wesentlich punktgenauer, da sie nur Gewinne und Gehaltszahlungen von Bankern besteuert.
Aktivitätsteuer: Nachteile
Die Einnahmen stünden vermutlich in keinem Verhältnis zum Kontrollaufwand, der nötig wäre, um die Abgabe einzutreiben. In den Finanzhäusern würden vermutlich Mittel und Wege gesucht, wie Gewinne aus Spekulationen in der Bilanz an anderer Stelle ausgewiesen werden könnten.
Die klammen Regierungen freilich müssen all diese Argumente nicht daran hindern, eine Abgabe einzuführen. Sie könnten so die Staatsschulden reduzieren - und sich nebenbei noch als Kämpfer gegen die Zocker profilieren.

Doch auch wenn das erst mal verlockend klingt: Es scheint kaum realistisch, dass eine solche Steuer EU- oder gar weltweit umgesetzt wird. Die deutsche Regierung hat in der vergangenen Woche zwar angekündigt, sich für ein solches Projekt starkzumachen, sie ließ aber offen, ob sie eine Transaktionssteuer oder eine Aktivitätssteuer bevorzugt. Andere europäische Staaten zeigen sich zumindest grundsätzlich bereit, eine Finanzaktivitätssteuer einzuführen.

Doch noch sind nicht alle Länder im Boot, und gerade Staaten mit großen Finanzplätzen - wie die USA und Großbritannien - werden sich genau überlegen, ob die zusätzlichen Einnahmen die Schwächung des eigenen Standorts aufwiegen.

Fakt ist: Einen nationalen Alleingang wird niemand riskieren. Angenommen, in Deutschland würde man eine Finanzsteuer einführen und in England nicht: Dann müsste die Bundesregierung plötzlich um die Wettbewerbsfähigkeit ihrer Banken fürchten. Daran hat keine Regierung der Welt ein echtes Interesse.

Haben Sie etwas dazugelernt? Dann lesen Sie in den kommenden Tagen weiter. Im zweiten Teil der Serie geht es um die Frage, wie sich Finanzcrashs künftig verhindern lassen. Im dritten Teil wird erklärt, wie Super-Spekulanten das Handwerk gelegt werden soll .

Diesen Artikel...
Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.

Auf anderen Social Networks teilen

  • Xing
  • LinkedIn
  • Tumblr
  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • deli.cio.us
  • Digg
  • reddit
Forum - Mehr Regulierung für Banken?
insgesamt 1440 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1.
AndyH 23.01.2010
Zitat von sysopWeniger Eigenhandel, eine Strafsteuer und - im Extremfall -Zerschlagung: US-Präsident Barack Obama will die Banken zügeln. Braucht die Finanzbranche wirklich mehr Regulierung?
Ja, braucht. Und ja, Obama wird auch damit scheitern.
2. Nix mit Regulierung
Klaus.G 23.01.2010
solange die Parteien am Tropf der Banken hängen und von deren Spenden abhängig sind wird sich nie was ändern. Alle außer der Linken werden gut dotiert und darum wird sich nix ändern denn dann würde man den Banken in die Quere kommen was ja niemand will.Auch Obama wird scheiten, zu groß die Macht der Banken und deren Verflechtung mit der Politk. Glückauf.
3. Ein bisschen regulieren wird nicht reichen
soziale qualität 23.01.2010
Um aus der Boom - Krise - Falle auszubrechen wird es klare Grenzen brauchen. Ganz wichtig wäre ein Verbot der Kickbacks und Boni. Die Banker haben sich mit diesen 'Tools' eine Schmiergeldlegalisierung herausgenommen die sich zum erfolgreichen Erpressungswerkzeug entwickelt hat. Es wird auch eine Steuer auf internationalen Finanztransaktionen brauchen und einen globalen Plan zur Austrocknung der Steueroasen. Weitere wichtige Grundlagen zum Thema: www.oekonomiefueralle.blogspot.com
4.
Adran 23.01.2010
ist nur die Rückkehr zum *Glass-Steagall Act* klick (http://de.wikipedia.org/wiki/Glass-Steagall_Act) also nichts neues, sondern ehr sehr altes..bewertes..
5. Die Zerschlagung droht so oder so!
Jordan Sokoł 23.01.2010
Zitat von sysopWeniger Eigenhandel, eine Strafsteuer und - im Extremfall -Zerschlagung: US-Präsident Barack Obama will die Banken zügeln. Braucht die Finanzbranche wirklich mehr Regulierung?
Bezogen auf unsere bundesdeutschen Verhältnisse, muß den Bankmanagern und deren Unterstützern in der Politik klarge- macht werden, daß sie unter Umständen von einem entfessel- ten Volk (z)erschlagen werden, wenn sie sich nicht endlich vernünftigen Beschränkungen und strafbewährten Regeln unterwerfen. Unsere Bundeskanzlerin kann sich bezüglich ihrer unver- zeihlichen Zurückhaltung gegenwärtig nur auf ein einziges Argument berufen: "Ich/wir halten uns zurück, bis die Verursacher der Finanzkrise (USA, GB) regelnd in die Finanzmärkte eingreifen." Frau Merkel, die USA, England und Frankreich sind im Gegen- satz zu Ihnen sichtlich bemühter, um dem ausufernden Ge- schäftsgebaren der Finanzmanager die notwendigen Stop- zeichen vor die Nasen zu setzen. - Nun lassen Sie mal den Koch mit seinen bewußt nicht publizierten bankspezifischen Regionalinteressen rechts liegen und besinnen sich auf das Wohl des Volkes in seiner Gesamtheit! Jordan Sokoł
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge! zum Forum...
News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Wirtschaft
Twitter | RSS
alles aus der Rubrik Verbraucher & Service
RSS
alles zum Thema Finanzkrise ab 2007
RSS

