Jahresbilanz Was dem Zoll ins Netz ging

Zehn Mal so viel Ecstasy wie im Vorjahr, tonnenweise Elfenbein und genug Pyrotechnik, um ein Haus in die Luft zu jagen: Der deutsche Zoll hat auch 2016 spektakuläre Funde gemacht. Künftig sollen die Beamten auch Geldwäscher jagen.

Vom Zoll beschlagnahmte Ecstasy-Pillen
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Vom Zoll beschlagnahmte Ecstasy-Pillen


Es ist eine Bilanz der besonderen Art, wenn der deutsche Zoll auf das Jahr zurückblickt. Am Dienstag stellten die Beamten in Köln wieder Details zu rund 17.000 Delikten vor, die sie 2016 bearbeiteten. Mit dabei war Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU). Seinem Haus untersteht der Zoll, der sich künftig auch der Jagd auf Geldwäscher widmen soll.

Drogen und Tabak

Knapp zwei Millionen Tabletten Ecstasy stellte der Zoll im vergangenen Jahr sicher - die zehnfache Menge des Vorjahres. Gefährlich ist dabei nach Angaben des Zolls, dass der Wirkstoffgehalt der Pillen zunimmt. Im vergangenen Jahr zogen Kontrolleure allein im Juli und August mehr als 1,3 Millionen Pillen aus dem Verkehr, etwa versteckt in einer Lieferung von Eisenrohren. Nach Erkenntnissen der Ermittler kamen die Drogen aus den Niederlanden und sollten in Richtung Türkei weitergeleitet werden.

Wolfgang Schäuble (M.) mit sichergestellten Ecstasy-Pillen
DPA

Wolfgang Schäuble (M.) mit sichergestellten Ecstasy-Pillen

Zudem beschlagnahmten die Beamten gut neun Tonnen anderer Rauschgifte, vor allem Marihuana, Kokain und Amphetamine. "Wir haben deutliche Steigerungszahlen bei den synthetischen Drogen", sagte der Chef des Zollkriminalamts, Norbert Drude.

Zudem vernichtete der Zoll Zehntausende Flaschen Wodka, bei denen der zulässige Methanol-Wert um das 300-fache überschritten war. Außerdem wurden 120 Millionen geschmuggelte Zigaretten abgefangen.

Waffen und Pyrotechnik

In die Asservatenkammern des Zolls wanderten 8193 Waffen. Als besorgniserregend bezeichnete der Zoll außerdem den Handel mit Pyrotechnik. So führen die Fahnder derzeit fast 1400 Ermittlungsverfahren gegen Kunden eines einzigen Internetshops.

Im Keller eines Mehrfamilienhauses in Berlin stießen Fahnder auf rund eine Tonne nicht zugelassener Pyrotechnik mit einer "Netto-Explosiv-Masse" von rund 300 Kilogramm. "Wenn das hochgeht, ist das Haus weg", sagte Oliver Pampel-Jabrane vom Zollfahndungsamt Berlin.

Gefälschte Markenartikel

Gefälschte Waren im Wert von 180 Millionen Euro gingen dem Zoll 2016 ins Netz. Dabei zeigt die Ausbeute von insgesamt 3,6 Millionen Produktfälschungen einen deutlichen Trend hin zu teurer Markenware. Die Zahl der Beschlagnahmungen sank zwar insgesamt, der Marktwert aber stieg gegenüber dem Vorjahr um 50 Millionen Euro.

Exotische Tiere und Pflanzen

Von besonderer Bedeutung war der Schmuggel von Elfenbein. Bei zwei zusammenhängenden Fällen stellte der Zoll 1,2 Tonnen Elfenbein sicher. Insgesamt betrachtet geht der Trend im Bereich Artenschutz mit 915 Fällen gegenüber 1301 Fällen im Vorjahr aber zurück. Grund dafür war die 2015 außergewöhnlich hohe Zahl abgefangener Lifestyle-Produkte mit geschützten Pflanzenarten als Inhaltsstoff, die häufig mit der Post versandt werden.

Schäuble mit sichergestelltem Elfenbein
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Schäuble mit sichergestelltem Elfenbein

Bargeld

Der Zoll spürte nicht deklariertes Bargeld in Höhe von 8,2 Millionen Euro auf. Die Beamten leiteten deshalb 2600 Verfahren wegen Verstoßes gegen die Anmeldepflichten ein, bei denen Bußgelder in Höhe von fünf Millionen Euro festgesetzt wurden.

Künftig soll der Zoll auch Geldwäschern das Handwerk legen. Unter dem Dach der Behörde werde die bisher beim Bundeskriminalamt angesiedelte Spezialeinheit gegen Geldwäsche neu ausgerichtet und verstärkt, bestätigte Finanzminister Schäuble in Köln frühere Berichte. Die Zahl der Beamten steige von 25 auf 165.

