Siemens und Bayer Milliardendeal im Laborgeschäft

Der Chemie- und Pharmariese Bayer verkauft seine Sparte für Laborgeräte an Siemens - für 4,2 Milliarden Euro. Es ist die zweite milliardenschwere Akquisition des Münchner Konzerns innerhalb von zwei Monaten - und ein weiterer Schritt im Siemens-Umbau.


Hamburg - Der gestern Abend überraschend mitgeteilte Kauf ist nach der angekündigten Übernahme der US-Firma Diagnostic Products für gut 1,8 Milliarden Dollar die zweite milliardenschwere Akquisition der Münchener innerhalb von zwei Monaten. Für den Leverkusener Konzern Bayer dürfte die Transaktion die Belastung durch die 17 Milliarden Euro schwere Schering-Übernahme dämpfen. Der Verkauf an Siemens habe jedoch nichts mit der Schering-Übernahme zu tun, betonte Bayer-Chef Werner Wenning.

Laborarbeit: Siemens baut das Geschäft mit Labortechnik aus

Laborarbeit: Siemens baut das Geschäft mit Labortechnik aus

"Der demographische Wandel bewirkt eine global wachsende Nachfrage nach Gesundheitsdienstleistungen und bietet damit hohe Wachstumschancen auf diesem Gebiet", begründete Siemens-Chef Klaus Kleinfeld die Übernahme der Bayer-Sparte. "Es entsteht zum ersten Mal in der Gesundheitsindustrie ein integriertes Diagnostik-Unternehmen, das bildgebende Diagnostik und Labordiagnostik sowie klinische Informationstechnologie in der gesamten Wertschöpfung unter einem Dach verbindet."

Siemens-Medizintechnik-Chef Erich Reinhardt hatte vor wenigen Tagen angekündigt, das Geschäft mit Labortechnik nach dem Kauf von Diagnostic Products weiter auszubauen. Der Manager will die Produktpalette von Siemens um Labor- und Molekularmedizingeräte erweitern. Bislang sind die Münchener vor allem im Bereich der bildgebenden Großgeräte tätig und auf diesem Feld nach dem US-Mischkonzern General Electric (GE) weltweit die Nummer zwei. Wie Siemens die Akquisition finanzieren will, wollte ein Konzernsprecher gestern nicht sagen. Heute gibt das Unternehmen weitere Details bekannt.

Der Kauf erfolgt im Rahmen eines umfassenden Konzernumbaus: Erst vor wenigen Tagen hatte das Münchner Unternehmen angekündigt, einen großen Teil seiner problembehafteten Kommunikationssparte in ein Gemeinschaftsunternehmen mit Nokia einzubringen. Analysten sind sich sicher, dass dies der erste Schritt in dem Prozess war, in dem sich Siemens mittelfristig aus diesem Geschäftsgebiet verabschiedet.

Analysten bewerten den Deal positiv

Die Bewertungen des Siemens-Bayer-Deals fielen heute positiv aus, weil die Veränderungen bei Siemens nun mit Geschwindigkeit vorangetrieben würden. "Nun werden die Geschäftsbereiche weiter gestärkt, die künftig zu den tragenden Säulen des Konzerns gehören sollen", sagte ein Experte. Zudem bekomme Bayer einen "vernünftigen Preis" für seine Diagnostika-Sparte.

Bayer rechnet aus dem Verkauf des Diagnostika-Geschäfts, das 2005 mit etwa 5000 Beschäftigten auf einen Umsatz von 1,4 Milliarden Euro kam, nach Steuern mit Einnahmen von etwa 3,6 Milliarden Euro. Die Transaktion, der noch die Kartellbehörden zustimmen müssen, solle voraussichtlich im ersten Halbjahr 2007 abgeschlossen sein, gab Bayer bekannt.

Auch für die Leverkusener bedeutet der Verkauf eine Konzentration auf ihr eigentliches Geschäft, nämlich auf die Entwicklung und Produktion von Arzneimitteln für Menschen und Tiere sowie "konsumentennaher Produkte". Der Geschäftsbereich Diagnostika konzentriere sich aber vorwiegend auf die Felder Hardware, IT-Vernetzung und Geräteservice, sagte Wenning.

Unter dem Dach von Siemens werde sich die Sparte für Laborgeräte daher langfristig besser entwickeln als bei Bayer, sagte der Bayer-Vorstandschef. Das Unternehmen teilte außerdem mit, der Konzern werde den Vertrag von Wenning um drei Jahre bis 2010 verlängern. Die ebenfalls im kommenden Jahr auslaufenden Verträge von Finanzvorstand Klaus Kühn und Arbeitsdirektor Richard Pott seien um jeweils fünf Jahre bis 2012 verlängert worden.

kaz/Reuters/dpa-AFX/ddp



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