Zoff ums Erbe Westdeutsche streiten häufiger als Ostdeutsche

Deutschland ist ein Erbenland: Rund ein Drittel der Bürger hat bereits geerbt, weitere 23 Prozent rechnen in den kommenden Jahren mit Geld, Möbeln oder Immobilien. Häufig streiten die Hinterbliebenen - im Westen mehr als im Osten.


Berlin - Wo Geld liegt, ist Ärger nicht fern: Bei jeder sechsten Erbschaft in Deutschland kommt es zu Streitigkeiten. Dabei gibt es allerdings regionale Unterschiede: Während sich in Ostdeutschland nur zwölf Prozent der Hinterbliebenen ums Erbe zanken, streiten sich im Westen 19 Prozent, ergab eine Studie der Postbank.

Ein Grund könnte sein, dass der Umfang der Erbschaften in Westdeutschland deutlich größer ist. So beträgt der Wert eines Erbes im Osten in den meisten Fällen (61 Prozent) weniger als 25.000 Euro. Im Westen sind es 45 Prozent aller Fälle. Dagegen haben hier 19 Prozent aller Erbschaften einen Wert von mehr als 100.000 Euro. Im Osten ist dies nur bei knapp drei Prozent der Fall - also sechs Mal seltener.

Insgesamt ist in einem Drittel der Fälle die Erbschaft geringer als 10.000 Euro ausgefallen. 25 Prozent aller Erbschaften lagen zwischen 10.000 Euro und 50.000 Euro. Ein weiteres Viertel der Erbschaften war noch höher. Und auch das gibt es: In einem Prozent der Fälle haben die Hinterblieben Schulden geerbt.

Insgesamt hat jeder dritte Deutsche ab 16 Jahren schon mindestens einmal geerbt. Weitere 23 Prozent gehen zudem von einer künftigen Erbschaft aus, die größtenteils schon in den kommenden zehn bis 20 Jahren erwartet wird. Am häufigsten wurde dabei Geld vererbt (75 Prozent). Darauf folgen Immobilien (38 Prozent) oder Möbel (34 Prozent). Die meisten Erben erhielten bisher einen Nachlass ihrer Eltern (74 Prozent). Deutlich seltener stammte die Hinterlassenschaft von Groß- oder Urgroßeltern (22 Prozent), Onkeln oder Tanten (14 Prozent), Schwiegereltern (14 Prozent) oder Ehe- und Lebenspartnern (neun Prozent).

Viele Deutsche kennen sich mit Erbschaftsrecht kaum aus

Fast alle Auseinandersetzungen (73 Prozent) rührten laut Postbank-Studie daher, dass sich Hinterbliebene "benachteiligt fühlten". Ein fehlendes Testament war nur in 47 Prozent der Fälle die Ursache für den Zwist. Häufiger zankten sich die Hinterbliebenen ums Erbe, weil sie auch schon vorher zerstritten waren (57 Prozent) oder weil sie eine Erbengemeinschaft eingehen mussten (52 Prozent). In 16 Prozent der Fälle komme es zu Auseinandersetzungen, weil die Hinterlassenschaft kleiner ausfalle als zuvor erwartet.

Künftig könnte es sogar noch häufiger Streit unter den Hinterbliebenen geben: 26 Prozent derer, die für die Zukunft ein Erbe erwarten, rechnen den Angaben zufolge damit, dass es beim Erhalt der Erbschaft Auseinandersetzungen geben wird. Unterschiede gibt es auch zwischen Männern und Frauen. So erben Frauen mit einem Anteil von 35 Prozent häufiger als Männer, wo der Wert bei 29 Prozent liegt. Zudem sind Frauen auch öfter Alleinerben als Männer, was mit ihrer höheren Lebenserwartung zusammenhängt.

Zudem gibt es laut Postbank Anhaltspunkte, wonach künftige Erbschaften umfangreicher ausfallen könnten. So gehen 58 Prozent der künftigen Erben davon aus, ein Eigenheim zu bekommen. Damit würden mehr als doppelt so viele Häuser und Wohnungen vererbt als bisher. Insgesamt rechnet rund jeder fünfte Deutsche laut Postbank damit, einmal eine Erbschaft zu erhalten.

In offenkundigem Missverhältnis zur zunehmenden Bedeutung von Erbschaften in Deutschland steht das Wissen der Bevölkerung hierzu. Ein Drittel der Deutschen kennt sich mit keinem der Begriffe "gesetzliche Erbfolge", "Testament" oder "Pflichtteil" aus. "Das Wissen in der Bevölkerung zu wichtigen Begriffen rund um Erbschaften ist nur gering im Verhältnis zur offenkundig breiten und wachsenden Bedeutung des Themas", sagte Postbank-Vorstand Michael Meyer.

Mehrheitlich einig sind sich die Deutschen in einem Punkt: 55 Prozent finden Steuern auf Erbschaften "grundsätzlich nicht richtig".

lgr/dpa/AFP



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insgesamt 4 Beiträge
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Seite 1
debreczen 04.05.2011
1. ...
Zitat von sysopDeutschland ist ein Erbenland: Rund ein Drittel der Bürger hat bereits geerbt, weitere 23 Prozent rechnen in den kommenden Jahren mit Geld, Möbeln oder Immobilien. Häufig streiten die Hinterbliebenen - im Westen mehr als im Osten. http://www.spiegel.de/wirtschaft/service/0,1518,760576,00.html
Wo es weniger zu erben gibt, gibt es auch weniger zu streiten.
Alf.Edel 04.05.2011
2. Text nicht gelesen?
Zitat von debreczenWo es weniger zu erben gibt, gibt es auch weniger zu streiten.
Steht doch alles im Artikel! Erst lesen, dann denken, dann schreiben, nicht umgekehrt...
eikfier 04.05.2011
3. ..gefällt mir
Zitat von debreczenWo es weniger zu erben gibt, gibt es auch weniger zu streiten.
...da haben Sie recht, diese Relativität des Verhaltens haben Sie aber überall: bei armen Schluckern ist die Solidarität und Bereitschaft zu teilen um Längen besser als bei Betuchten, wie jeder Taxikutscher vom Trinkgelderhalten her weiß. Auch im Politischen ist das Verhalten entsprechend, man wählt doch im Osten ungerner die streitbar-rechthaberischen und flitzpiepigen Grünen und streitet sich mit denen doch nicht so ernsthaft und hartnäckig rum wie im Westen - man beachtet sie einfach weniger, gefällt mir! P.S.: ginge es nach mir, würde ich als sonst überzeugter Kapitalist die Erbschaftsmöglichkeit sowieso abschaffen und, wenn das nicht geht, aber dann auch die Erbaschaftssteuer abschaffen, weil dieser Besitz doch schon längst mal irgendwie versteuert wurde, denke ich.
Kassian 04.05.2011
4. .
Ich finde es schade das Geschwister so benachteiligt sind, man wird quasi gezwungen seine Eltern als potentielle Erben einzutragen um Steuern zu sparen. Schon allein das man auf bereits versteuertes Vermögen (sei es nun Geld oder Eigentum) eine weitere Steuer verlangt ist schäbig.
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