Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.

Siemens: Vorstandschef Kleinfeld Zeuge in Korruptionsaffäre

Das Ausmaß der Schmiergeldaffäre im Siemens-Konzern verblüfft sogar die Anti-Korruptions-Experten von Transparency International. Selbst Vorstandsbüros wurden durchsucht. Siemens betont allerdings, Vorstandschef Klaus Kleinfeld sei keine Beschuldigter, sondern Zeuge.

München - In der Finanzaffäre bei Siemens Chart zeigen hat der Konzern betont, dass Vorstandschef Klaus Kleinfeld von der Staatsanwaltschaft nur als Zeuge gesehen werde. Zwar seien bei der Großrazzia in der vergangenen Woche auch Vorstandsbüros durchsucht worden, bestätigte ein Siemens-Sprecher heute einen Bericht der "Süddeutschen Zeitung". Kleinfeld sei aber kein Beschuldigter und auch nicht vernommen worden. Im Umfeld des Konzerns wurde zudem betont, die Ermittlungen konzentrierten sich auf einen Zeitraum, in dem Kleinfeld noch Siemens-Chef in den USA gewesen sei.

Siemens-Chef Kleinfeld: Zeuge, kein Beschuldigter
AP

Siemens-Chef Kleinfeld: Zeuge, kein Beschuldigter

Das Blatt hatte berichtet, dass Büros von Kleinfeld sowie von weiteren Vorstandsmitgliedern durchsucht worden waren. Es gebe Hinweise darauf, dass seit den neunziger Jahren mehr als 100 Millionen Euro in schwarze Kassen geflossen seien. Das Geld soll in ein geheimes Finanzsystem geflossen sein, aus dem möglicherweise Schmiergeld für lukrative Aufträge gezahlt wurde.

Über die möglichen Unregelmäßigkeiten ist die Konzernspitze seit langem informiert. "Wir wissen seit dem vergangenen Jahr, dass es ein strafrechtliches Verfahren in der Schweiz gibt", hatte ein Siemens-Sprecher gestern erklärt. Dabei sei es um den Verdacht der Geldwäsche gegangen. Das Unternehmen habe daraufhin eine interne Untersuchung eingeleitet, die noch nicht abgeschlossen sei. Man habe keinen Anlass gesehen, bundesdeutsche Behörden einzuschalten, da ein Verfahren in der Schweiz laufe.

Ein Beschuldigter in der Siemens-Affäre ist wieder auf freien Fuß gesetzt worden. Ein Haftbefehl sei außer Vollzug gesetzt worden, teilte die Münchner Staatsanwaltschaft heute mit. Im Rahmen der Vernehmung habe sich herausgestellt, dass sein Tatbeitrag dies zulasse. Vier weitere Beschuldigte befinden sich noch in Haft. Die Staatsanwaltschaft bestätigte, dass unter den zwölf Verdächtigen kein Mitglied des Siemens-Zentralvorstands sei.

Aus Sicht der Antikorruptionsorganisation Transparency International (TI) habe der Fall Siemens womöglich eine außergewöhnliche Dimension. Angesichts der Vorwürfe, dass sogar Bereichsvorstände involviert sein sollen, sagte der stellvertretende Vorsitzende von TI Deutschland, Peter von Blomberg, der "Berliner Zeitung": "Wenn sich das bestätigen sollte, wäre das schon verblüffend." Schließlich habe der frühere Vorstandschef Heinrich von Pierer selbst eine Anti-Korruptionspolitik in dem Konzern eingeführt.

"Jetzt stellt sich die Frage, ob das überhaupt ernst genommen worden ist oder ob es nur darum ging, den schönen Schein zu wahren", sagte Blomberg. "Insofern könnte es sich hier um einen sehr gravierenden, nicht alltäglichen Fall handeln." Es sei erfreulich, dass die Vorgänge bei Siemens jetzt ans Licht gekommen seien. "Vielleicht führt das dazu, dass die Firmen in Zukunft sensibler mit dem Thema umgehen", sagte Blomberg.

kaz/dpa-AFX/dpa/ddp

Diesen Artikel...

© SPIEGEL ONLINE 2006
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH




Der kompakte Nachrichtenüberblick am Morgen: aktuell und meinungsstark. Jeden Morgen (werktags) um 6 Uhr. Bestellen Sie direkt hier: