Siemens-Schmiergeldaffäre Pauly-Rücktritt wirft Rätsel auf

Mit dem Rücktritt des Telekom-Vorstandes Lothar Pauly ist ein weiterer Topmanager über seine Verstrickungen in der Siemens-Affäre gestolpert. Warum der ehemalige Siemens-Mitarbeiter gerade heute seinen Posten niedergelegt hat, ist allerdings unklar.


Bonn - Der für die Geschäftskundensparte T-Systems zuständige Konzernvorstand Lothar Pauly habe den Aufsichtsrat gebeten, ihn von seinen Aufgaben zu entbinden, teilte die Telekom heute ohne Angabe von Gründen mit. Der 48-Jährige, der im Vorstand für das Systemgeschäft, Produktion, IT und Einkauf zuständig ist, werde den Konzern verlassen. Seine Aufgaben übernimmt vorübergehend Finanzchef Karl-Gerhard Eick.

Ex-Telekom-Vorstand Lothar Pauly: "Nicht über schwarze Kassen informiert"
DPA

Ex-Telekom-Vorstand Lothar Pauly: "Nicht über schwarze Kassen informiert"

Zu den genauen Gründen des Rücktritts und des Zeitpunkts wollten weder die Telekom noch der Anwalt von Pauly, Kurt Kiehte, gegenüber SPIEGEL ONLINE Stellung nehmen. Aus Telekom-Kreisen war lediglich zu hören, das Unternehmen habe gerade genügend Probleme und könne es sich nicht leisten, mit jemandem zu arbeiten, dessen volle Arbeitskraft nicht zur Verfügung stehe und der durch die Siemens-Affäre vorbelastet sei.

Die Staatsanwaltschaft München ermittelt seit mehreren Wochen gegen Pauly, der zuvor bei Siemens die Com-Sparte verantwortet hatte. Die Kommunikationssparte steht im Mittelpunkt der Ermittlungen: Hier sollen große Summen in schwarzen Kassen verschwunden und im Ausland als Schmiergeld eingesetzt worden sein. Einige von Paulys Managementkollegen während seiner Zeit bei Siemens - etwa der frühere Vorstand Thomas Ganswindt - saßen wegen der Vorwürfe sogar in Untersuchungshaft.

Durch Recherchen des SPIEGEL war Pauly Ende April in Erklärungsnot gekommen, weil E-Mails den Verdacht nährten, der Manager könnte von mutmaßlichen Schmiergeldzahlungen in Millionenhöhe gewusst haben. Im Fall eines Immobiliendeals mit dem chinesischen Mobilfunkanbieter Unicom könnte Pauly eine Zahlung auch selbst abgesegnet haben, was E-Mails nahelegen, die dem SPIEGEL vorliegen.

"Herr Pauly war nicht über schwarze Kassen in der Com-Sparte informiert, soweit es schwarze Kassen gegeben haben sollte, was er weder weiß, noch belegen könnte", erklärte Pauly-Anwalt Kiethe damals. Auch heute bekräftigte er nochmals, sein Mandant habe keine Schmiergeldzahlungen abgezeichnet.

Gesamtes Berufsleben bei Siemens

Pauly war im Oktober 2005 von Siemens zur Telekom gekommen. Dort übernahm er die Leitung von T-Systems von dem unerwartet gestorbenen Konrad Reiss. Sein gesamtes Berufsleben hatte der studierte Betriebswirt bis dahin bei dem Münchener Technologiekonzern verbracht, wo er von 2000 an im Management der Telekommunikationssparte saß.

Für T-Systems war Pauly zuletzt auf der Suche nach einem strategischen Partner für das Geschäft mit großen Kunden, den größte Teilbereich von T-Systems. Berichten zufolge gestaltete sich die Suche schwierig. Telekom-Vorstandschef René Obermann hatte aber jüngst erklärt, mit potenziellen Interessenten seien erste Gespräche geführt worden, die mit einer kleineren Zahl von Kandidaten nun intensiviert würden. Ein Analyst sagte, Paulys Weggang könnte eine mögliche Partnerschaft beschleunigen, aber auch ein Signal dafür sein, dass T-Systems ganz verkauft werde. Pauly hatte gesagt, ein reiner Verkauf sei nicht das Ziel. Ob T-Systems die Führung behalte, hänge von der Größe des Partners ab. Wichtig sei, einen signifikanten Anteil zu behalten. T-Systems will den Anteil des Auslandsgeschäfts bis 2010 von 18 auf 30 Prozent steigern.

