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Sexismus-Vorwurf: Werberat rügt frivole Frischfleisch-Werbung

Eine nackte Frau, die für Frischfleisch wirbt - dieses Motiv brachte dem Großhändler G&M eine Rüge wegen Sexismus ein. Die Firma distanziert sich von dem Vorwurf: Zwischen dem Produkt und der Entblößten gebe es keinen Zusammenhang.

Berlin - Eine nackte Frau im Profil, verführerisch blicken ihre eisblauen Augen unter dem modischen blonden Scheitel hervor. Neben ihr im Bild stehen einige Minivans, auf deren Außenwände das Motiv der nackten Schönen gedruckt ist. Daneben der Slogan: "Schönheit kommt von innen - G&M Fleischwaren Frischdienst."

Für seine frivole Frischfleisch-Werbung hat der im süddeutschen Bönningheim ansässige Großhändler G&M eine Rüge vom Deutschen Werberat (ZAW) erhalten. Begründung: Das Motiv sei menschenunwürdig und frauenfeindlich. Und es gebe eine "nahe gelegte Gleichstellung einer Frau mit Frischfleisch".

Ursprünglich sei die Werbung sogar noch eine Spur sexistischer gewesen, teilte der ZAW mit. Den Stempelaufdruck "Kontrollierte Qualität G&M" auf dem Frauenkörper habe die Firma allerdings auf Aufforderung des Werberats noch entfernt. Sie sei aber nicht bereit gewesen, ganz auf das Nacktfoto zu verzichten.

Die Firma G&M weist die Vorwürfe zurück. "Wir distanzieren uns von der Rüge", sagte eine G&M-Sprecherin SPIEGEL ONLINE. "Wir haben die Werbung nie als sexistisch angesehen und zu keinem Zeitpunkt an einen Zusammenhang zwischen der Frau und dem Begriff Frischfleisch gedacht."

G&M ist bei weitem nicht das einzige Unternehmen, das dem ZAW durch ethisch bedenkliche Werbung unangenehm aufgefallen ist. Insgesamt prüfte der Werberat im ersten Halbjahr 118 von Bürgern beanstandete Werbekampagnen. Lediglich 30 davon kritisierte der Werberat. Die meisten der betroffenen Firmen zogen ihre Anzeigen daraufhin zurück - nur wenige Unternehmen warben unverdrossen weiter und bekamen deshalb eine öffentliche Rüge.

Neben G&M rügte der Werberat etwa die Griesheimer Firma Ahnenforschung Ltd., die Adolf Hitler auf ihrer Web-Seite als Blickfang benutzte (siehe Bildergalerie). Dies sei "besonders zynisch und trifft insbesondere Menschen, die unter dem Rassenwahn des Nazi-Regimes zu leiden hatten".

Die meisten an den Werberat gerichtete Beschwerden, nämlich 41 Prozent, betreffen frauenfeindliche Anzeigen, wie der ZAW erklärte. Danach folgen die Gründe Gewaltverherrlichung, Verstoß gegen moralische Mindestanforderungen und die Nachahmungsgefahr gefährlichen Verhaltens. Verletzte religiöse Gefühle oder Männerdiskriminierung sind eher selten Anlass für Beschwerden.

ssu/AFP

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Gerügte Werbemotive: Frischfleisch und Hitlers Verwandte


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