Tierische Zusatzstoffe Wo überall Schwein drinsteckt

Ein Mastschwein in Deutschland wiegt bei der Schlachtung durchschnittlich 95 Kilogramm. Nur die Hälfte landet als Fleisch auf dem Teller, der Rest steckt in Tütensuppen, Zahnpasta oder Brot. Für den Verbraucher ist das nicht immer erkennbar.

Von "enorm"-Autorin Sara Lisa Schäubli

Die eine Tierhälfte wird zu Schnitzeln, die andere zu Pudding, Seife oder Fotofilm
DPA

Die eine Tierhälfte wird zu Schnitzeln, die andere zu Pudding, Seife oder Fotofilm


Speck

In der Tütensuppe eines bekannten Herstellers befindet sich geräuchertes Speckfett - nicht ganz die klassisch vegetarische Rezeptur. Die Zutat steht in der Inhaltsangabe erst an sechster Stelle.

Blut

Mit Schweineblut kleben Produzenten Schlachtreste von Rindern zusammen. Anschließend pressen sie diese Masse in eine längliche Form, schneiden sie und verkaufen die Stücke als Steak. Zu finden in der Tiefkühltheke.

Eingeweide, Knochen

In allen Fetten steckt Glycerin, auch im Schweinefett. Werden Fettsäuren verarbeitet, bleibt Glycerin oft übrig. Da es wasserbindend ist, verwendet man es als Feuchthaltemittel in Hygieneartikeln wie Zahnpasta. Auch als Schmierstoff und Weichmacher wird es dort eingesetzt.

Gewebe, Haut, Knochen

Analoge Fotofilme bestehen aus bis zu 15 Schichten Gelatine. Gelatine bindet die chemischen Stoffe und erhält die Lichtempfindlichkeit des Films.

Knochen

Aus dem Knochenmark des Schweins wird Fettsäure gewonnen. Sie gibt Bastelfarben die gewünschte Konsistenz und den Glanz.

Gewebe, Haut, Knochen

Durch Auskochen oder Behandeln mit Säuren und Basen wird unter anderem aus dem Bindegewebe Gelatine gewonnen. Sie verdickt und stabilisiert den Pudding. In Deutschland nutzt man dafür fast ausschließlich die Reste von Schweinen.

Eingeweide, Gewebe, Knochen

Eine gute Seife braucht eine gewisse Härte und Konsistenz, soll schäumen, aber nicht zu sehr. Dafür sorgen unter anderem Stearinsäure, eine Fettsubstanz zum Beispiel aus dem Magen des Schweins, das wachsartige Lecithin aus dem Nervengewebe und das Fett aus dem Knochenmark.

Knochen

Durch das Auskochen der Knochen wird Knochenleim gewonnen. Da dieser sogenannte Glutinleim ausschließlich aus Knochen, ohne Knorpel, besteht, klebt er besser. Er hält den Sand und das Papier beim Schleifpapier zusammen.

Gewebe, Knochen

Das Pigment Karotin kommt im tierischen Gewebe vor und wird zur Herstellung von Vitamin A verwendet. Knochenmehl aus zerstoßenen Knochen hingegen dient in Nahrungsmittelergänzungen als Kalziumquelle.

Borsten

Die Borsten des Schweins enthalten die Aminosäure Cystein. Manche Bäcker fügen sie dem Mehl bei, damit es den Brotteig auflockert. Cystein macht Teig elastischer und besser knetbar.

Welche Alternativen gibt es?

Fast alle Inhaltsstoffe, die vom Schwein stammen, können durch pflanzliche Zutaten ersetzt werden. Bestimmte Meeresalgen etwa haben die Eigenschaften von Gelatine. Eine Alternative zu tierischen Fetten sind pflanzliche. Und auch bei Leim, Farben oder Kosmetika geht es ohne tierische Ingredienzien. In nur wenigen Fällen musste man zu synthetischen Stoffen greifen.

Jedoch: Ob nicht doch Spuren von Schwein in einem Produkt enthalten sind, ist meist nicht erkennbar. Um sicherzugehen, bleibt dem Verbraucher nur, als "vegan" gekennzeichnete Produkte zu kaufen. Eine andere gute Orientierung: Ist ein Produkt "halal" - arabisch für "erlaubt" -, steckt bestimmt auch kein Schwein drin.

Gefunden in
Quellen: PETA Deutschland e.V., Bundesverband der Verbraucherzentralen und Verbraucherverbände e.V., GME - Gelatine Manufacturers of Europe, MAGGI GmbH, Christien Meindertsma (TEDGlobal 2010), foodwatch, Bayerisches Fernsehen (Versteckte Zutaten: Ordentlich Schwein gehabt!, Patrick Lerch), Statistisches Bundesamt, CHEMIE.DE Information Service GmbH, veganissimo eins

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insgesamt 34 Beiträge
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Seite 1
ner0_me 18.04.2015
1. Appell für mehr Verschwendung?
Für Menschen, die keine religiösen oder ethische Probleme mit Schweinefleisch haben sehe weder den Bedarf, noch den Nutzen die oben genannten Produkte durch pflanzliche Stoffe zu ersetzen. Diese pflanzlichen Produkte bräuchten auch wieder eine Anbaufläche und da Fleisch an sich eh schon vermehrt Ressourcen verbraucht wäre es doch eine Verschwendung die Hälfte des Tieres nicht zu verwerten.
Eduschu 18.04.2015
2. Übel
Gleich beim ersten Bild eurer Fotostrecke habe ich mich geärgert. Dass der vom Schwein stammende Inhalt erst an sechster Stelle steht, ist eine gesetzliche Regelung, nach der Inhaltsstoffe in der Reihenfolge ihres Anteils am Gesamtprodukt benannt werden müssen.
HalfPastNein 18.04.2015
3. Erfreulich!
Es ist erfreulich sowas beim Spiegel zu lesen, verbraucherschutz ist enorm wichtig. Als nicht Vegetarier möchte ich keine tierischen Produkte in Waren in denen das nicht klar erkennbar ist. Auch die Erwähnung von Halal Produkten hier hätte ich nicht erwartet, überrascht mich jedoch positiv. Aber als kleiner Zusatz: Was ist mit Kosher? Müsste dies nicht genauso sicher sein wie Halal oder Vegan?
peroxyacetylnitrat 18.04.2015
4.
Das ist doch eine gute Sache, wenn man möglichst alles vom Tier verwertet! Sonst würden diese Teile entsorgt werden, das ist die schlechtere Alternative. chemisch macht es außerdem keinen Unterschied, ob das carotin, cystein, fettsäuren oder was auch immer aus einer Möhre, Raps oder einem Schwein stammt. also ich weiß nicht, ob dieser kurze Artikel an mein veganes gewissen appellieren soll (erscheint mir vor dem Hintergrund des Zeitgeists und der Anmerkungen im Text wahrscheinlich) oder ob es vor Augen führen soll, was man so alles tolles aus "Resten", die sonst weggeworfen würden, machen kann. Ich hoffe, these zwei trifft zu...
Änni2608 18.04.2015
5. Titel völlig unpassend
Ja und wo steckt nun überall Schwein drin? Bei dem Titel des Artikels hatte ich wirklich mehr erwartet. Das Lesen hat sich hier mal so überhaupt gar nicht gelohnt.
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