Mieterschutz Zugluft in Passivhäusern rechtfertigt Mietminderung

Passivhäuser bieten eine hervorragende Ökobilanz. Dafür hält die Bauart ein paar Nachteile bereit - etwa beständige Zugluft. Bläst sie zu stark, kann das allerdings ein Anlass sein, die Miete zu mindern.

Siedlung mit Passivhäusern (Symbolbild)
imago/Westend61

Siedlung mit Passivhäusern (Symbolbild)


In Passivhäusern müssen Bewohner mit einem gewissen Maß an Zugluft leben. Denn das lässt sich bei einer Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung konstruktionsbedingt nicht gänzlich vermeiden. Zieht es allerdings zu sehr, kann das als Mangel gelten, entschied das Amtsgericht Frankfurt am Main.

Wurden die Mängel an der Lüftungsanlage durch eine nicht korrekte Regulierung der Anlage und ungeeignete Lufteinlässe verursacht, ist eine Mietminderung von zehn Prozent gerechtfertigt, heißt es in der Zeitschrift "Wohnungswirtschaft und Mietrecht" des Deutschen Mieterbundes.

In dem verhandelten Fall hatten die Mieter eine Wohnung in einem Passivhaus gemietet. Im Winter beklagten sie sich über starke Zugluft im Wohn-/Arbeits- und Schlafzimmer. Ein Aufenthalt sei in den Räumen in dieser Jahreszeit zeitweise unerträglich - trotz eingeschalteter Fußbodenheizung. Die Miete zahlten die Mieter daher nur unter Vorbehalt. Eine von den Vermietern beauftragte Firma stellte ebenfalls eine starke Luftzufuhr fest. Die Vermieter wollten das aber dennoch nicht als Mangel anerkennen. So landete der Fall vor Gericht (Az.: 33 C 1251/17(76)).

Das Amtsgericht sprach den Mietern eine Mietminderung von zehn Prozent zu. Zwar könne in Passivhäusern die vorgegebene Raumtemperatur in den jeweiligen Wohnungen nur in sehr geringem Maße verändert werden.

In dem vorliegenden Fall gehe diese Einschränkung aber über das erwartbare und hinzunehmende Maß hinaus. Das habe das Gutachten ergeben. Im Winter werde Kaltluft in die Räume geleitet. Insbesondere im Arbeitszimmer entspreche die Zugluft "bei weitem nicht den einschlägigen Behaglichkeitskriterien". Der Mangel zeige sich zwar besonders im Winter, liege aber ganzjährig vor. Daher sei die Minderung durchgängig anzusetzen.

mik/dpa



insgesamt 40 Beiträge
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der Guru 23.04.2018
1. weg mit der ENEV
nun ist es also richterlich festgestellt, dass der ganze Dämmwahn nur zu Problemen führt. Vielleicht sollte man das Bauen einfach wieder vereinfachen! Danke!
rkinfo 23.04.2018
2. Zugluft ruiniert den ganzen Passivhaus-Gedanken
Es ist auch bei 'guten' Passivhäusern erschreckend, wieviel Energie/Strom für die Belüftungstechnik aufgewendet wird. Dabei könnte man locker die CO2-Konzentration von 400 auf 1.000 ppm ansteigen lassen, bevor Lüftungsanlagen oder Fensterlüftung nötig wird. Besonders dreist die Situation, dass offensichtliche übertriebener Luftwechsel nicht mal zu Entzug des 'Passivhaus' - Status führt. Vor 20 Jahren dachte man übrigens noch an 'Sonnenhäuser', die auch im Winter möglichst viel Energie per Solarthermie einfangen, aber auf die Lüftungsanlagen verzichteten und die 'natürliche Lüftung' beliesen. Die Lobby der privaten PV-Anlagen hat aber die Solarthermie vom Dach gejagt und stattdessen absurde Lüftungsanlagen plus Dämmwut verursacht. Zumindest als erster Ansatz sollten die Lüftungsanlagen knapper ausgelegt werden und nur dann laufen, wenn tatsächlich CO2-Anreicherung im Gebäude zu erkennen sind. März bis Oktober reicht wahrscheinlich fast immer die eigene Lüftung per Fenster, wobei kaum Wärmeenergie des Gebäudes dabei verloren geht bzw. per Solarthermie leicht ersetzbar wäre.
Kurt-C. Hose 23.04.2018
3. Was für ein Irrsinn
Ein Bauherr gibt extra Geld aus, um ein Passivhaus zu bauen, der Mieter nimmt das gern in Kauf, beschäftigt dann aber Gerichte, weils angeblich zieht. Darüber, obs zieht oder nicht (wer ist wie empfindlich?) streiten sich dann jahrelang Gutachter und Gerichte..währenddeseen zahlt der Vermieter brav die Raten der Bank. Willkommen in Deutschland.
cleaver88 23.04.2018
4.
@Guru Lange nicht mehr so einen Quatsch gelesen. Ohne die näheren Details zu kennen, kann hier nichts weiter festgehalten werden, außer das aus irgendeinem Grund Zugluft entstanden ist. Das dies nichts mit der Dämmung zu tun hat, brauch ich nicht erst zu erwähnen. Je nach Sachlage würde ich hier auf einen konstruktiven oder planungstechnischen Fehler der Lüftungsanlage tippen. In einem ordentlichen konzipierten Passivhaus darf es keine Zugluft geben, ja es gibt eine Überströmung zwischen den Räumen, aber das dadurch gleich Zugluft entsteht ist falsch. Achso bitte auch nicht EnEV und Passivhaus in einen Topf werfen danke.
Mr Bounz 23.04.2018
5. Komische Sache
Eine Lüftungsdanlage mit Wärmerückgewinnung hat eigentlich die Funktion bereits (durch den Wärmetauscher) erwärmte Aussenluft in die Räuzme einzublasen. KEIEN kalte Aussenluft! Wir können in unserem Haus für Schlafräume zusätzlich regeln das Anteilig kalte Aussenluft (NICHT über den Wärmetauscher) eingeblasen wird. Die gebläse laufen, wenn nicht gerade auf Schnelllüftung gestellt, immer absolut Zugluftfrei. Da ist selbst mit nasser Haut nach dem Duschen nichts zu spüren. Da läuft nach meiner Ansicht einiges Schief in diesem Haus! An der grundsätzlichen Technik kann es nicht liegen die Arbeitet Super!!
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