Washington - Es ist eine wichtige Einigung - sie dürfte das anstehende Insolvenzverfahren des Autoriesen General Motors (GM) deutlich erleichtern: Die Gläubiger der angeschlagenen Opel-Mutter General Motors haben den Weg für ein beschleunigtes Insolvenzverfahren frei gemacht.

GM-Zentrale in Detroit: Blitz-Insolvenz am Montag erwartet
Das nachgebesserte Angebot sieht einen Zehn-Prozent-Anteil an einem umgebauten GM-Konzern vor, mit der Option, diesen später auf 25 Prozent aufzustocken. GM hatte dieses Zugeständnis gemacht, nachdem die Gläubiger das erste Gegenangebot auf Schuldenverzicht in der vergangenen Woche spektakulär abgeschmettert hatten.
Nach dem neuen Angebot bekommen die Gläubiger rund neun Cent je verliehenem Dollar zurück, während sie nach dem vorherigen schätzungsweise lediglich null bis fünf Cent bekommen hätten. Insgesamt schuldet der Autobauer Zehntausenden Gläubigern 27 Milliarden Dollar.
GM vor Blitz-Insolvenz
Nach der Rettung der deutschen Tochter Opel strebt der US-Mutterkonzern General Motors ein zügiges Insolvenzverfahren an. Es gilt als sicher, dass GM dieses am Montag einleitet. Der ehemals weltgrößte Autokonzern wird danach mehrheitlich dem US-Staat gehören. Die US-Regierung geht davon aus, zunächst eine Mehrheit von bis zu gut 72 Prozent an dem Konzern zu halten. GM soll sich in den kommenden Wochen gesundschrumpfen - der Konzern wird nach einer Umstrukturierung auf zukunftsträchtige Teile wie die Marken Chevrolet, Cadillac und Buick reduziert sein. Außer Opel stößt GM auch die defizitäre schwedische Tochter Saab ab.
Präsident Barack Obama bereitete die US-Öffentlichkeit am Samstag auf eine der größten Pleiten in der Geschichte der Volkswirtschaft vor: "Ich hätte es vorgezogen, mich ganz herauszuhalten", sagte er in einem Interview des TV-Senders NBC News. "Aber dann hätten wir eine Abwicklung erlebt, einen Konkurs, in dem ein riesiges Gebilde mit enormer Bedeutung für unsere Wirtschaft in seine Einzelteile zerbrochen worden wäre." Die Regierung rechnet damit, dass GM nach Finanzspritzen von fast 20 Milliarden Dollar weitere 40 Milliarden Dollar benötigt.
Obama hat dem Traditionsunternehmen Ende März Zeit bis zum 1. Juni gegeben, einen Überlebensplan vorzulegen. Zugleich zwang die Regierung den langjährigen Konzernchef Rick Wagoner zum Rücktritt. Das Unternehmen mit weltweit fast 250.000 Mitarbeitern hängt am staatlichen Tropf, nachdem es durch eine verfehlte Modellpolitik ins Schlingern und in der Rezession vollends an den Rand des Abgrunds geraten war.
Seit 2005 hat GM 88 Milliarden Dollar Verlust gemacht, seit einem Jahr beläuft sich der tägliche Verlustbetrag des Konzerns auf 68 Millionen Dollar. Im jüngsten Quartal belief sich diese Summe sogar auf 111 Millionen Dollar pro Tag.
Henderson will sich Montag äußern
GM-Chef Fritz Henderson kündigte für Montagmittag eine Pressekonferenz an. Es wurde erwartet, dass er dabei den Antrag auf Gläubigerschutz nach Chapter Eleven des US-Insolvenzrechts bekanntgibt. In enger Absprache mit der sogenannten Auto-Taskforce der Regierung will GM dem Vorbild des ebenfalls insolventen Konkurrenten Chrysler folgen und sich aufspalten.
Ein Verfahren unter Absatz 363 sieht vor, dass die gesunden Teile des Unternehmens an neue Eigentümer übertragen werden können - im Falle GMs wäre dies der Staat im Verbund mit Gewerkschaften und der "alten GM", die einen Anteil von zehn Prozent behalten dürfte.
Im Falle Chryslers ist es mit dem italienischen Autobauer Fiat ein privater Investor, der mit zunächst 20 Prozent einsteigt. Fiat wollte mit Chrysler und Opel sowie den europäischen und lateinamerikanischen GM-Teilen einen neuen Branchenriesen schmieden, blitzte aber bei General Motors ab.
Über die Beteiligung von Fiat an Chrysler verhandelt derzeit ein New Yorker Konkursgericht. Die Abweisung aller Einsprüche dagegen wird am Montag erwartet. Damit wäre dieses Insolvenzverfahren nach bereits knapp einem Monat auf der Zielgeraden.
Das Tempo bei Chrysler belege, dass ein großer Autokonzern geordnet restrukturiert werden könne, erklärte das US-Präsidialamt. Dies sei ein Modell für GM. Die Einigung mit den Anleihegläubigern gilt dafür als der letzte große Baustein beim Chrysler-Konkurrenten - nach der Opel-Lösung und den Zusagen der mächtigen Autogewerkschaft UAW vom Freitag.
Die UAW hatte Einschnitten bei GM zugestimmt. Die Mitglieder erteilten der Vereinbarung der Gewerkschaftsführung mit GM mehrheitlich die Zustimmung. Der Sanierungsplan soll Kostensenkungen und eine Verringerung der Schuldenlast bei GM möglich machen. Nach der Vereinbarung würde die UAW künftig nur 17,5 Prozent an einem umstrukturierten GM-Konzern halten. Zunächst war ein Anteil von 39 Prozent vorgesehen. Die UAW verzichtet weitgehend auf rund 20 Milliarden Dollar, die GM dem von UAW verwalteten Gesundheitsfonds für Rentner schuldet. Zudem sieht die Vereinbarung vor, dass GM-Mitarbeiter bis 2015 nicht streiken.
Drittgrößter Konkurs in der US-Geschichte
Eine Insolvenz von GM wäre der drittgrößte Konkurs in der US-Geschichte und der komplizierteste Bankrott eines Industrieunternehmens überhaupt. GM unterhält in fast 30 Ländern mehr als 140 Standorte und hat 2008 mehr als acht Millionen Fahrzeuge verkauft. Der Konzern kauft jährlich für 94 Milliarden Dollar bei Zulieferern ein, die ohne GM vor einer düsteren Zukunft stehen.
Experten blicken dem historischen Ereignis dennoch gelassen entgegen. Der lange erwartete Sturz eines ausgezehrten Riesen verbreite keinen Schrecken, sagen sie. Die Folgen für die weltweite Automobilindustrie werde sich in Grenzen halten. "GM ist schon so schwach, dass das angesichts der schwachen Märkte keine großen Auswirkungen haben wird", sagte Wolfgang Meinig, Leiter der Forschungsstelle Automobilwirtschaft in Bamberg.
Profitieren werden demnach am ehesten die asiatischen Wettbewerber. Toyota, Nissan und Co. konkurrieren mit ihren Kleinwagen und Mittelklasse-Modellen eher mit den amerikanischen Massenherstellern als die deutschen Hersteller von Premiumautos, Daimler, BMW und Audi. Volkswagen könne sich dagegen wegen seiner breiten Modellpalette eher Hoffnungen auf höhere Marktanteile in den USA machen.
ssu/AFP/dpa/Reuters
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