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Siemens-Affäre: Erster Beschuldigter vor Gericht

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Er gilt als Kronzeuge der Siemens-Affäre, soll über Jahre die schwarzen Kassen gemanagt haben: Als erster Beschuldigter steht voraussichtlich ab 26. Mai der frühere Siemens-Direktor Reinhard S. vor Gericht. Brisant: Auch Ex-Konzernchef Chef von Pierer soll aller Voraussicht nach vernommen werden.

Hamburg - Ab dem 26. Mai wird es spannend in der 5. Wirtschaftsstrafkammer des Münchner Landgerichts: Dann beginnt die Verhandlung gegen den ehemaligen Siemens-Direktor Reinhard S.. Für den Prozess, in dem rund 20 Zeugen vernommen werden sollen und zu dem auch der frühere Siemens-Chef Heinrich von Pierer vorgeladen werden soll, sind vier Wochen anberaumt. Offiziell will die Münchner Staatsanwaltschaft diesen Termin jedoch noch nicht bestätigen.

Siemens-Zentrale in München: S. ist voll geständig
DPA

Siemens-Zentrale in München: S. ist voll geständig

Die Ankläger werfen S. Untreue vor. Er soll über Jahre hinweg die schwarzen Kassen der Siemens Festnetzsparte (ICN) gemanagt haben. Dabei sollen ab 2002 mindestens 200 Millionen Euro an Entscheidungsträger unter anderem in Russland, Nigeria oder Libyen geflossen sein. S., der bereits von seinem Vorgänger ein Schwarzgeld-System in Österreich geerbt hatte, entwickelte nach 2001 ein komplexes Firmengeflecht, über das Siemens-Gelder ins Ausland geschleust werden konnten - ohne dass Siemens als ursprünglicher Absender der Zahlungen auftauchte.

Der heute 58-Jährige, der voll geständig ist, gilt als Kronzeuge in der Siemens-Affäre. In seinen rund 40 Vernehmungen lieferte er den Fahndern einen tiefen Einblick in die offenbar schon Jahrzehnte alte Schmiergeldpraxis des Konzerns. Die Eröffnung der Hauptverhandlung hatte sich zuletzt verzögert, nachdem der zuständige Richter unter anderem die Nachvernehmung des ehemaligen Siemens Compliance-Chefs angeordnet hatte.

Dessen Aussage soll allerdings keine neuen Erkenntnisse geliefert haben, insbesondere auch nicht über mögliche Kenntnisse des früheren Siemens-Vorstandsvorsitzenden und Aufsichtsratschefs von Pierer bezüglich schwarzer Kassen in seinem Haus. Insider gehen davon aus, dass S. im weiteren Ermittlungsverfahren für die Staatsanwaltschaft eine wichtige Rolle spielen könnte und in künftigen Prozessen als Zeuge aussagen soll. In dem Verfahren, in dem zwischenzeitlich bis zu 40 Personen als Beschuldigte geführt wurden, wird spätestens im kommenden Herbst mit weiteren Anklagen gerechnet.

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