"Wir bringen mehr Licht ins Dunkel illegaler Geldströme", versprach Schäuble. Geldwäschern werde es künftig schwerer gemacht, Vermögenswerte in den legalen Wirtschaftskreislauf einzuschleusen. Die Verdachtsmeldungen auf Geldwäsche stiegen, deshalb sei es konsequent, die Behörde auszubauen. Der Zoll sei auch international bestens vernetzt und könne die Zusammenarbeit mit anderen Ländern intensivieren. Starten soll die neue Zentralstelle für Finanztransaktions-Untersuchungen, auch bekannt als Financial Intelligence Unit, am 1. Juli.

dab/dpa/Reuters



insgesamt 5 Beiträge
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Landkaertchen 04.04.2017
1. Drogen ohne Einfuhrzoll
Wenn nicht die Kripo gegen Rauschgifteinfuhr vorgeht, sondern der Zoll, dann ist klar warum: Für die Pillen wurde kein Zoll bezahlt. Das schädigt also nicht die Menschen, sondern den Staat. Zoll und Polizei haben nämlich verschiedene Aufgaben und Ziele. Und Herr Schäuble ist auch nicht unter die Naturschützer gegangen. Wird das Elfenbein vernichtet oder für eine spätere Zeit eingelagert? Verkaufen darf der Staat das im Moment ja auch nur über "Dealer". Aber Lagerung kostet Geld. Allein schon wegen der Bewachung.
Forist2 04.04.2017
2. Geldwäscheparadies Deutschland !
Der Elektrik-Firma Inhaber kauft ein Haus von seinem Jugendfußballfreund im Ort, für 400000€, zahlt 200000€ über den Notar und 200000€ mit Schwarzgeld, dass er dem Jugendfreund so in die Hand drückt. Schon ist das Geld wieder sauber und Steuern wurden auch noch gespart. Das läuft schon Jahrzehntelang so in Deutschland und wird von der Politik geduldet. In anderen Ländern gibt es ständig aktualisierte, marktgerechte Tabellenwerte für Immobilien in jedem Bezirk, da muß über den Notar mindestens der Tabellenwert gezahlt und versteuert werden und das wären in diesem Fall 400000€ gewesen. Nur so kann das Geldwäscheparadies Deutschland ausgetrocknet werden, das ist aber nicht gewollt.......
noelle0812 04.04.2017
3. Schon mal...
den Begriff "grenzüberschreitender Warenverkehr" gehört? Diesen überwacht der Zoll. Es gibt Einfuhrverbote, und diese werden umgesetzt. Auf Drogen und Elfenbein gibt es keine Steuern. Sollen die hunderten Zollbeamten, die täglich an Flughäfen etc arbeiten, bei jedem Fund die Kripo rufen? Die haben doch anderes zu tun.
whoami007 04.04.2017
4.
hier wird super gezeigt was der Bruchteil von dem ist was nicht abgefangen wurde... dieser Artikel bestätigt nicht eine Besserung oder Verstärkung der kontrolle, vielmehr den Wachstum der Nachfrage nach Drogen, Waffen und anderen illegalen Substanzen/Tieren usw. eine dieser Sachen könnte man ganz einfach eindämmen. Sicherlich muss ich nicht die zahlreichen Vorteile und die kaum vorhandenen Nachteile einer Drogen- entkriminalisierung/ legaliesierung und Vertriebsregulierung aufzählen... doch gott sei dank beschützt Marlene Mortler (CDU/CSU) vor Steuereinnahmen, Steuererspaarnissen, Jugendschuzt, und all den anderen bösen gefährlichen Dingen. DANKE... (mal neben bei: auch der Schwarzmarkt - "die Mafia" wird eingedämmt wodurch auch die Anfrage nach Waffen ebenfalls sinkt-> der Zoll hat mehr Zeit nach wirklich gefährlichen Sachen wie Sprengstoff und Waffen zu suchen...)
rgryf 05.04.2017
5. Besorgniserregend finde ich neben den massive Anstieg an leicht zugänglichen Drogen die Pyrotechnik
Irgendwie muss ich da immer an rechte Umtriebe denken. Und natürlich denke ich an den neuen grassierenden Partyvolkssport Feuerwerk im achso armem und schwer gegängeltem Deutschland. Fast jeder Wochenend-Sommerabend ab Mai im eigenen Garten wird spätestens am 9pm durch Geballer gestört. Opium fürs Volk. Die reale illegalen Mengen dürfte klar höher liegen.
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