Gleich zu seinem Amtsantritt hatte Pauly die Neuausrichtung von T-Systems in die Tat umsetzen müssen, die Reiss angestoßen hatte. Unter der Marke hatte die Telekom ihr Systemhaus und das Großkundengeschäft mit dem Geschäftskundenvertrieb der Festnetzsparte T-Com zusammengefasst. In die Pauly-Ära fiel auch die Übernahme der Volkswagen-Tochter Gedas.

sam/Reuters



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Seite 1
Emil Peisker 20.05.2007
1. Kann er?
Zitat von sysopPeter Löscher wird neuer Vorstandsvorsitzender von Siemens. Kann er den Konzern aus den negativen Schlagzeilen holen?
Er muss!
zaphod1965 20.05.2007
2.
Zitat von sysopPeter Löscher wird neuer Vorstandsvorsitzender von Siemens. Kann er den Konzern aus den negativen Schlagzeilen holen?
Siemens wird, neuer Vorstand hin oder her, noch lange in den Schlagzeilen bleiben. Das volle Ausmaß des Skandals ist ja immer noch nicht bekannt. Mittlerweile sind wir bei der ersten Milliarde Euro Bestechungsgelder angekommen. Hoffentlich zahlen diesmal die Aktionäre und Manager die Zeche und nicht die Angestellten. Herrn Löscher ist zunächst einmal Respekt zu zollen, in dieser Situation die Leitung dieser Skandalruine zu übernehmen. Siemens stehen harte Zeiten bevor. Mal sehen, ob ihm etwas intelligenteres Einfällt, als erst einmal tausende von Leuten zu entlassen.
DJ Doena 20.05.2007
3.
Zitat von sysopPeter Löscher wird neuer Vorstandsvorsitzender von Siemens. Kann er den Konzern aus den negativen Schlagzeilen holen?
Nie gehört den Namen und ich arbeite für Siemens, wenn auch nicht für Siemens.
eval, 20.05.2007
4.
Zitat von sysopPeter Löscher wird neuer Vorstandsvorsitzender von Siemens. Kann er den Konzern aus den negativen Schlagzeilen holen?
Ja, der kann Siemens wieder aufrichten. Hoffentlich nicht zu lasten der Belegschaft.. Eine Chance hat er verdient.
hans hoch, 20.05.2007
5. bilanz in 2 jahren
Zitat von zaphod1965Siemens wird, neuer Vorstand hin oder her, noch lange in den Schlagzeilen bleiben. Das volle Ausmaß des Skandals ist ja immer noch nicht bekannt. Mittlerweile sind wir bei der ersten Milliarde Euro Bestechungsgelder angekommen. Hoffentlich zahlen diesmal die Aktionäre und Manager die Zeche und nicht die Angestellten. Herrn Löscher ist zunächst einmal Respekt zu zollen, in dieser Situation die Leitung dieser Skandalruine zu übernehmen. Siemens stehen harte Zeiten bevor. Mal sehen, ob ihm etwas intelligenteres Einfällt, als erst einmal tausende von Leuten zu entlassen.
sämtliche bisher angestrengten prozesse im zusammenhang mit den schmiergeldern sind auch aus juristischer sicht mit vielen fragezeichen versehen.da ist das letzte wort noch nicht gesprochen. 1.ich glaube bis 1999 war diese praxis legal und sogar steuerlich absetztbar. 2.was im ausland gemacht wird,ist etwas anderes als innerhalb deutschland. 3.staatanwälte im mannesmann-prozess haben einen deal angeboten,weil ihnen der überblick verloren ging. 4.die juristen schaden auch hier der deutschen exportwirtschaft enorm.letztlich lebt das deutsche gemeinwesen von solchen unternehmen, nicht von beamten,bäckern,steuerberatern,ärtzten etc-die konkurrenz reibt sich die hände. 5. siemens wird auch dies überstehen. 6.vielleicht läßt sich herr löscher ja nicht von den hofschranzen am wittelbacher platz einnehmen,dafür wünsche ich ihm jedenfalls viel glück.
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