Siemens-Affäre Staatsanwaltschaft führt Ex-Finanzchef Neubürger als Beschuldigten

Der Vorstand von Siemens hat von den schwarzen Kassen im eigenen Haus mehr gewusst als bisher bekannt wurde. Nach SPIEGEL-Informationen ist Ex-Finanzvorstand Neubürger ins Visier der Ermittler geraten. Auch ein Mitglied des Aufsichtsrats soll informiert gewesen sein.

Von Beat Balzli und


Hamburg - In der Affäre um die schwarzen Kassen bei Siemens Chart zeigen gerät der Zentralvorstand in München immer stärker ins Visier der Ermittler. Inzwischen wird auch Heinz-Joachim Neubürger, bis Ende April vergangenen Jahres Finanzvorstand des Unternehmens, von der Staatsanwaltschaft München als Beschuldigter geführt.

Heinz-Joachim Neubürger: Der ehemalige Finanzvorstand wurde von Wirtschaftsprüfern auf fragwürdige Zahlungen hingewiesen
AFP

Heinz-Joachim Neubürger: Der ehemalige Finanzvorstand wurde von Wirtschaftsprüfern auf fragwürdige Zahlungen hingewiesen

Neubürger wurde am vergangenen Dienstag den ganzen Tag über vernommen. Der 54-Jährige frühere Finanzvorstand soll von Untergebenen über Zahlungen im Zusammenhang mit dubiosen Beraterverträgen informiert worden sein. Zudem soll Neubürger sowohl 2003, als auch im Jahr 2004 von der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG auf fragwürdige Zahlungen im Zusammenhang mit Beraterverträgen aufmerksam gemacht worden sein.

Die Wirtschaftsprüfer sollen darüber auch ein Mitglied des Aufsichtsrats informiert haben. Zu diesem Komplex haben die Ermittler am gestrigen Mittwoch Mitarbeiter der KPMG vernommen.

Neubürger, der zwischenzeitlich immer wieder als möglicher Nachfolger des damaligen Siemens-Chefs Heinrich von Pierer genannt wurde, will sich zu den Vorgängen mit Verweis auf das laufende Ermittlungsverfahren nicht mehr äußern. Noch Mitte Dezember hatte der Ex-Finanzchef in einem Zeitungsinterview erklärt, er habe von möglichen Korruptionsfällen nichts gewusst. "Wir im Vorstand sind offenbar hinters Licht geführt worden."

Siemens-Chef Klaus Kleinfeld hat sich heute mit einem eindringlichen Appell an die Mitarbeiter gewandt. "Das Unternehmen kann nur überleben, wenn es für Integrität, Rechtschaffenheit und Transparenz steht", sagte Kleinfeld vor 1000 Beschäftigten in München. Der Konzern setze auf volle Aufklärung und werde keine Verstöße dulden. Auch an die Zulieferer werde man die selben, strengen Maßstäbe anlegen.

Kleinfeld kündigte an, dass künftig die Unterstützung und Beachtung der Verhaltens-Richtlinien ein Pflichtbestandteil der Mitarbeiterbeurteilung sei. Zudem werde für die Mitarbeiter eine Service-Hotline eingerichtet, die 24 Stunden am Tag besetzt sei.

Mit dpa

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