Von Stefan Schultz, Alexander Trempler (Grafik) und Roman Höfner (Video)
Hamburg - Ausgerechnet der bedächtige Horst Köhler war es, der klar Stellung bezog: Der Bundespräsident bezeichnete den internationalen Finanzmarkt vor zwei Jahren als "Monster, das in die Schranken gewiesen werden muss".
Monströs sind aber nicht nur die Märkte, sondern auch die Begriffe, die Politiker und Wirtschaftsexperten benutzen, wenn sie vermeintlich Schlaues zur Krise sagen: Zum Standard-Wortschatz gehören mittlerweile Wortungetüme wie Finanzmarkttransaktionssteuer, Finanzaktivitätssteuer und Finanzstabilitätsabgabe.
Sie fragen sich, was sich hinter solchen Phrasen verbirgt? SPIEGEL ONLINE erklärt es Ihnen in einer dreiteiligen Serie mit Comics und Videos.
Fangen wir mit den beiden F-Wörtern an, die zurzeit für Furore sorgen: Finanztransaktionssteuer und Finanzaktivitätssteuer. Was das ist?
Schauen Sie einfach den kleinen Animationsfilm, denn wissen Sie es:
Wie Sie sehen, ist es im Grunde ganz einfach. Zockerei soll begrenzt, Spekulanten sollen an den Kosten der Krise beteiligt werden. Doch taugt die Finanzsteuer wirklich, um die Märkte zu regulieren? Oder sehen sie die hochverschuldeten Staaten eher als neue Einnahmequelle?
Wie im Animationsfilm erläutert, würde das schnelle Hin- und Herschieben von Wertpapieren weniger rentabel, wenn Spekulanten bei jedem Kauf oder Verkauf eine Steuer zahlen müssten. Eine Finanztransaktionssteuer würde also durchaus etwas nützen, allerdings eher gegen Spekulationsstrategien, die in der ersten Etappe der Finanzkrise eine Rolle gespielt haben. Der überbordende Handel mit Kreditversicherungen hat immerhin zum Crash der US-Investmentbank Lehman Brothers mit beigetragen.
Griechenland hingegen wurde dadurch nicht an den Rand der Pleite getrieben: Der Handel mit Kreditversicherungen auf Athener Anleihen hat zwar in den vergangenen Monaten zugenommen - das Volumen reichte aber bei weitem nicht aus, um einen Staat in die Knie zu zwingen. Griechenland ist vor allem wegen seiner realen Konjunktur- und Schuldenprobleme im Visier der Finanzmärkte - gegen solche Probleme hilft keine Finanzsteuer.
Man träfe Euro-Spekulanten also stärker, wenn man sie dazu verdonnern würde, eine Abgabe auf Gewinne zu zahlen. Allerdings wäre das eine rein fiskalische Maßnahme. Den Verfall des Euro könnte sie nicht bremsen. Der Kurssturz nämlich kommt dadurch zustande, dass viele Anleger, darunter auch Zentralbanken, ihre Euro-Reserven abbauen.
Es stellt sich daher die Frage, ob eine - wie auch immer geartete - Finanzsteuer den Richtigen treffen würde. Schließlich könnten Banken und Fondsmanager die höheren Kosten einfach an ihre Kunden weitergeben.
Nach dem aktuellen Stand der Diskussion scheinen die Finanzsteuern mehr Nachteile als Vorteile zu haben:
Doch auch wenn das erst mal verlockend klingt: Es scheint kaum realistisch, dass eine solche Steuer EU- oder gar weltweit umgesetzt wird. Die deutsche Regierung hat in der vergangenen Woche zwar angekündigt, sich für ein solches Projekt starkzumachen, sie ließ aber offen, ob sie eine Transaktionssteuer oder eine Aktivitätssteuer bevorzugt. Andere europäische Staaten zeigen sich zumindest grundsätzlich bereit, eine Finanzaktivitätssteuer einzuführen.
Doch noch sind nicht alle Länder im Boot, und gerade Staaten mit großen Finanzplätzen - wie die USA und Großbritannien - werden sich genau überlegen, ob die zusätzlichen Einnahmen die Schwächung des eigenen Standorts aufwiegen.
Fakt ist: Einen nationalen Alleingang wird niemand riskieren. Angenommen, in Deutschland würde man eine Finanzsteuer einführen und in England nicht: Dann müsste die Bundesregierung plötzlich um die Wettbewerbsfähigkeit ihrer Banken fürchten. Daran hat keine Regierung der Welt ein echtes Interesse.
Haben Sie etwas dazugelernt? Dann lesen Sie in den kommenden Tagen weiter. Im zweiten Teil der Serie geht es um die Frage, wie sich Finanzcrashs künftig verhindern lassen. Im dritten Teil wird erklärt, wie Super-Spekulanten das Handwerk gelegt werden soll .
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