Siemens KWU baut 1220 Stellen ab

Der Aderlaß beim Siemens-Kraftwerk-Hersteller KWU geht weiter. Innerhalb von zwei Jahren sollen zusätzlich zu bereits geplanten Kürzungen weitere1220 Stellen wegfallen.


Erlangen - "Wir müssen unsere Kapazitäten an die Marktgegebenheiten anpassen", sagte KWU-Chef Adolf Hüttl. "Mit unserer Strategie sichern wir die Zukunft aller KWU-Standorte." Zum Erhalt der Wettbewerbsfähigkeit in den technischen Abteilungen müsse deshalb die Produktivität gesteigert werden. Der Personalabbau werde möglichst sozialverträglich umgesetzt.

Der Stellenabbau betrifft die drei Standorte Erlangen (760 Stellen), Offenbach (290 Stellen) und 70 Arbeitsplätze im Tochterunternehmen für Brennelementfertigung, der Advanced Nuclear Fuels GmbH (ANF, Lingen/Ems). Der fossile und nukleare Bereich sind mit 550 beziehungsweise 570 Stellen etwa gleich stark betroffen. Außerdem sollen 100 Arbeitsplätze in den Dienstleistungsabteilungen vornehmlich in Erlangen entfallen.

Damit sollen bis zum September 2001 insgesamt 1920 Stellen im fossilen und nuklearen Kraftwerksbereich in Deutschland wegfallen, teilte der Siemens-Bereich Energieerzeugung. Insgesamt beschäftigt der als "Sorgenkind" des Unternehmens geltende KWU-Bereich in Deutschland 16.300, weltweit 27.500 Mitarbeiter.

Nach Siemens-Angaben stagniert der Bereich der nuklearen Energieerzeugung wegen der Liberalisierung der Strommärkte und einer Zurückhaltung der Kunden. Im fossilen Bereich ergebe sich die Überkapazität durch eine fehlende Nachfrage für schlüsselfertige Kraftwerke vor allem in Südostasien. Für Kostenvorteile wolle Siemens zudem künftig verstärkt externe Fachfirmen einschalten und die Produktivität steigern.

Ein weiterer Grund für den Abbau im fossilen Bereich sei die Integration des US-Kraftwerkbauers Westinghouse Power Generation (Orlando/Florida). KWU hatte dessen nichtnuklare Sparte im August 1998 für rund 1,2 Milliarden Dollar gekauft. Bereits im Mai hatte KWU aus diesem Grund für Deutschland den Abbau von 700 Arbeitsplätzen angekündigt, weltweit sollten 1800 Stellen entfallen. Dieser Personalabbau ist laut Siemens noch nicht vollzogen.



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