Skandal um Callcenter Telekom meldet Datenklau

Der Datenskandal erreicht die Telekom: Der Konzern bestätigte einen TV-Bericht, nach dem sich ein Callcenter illegal Kundendaten abgefischt haben soll. Bisher gebe es keine Erkenntnisse, dass die Informationen für Betrügereien missbraucht wurden.


Hamburg/Bonn - Ein Callcenter in Bremerhaven hat sich illegal Zugriff auf Datenbanken der Telekom verschafft, berichteten NDR und WDR. Kundendaten von diesen Datenbanken seien offenbar an Dritte weiterverkauft worden. Ein Sprecher der Telekom bestätigte, es habe womöglich Datenmissbrauch durch einen Callcenter gegeben. "Die Deutsche Telekom ist offenbar Opfer hochkrimineller Machenschaften", erklärte der Sprecher.

CD mit geklauten Daten: Kriminelle Machenschaften bei der Telekom?
DPA

CD mit geklauten Daten: Kriminelle Machenschaften bei der Telekom?

Bisher habe die Telekom keine Erkenntnisse, dass Kundendaten "für Trickbetrügereien missbraucht worden sind", erklärte der Sprecher weiter. Der Konzern werde aber "alles unternehmen, um die illegale Weitergabe von Kundendaten aufzuklären und strafrechtlich verfolgen zu lassen".

Das betroffene Callcenter habe im Auftrag des Konzerns gearbeitet, die Datenbanken dann aber offenbar unrechtmäßig genutzt, sagte der Sprecher. Insgesamt umfassen die Datenbanken 30 Millionen Kunden, das Callcenter habe aber nicht auf alle Daten Zugriff gehabt.

Datenmissbrauch auch in Hamburg

Nach Informationen des Radiosenders NDR Info soll es zudem in einem Callcenter südlich von Hamburg zu Datenmissbrauch gekommen sein - allerdings im vergleichsweise kleinen Rahmen. Demnach sollen Tausende Verbraucherangaben von früheren Auftraggebern illegal weitergenutzt worden sein.

Nach Angaben des Radiosenders handelt es sich hierbei um Adressen, persönliche Angaben und Bankverbindungen von Kunden, die sich unter anderem für die Norddeutsche Klassenlotterie (NKL) angemeldet hatten.

Das Callcenter habe nach Aussage eines ehemaligen Mitarbeiters diese Angaben von seinem Auftraggeber erhalten, einem Lotterie-Dienstleister. Obwohl der Vertrag vorgesehen habe, die Daten nach dem Ende der Lotterierunde zu löschen, seien sie für den Verkauf von Zeitungsabonnements weitergenutzt worden. Dabei seien auch Abo-Gebühren von Kunden abgebucht worden, die keine Zeitungen bestellt hätten.

Das betroffene Callcenter wollte sich dem Sender zufolge zu den Vorwürfen nicht äußern. Die Norddeutsche Klassenlotterie erklärte auf Anfrage, laut Vertrag hätten die Daten keinesfalls weiterverwendet werden dürfen. Man habe dafür eigens strenge Regularien für Lotterie-Dienstleister und für Callcenter erhoben.

Erst in der vergangenen Woche war ein umfangreicher Datenschutzskandal bekannt geworden. Der Verbraucherzentrale Schleswig-Holstein war nach eigenen Angaben eine CD-Rom mit 17.000 Datensätzen zugespielt worden. Diese enthielten außer Namen, Geburtsdaten, Telefonnummern und Adressen auch Kontoverbindungen der aufgelisteten Verbraucher. In mehreren Fällen wurde Betroffenen ohne deren Einwilligung Geld von ihren Konten abgebucht.

Nach Angaben der Verbraucherschützer soll eine Firma aus dem nordrhein-westfälischen Viersen die Daten an andere Unternehmen weiterverkauft haben. Mit Hilfe der Informationen sollen Callcenter Kontakt zu den Kunden aufgenommen und anschließend unerlaubte Abbuchungen von deren Konten vorgenommen haben.

ssu/AFP/ddp



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