Siemens-Straßenbahnen Fehlkonstruktion nicht zu retten

Mit seinem Straßenbahn-Modell Combino hat der Münchner Elektro-Konzerns Siemens seinen guten Ruf aufs Spiel gesetzt. Die Waggons sind so schlecht konstruiert, dass sie nicht einmal mit nachträglichen Verbesserungen zu retten sind. Der Schaden geht in die Millionen.


Durch Mängelbeseitigung nicht zu retten: Siemens-Straßenbahn Combino
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Durch Mängelbeseitigung nicht zu retten: Siemens-Straßenbahn Combino

Düsseldorf - Die technischen Probleme bei den Combino-Zügen sind bereits seit längerem bekannt, nach wie vor wird aber über ihr Ausmaß gerätselt. Genauere Auskunft darüber gibt ein interner Bericht des Unternehmens, der der in Düsseldorf erscheinenden "Rheinischen Post" vorliegt. Danach müssen alle 450 weltweit verkauften Combino-Straßenbahnen mit Ausnahme des Räderwerks völlig neu gebaut werden. Die Rückstellungen in Höhe von 368 Millionen Euro, die der Konzern für die Reparatur der Fahrzeuge bislang gebildet hatte, würden dafür bei weitem nicht ausreichen.

Wie das Blatt berichtet, ist vor allem die Karrosserie der Straßenbahnen falsch konstruiert worden. Große Teile der Combino-Flotte seien derzeit deutschlandweit stillgelegt, weil Siemens Chart zeigen Einstürze der Fahrzeug-Dächer nicht ausschließen könne. Die Stadt Bochum sei bereits aus dem Liefervertrag mit Siemens ausgestiegen. Düsseldorf halte noch an der Lieferung fest.

Welchen finanziellen Schaden das Desaster tatsächlich anrichten wird, will der Konzern allerdings noch nicht beziffern. "Wir können dazu momentan keine Aussage treffen, das wäre derzeit reine Spekulation", sagte eine Sprecherin von Siemens Transportation Systems (TS) am Dienstag auf Anfrage. "Dieser Betrag, der da genannt wird, ist eindeutig zu hoch." Auch gebe es hinsichtlich der Bewertung möglicher Lasten keinen neuen Sachstand.

Zugleich wies die Sprecherin Angaben des Blatts zurück, wonach der Konzern die bereits in Betrieb befindlichen Züge mit Ausnahme des Fahrwerks komplett neu aufbauen muss. "Wir arbeiten an einer Sanierung von diesen Wagenkästen", sagte sie. "Das ist aber nicht die Richtung, in die es derzeit geht."

Im abgelaufenen Quartal 2003/04 (zum 31. März) hatten unerwartet hohe Rückstellungen in der Siemens-Bahntechniksparte das Gewinnwachstum des Konzerns belastet. Die Münchener hatten hier in dem Zeitraum Sonderbelastungen von 364 Millionen Euro verbucht, wovon 296 Millionen Euro auf das Segment "Mass Transit" - also praktisch die Combino-Züge - entfielen. Bereits im Vorquartal hatte Siemens zudem Rückstellungen gebildet, deren Höhe aber nicht beziffert worden war. Ursprünglich waren für das Gesamtjahr 2003/04 lediglich Rückstellungen von unter 200 Millionen Euro angekündigt gewesen.



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