© SPIEGEL ONLINE 2010
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH

SPIEGEL ONLINE Schließen


  • Drucken Versenden
  • Nutzungsrechte Feedback
  • Zur Startseite
Kreuzzug gegen die Finanzmarktmonster

Weltweit ringen Regierungen um Konzepte, um Finanzzockereien einzudämmen - und erschaffen dabei Wortungetüme wie Finanzmarkttransaktionssteuer und Finanzstabilitätsabgabe. SPIEGEL ONLINE erklärt, was sich dahinter verbirgt:


Sind Sie ein guter Euro-Retter?
dpa
Die EU legt ein gigantisches Hilfspaket für den Euro auf - Gesamtumfang: 750 Milliarden Euro. Aber blicken Sie bei der größten Wette der Weltgeschichte noch durch? Testen Sie Ihre Euro-Retter-Qualitäten im SPIEGEL-ONLINE-Quiz.
Milliardenstütze für den Euro
Die EU hat sich auf ein beispielloses Rettungspaket geeinigt: Ein bis zu 750 Milliarden Euro schwerer Fonds für Euro-Wackelkandidaten soll Spekulanten abschrecken und die Währung schützen - die Konditionen im Überblick.
Milliarden-Auffangnetz

Für die klammen Euroländer stellt die Gemeinschaft bei Bedarf bis zu 750 Milliarden Euro Soforthilfe zur Verfügung.

Die ersten 60 Milliarden Euro kommen direkt von der EU-Kommission.

Sollte dieses Geld nicht ausreichen, kommen dazu die 440 Milliarden Euro schweren Hilfen einer Finanz-Zweckgesellschaft (siehe unten).

Zusätzlich steuert der Internationale Währungsfonds (IWF)mindestens 250 Milliarden Euro bei.

Finanz-Zweckgesellschaft
Die Finanz-Zweckgesellschaft ist ein für die Euroländer völlig neues Instrument, das im Namen aller 16 Euroländer Geld leihen und an finanzschwache Staaten weiterleiten kann.
Die Euroländer selbst müssen das Geld dabei nicht auf den Tisch legen, sie treten vielmehr als Garanten für das zu leihende Geld auf.
Zinssatz
Wie im Fall von Griechenland wird es auch für das 750-Milliarden-Paket einen einheitlichen Zinssatz für alle bedürftigen Länder geben. Griechenland muss für seine Kredite fünf Prozent Zinsen (für drei Jahre) zahlen.
Konsolidierung
Schuldenländer verpflichten sich, künftig noch strenger auf die Sanierung der Staatshaushalte zu achten.
Finanzmarktregulierung

Die Euroländer wollen die Finanzmärkte stärker regulieren. Dazu zählen Derivate und Rating-Agenturen, die die Kreditwürdigkeit von Schuldnern - und damit auch Staaten - bewerten.

Darüber hinaus versprechen sich die Staaten auch von der Einführung eines "Stabilitätsbeitrags" der Banken und einer weltweiten Abgabe auf Finanztransaktionen eine stärkere Beteiligung des Finanzsektors an den Kosten der Finanz- und Schuldenkrise.