Skandal um maroden Versicherungsriesen: AIG soll für Multimillionen-Boni büßen

Der Versicherungsgigant AIG kann nur dank eines gigantischen Hilfspakets der US-Regierung überleben - trotzdem hat er 165 Millionen Dollar Boni an Manager ausgezahlt. Jetzt folgt die Strafe: Finanzminister Geithner will sich die Gelder rückerstatten lassen und die Abwicklung des Konzerns beschleunigen.

Washington - Der US-Finanzminister geht in die Offensive: Timothy Geithner fordert Bonuszahlungen für Manager des angeschlagenen Versicherungskonzerns AIG zurück. Präsident Barack Obama und er selbst empfänden "beträchtliche Wut" darüber, dass Boni in Höhe von insgesamt 165 Millionen Dollar ausgezahlt worden seien - während der Konzern gleichzeitig nur mit milliardenschweren Staatshilfen überleben kann.

Büro von AIG in New York: Millionenboni trotz Staatshilfen
AFP

Büro von AIG in New York: Millionenboni trotz Staatshilfen

Nach Angaben Geithners prüft das US-Justizministerium nun Möglichkeiten, schon geleistete Bonuszahlungen zurückzufordern. Sollten diese gegen Bestimmungen im US-Konjunkturpaket verstoßen, werde die Regierung mit dem Unternehmen und dessen Angestellten über eine Rückzahlung verhandeln. Es sei aber aus rechtlichen Gründen nicht möglich gewesen, die Boni schon im Vorhinein zurückzuhalten, sagte Geithner. Er habe Konzernchef Edward Liddy aufgefordert, für dieses Jahr geplante Bonuszahlungen in Höhe von Hunderten Millionen Dollar auf Eis zu legen. Außerdem soll AIG vertraglich verpflichtet werden, die 165 Millionen Dollar dem Staat zurückzuzahlen. Die Summe soll von einer anstehenden Hilfspaket-Tranche von 30 Milliarden Dollar abgezogen werden, die für den Versicherer gedacht ist.

Einige demokratische Senatoren forderten, die Prämien per Gesetz mit einer 90-prozentigen Steuer zu belegen, sollte Liddy nicht erneut mit den Managern über die Zahlungen verhandeln. Im US-Kongress mehrten sich die Forderungen nach einer Ablösung des Konzernchefs. Er sollte am Mittwoch vor dem Unterkomitee für Kapitalmärkte zu den Bonuszahlungen Stellung beziehen - die nach Angaben des New Yorker Staatsanwalts Andrew Cuomo vor allem jenen Finanzmanagern zugute kamen, deren Leistung zu den niederschmetternden Verlusten und dem Beinahe-Bankrott von AIG führten. 73 AIG-Manager bekamen einen Bonus von mindestens einer Million Dollar. Die Höchstprämie betrug über sechs Millionen Dollar, die Top Ten bekam insgesamt 42 Millionen Dollar. Elf der Begünstigten arbeiten laut Cuomo inzwischen nicht mehr bei AIG.

In einem Brief an die Präsidentin des Repräsentantenhauses, Nancy Pelosi, schrieb Geithner außerdem, sein Ministerium werde nun sämtliche "verantwortungsvollen Methoden" ausloten, um die "geordnete Abwicklung" des Konzerns zu beschleunigen. Bei den Bemühungen um die Klärung des künftigen Status' von AIG gehe es darum, einerseits die systemischen Risiken für das Finanzsystem zu verringern und andererseits die Verluste für die Steuerzahler zu minimieren.

Das US-Hilfspaket für den Konzern beläuft sich auf insgesamt bislang 180 Milliarden Dollar. AIG hatte im vergangenen Jahr mit 99,3 Milliarden Dollar den höchsten Konzernverlust in der US-Wirtschaftsgeschichte verzeichnet. Nur durch den Einstieg der US-Regierung konnte der Konzern vor der Pleite gerettet werden. Der Staat hält 79,9 Prozent der Anteile an dem Versicherer.

Anmerkung der Redaktion:

In einer ersten Version des Textes wurde der Jahresverlust von AIG irrtümlich mit 99,3 Millionen Dollar angegeben. Tatsächlich lag der Verlust bei 99,3 Milliarden Dollar. Der Beitrag wurde entsprechend korrigiert. Wir bitten, den Fehler zu entschuldigen.

beb/AFP

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