Skandalbanker Italiens Notenbankchef tritt zurück

Schon länger stand der italienische Chefnotenbanker Antonio Fazio wegen Insider-Handels und Amtsmissbrauchs unter Beschuss. Nun hat der Druck Wirkung gezeigt. Fazio gibt sein Amt ab.


Rom - Der umstrittene italienische Zentralbankschef Antonio Fazio ist zurückgetreten. Der 69-Jährige habe sein Rücktrittsgesuch dem Chef des Aufsichtsrates der Notenbank, Paolo Emilio Ferrari, übergeben, teilte die Banca d'Italia heute in Rom mit. Fazio habe die Entscheidung im Interesse des Landes und des Kreditinstitutes getroffen, hieß es.

Antonio Fazio: Gerüchte um Geschenke
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Antonio Fazio: Gerüchte um Geschenke

Damit endet eine monatelange Hängepartie. Die Staatsanwaltschaften in Mailand und Rom ermitteln gegen Fazio wegen Insider-Handels und Amtsmissbrauchs. Ihm wird unter anderem vorgeworfen, als oberster Bankenaufseher in Italien in der Übernahmeschlacht um die Banca Antonveneta die heimische Banca Pop Italiana gegenüber der niederländischen ABN Amro bevorzugt zu haben.

Italiens Ministerpräsident Silvio Berlusconi hat Fazio bereits mehrfach zum Rücktritt aufgefordert. Auch der Präsident der Europäische Zentralbank (EZB), Jean-Claude Trichet, hatte erst am Freitag erklärt, die Zentralbank dringe auf Klärung der Vorwürfe gegen Fazio, der Mitglied im EZB-Rat ist.

Der Druck auf Fazio war in der vergangenen Woche gewachsen, nachdem mit dem früheren Chef der Pop Italiana, Gianpiero Fiorani, ein enger Freund verhaftet worden war. Fiorani wird im Zusammenhang mit der Banken-Affäre kriminelle Verschwörung und Veruntreuung vorgeworfen. Fazio wird verdächtigt, Fiorani Informationen unrechtmäßig weitergegeben haben. Ihm drohen damit bis zu sechs Jahren Haft. In der Kritik steht Fazio auch wegen Berichten, er und seine Familie hätten unter anderem von Fiorani teure Geschenke im Wert von mehreren tausend Euro angenommen.

Fazio wies bislang alle Anschuldigungen zurück und weigert sich, seinen Posten zu räumen. Nach geltendem Gesetz ist er auf Lebenszeit ernannt und kann lediglich vom Aufsichtsrat der italienischen Notenbank abberufen werden. Dieser hatte Fazio in der vergangenen Woche noch sein Vertrauen ausgesprochen. Der Aufsichtsrat wird am Dienstag zu seiner nächsten Sitzung zusammenkommen. Die meisten seiner Mitglieder sind von Fazio ernannt.

Zuletzt geriet Fazio angesichts von Regierungsplänen zu einer Änderung des Bankenstatuts immer stärker in Bedrängnis. Die Regierung kündigte heute an, am folgenden Tag eine Gesetzesänderung im Kabinett zu diskutieren, die Amtszeit und Einfluss des Zentralbankchefs grundsätzlich begrenzen soll.



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