Skurriler Ideenklau Anti-Oscar blamiert freche Produktpiraten

Gemüsehobel, Eierköpfer und seltsames Urologen-Besteck sind nur einige skurrile Beispiele dafür, was Produktpiraten so alles abkupfern. Die dreistesten Diebe bekommen jährlich den Negativpreis "Plagiarius" verliehen - SPIEGEL ONLINE zeigt die Gewinner 2008.

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Hamburg - Was Produktpiraten alles abkupfern, ist schon ungeheuerlich. Da gibt es Replikate fusseliger Raumteiler, den Abklatsch eines Eierköpfers oder gleich ganze Raubkopie-Serien von Spielzeugautos. Selbst vor dem Instrumentarium von Urologen machen die Ideen-Diebe nicht halt: Das Resektoskop der Karl Storz GmbH aus Tuttlingen wurde sogar in derselben Stadt kopiert.

Die Aktion Plagiarius e.V. verleiht den hemmungslosen Kopisten Jahr um Jahr einen Negativpreis, unaufgefordert, versteht sich. Der Anti-Oscar für Abkupferer besticht durch stilvolles Design: Es ist ein hässlicher schwarzer Gartenzwerg mit einer goldenen Nase. Denn genau diese verdienen sich die Produktpiraten mit ihren Plagiaten, Fälschungen und Raubkopien. Der "Plagiarius" wird heute in Frankfurt bereits zum 32. Mal verliehen. Die Laudatio hält diesmal FDP-Chef Guido Westerwelle.

Der Blick auf Original und Fälschung mag amüsant sein - doch dahinter lauert ein wachsendes Problem. Erhebungen belegen, dass Plagiate, Fälschungen und Raubkopien jährlich weltweit einen volkswirtschaftlichen Schaden anrichten, der mehrere Hundert Milliarden Euro beträgt und mehrere Hunderttausend Arbeitsplätze vernichtet. Fast jedes zehnte Produkt, das auf der Welt gehandelt wird, sei abgekupfert, gefälscht oder raubkopiert, glauben EU-Statistiker.

Laut Zoll-Statistik der EU-Kommission wurden 2006 an den EU-Außengrenzen mehr als 250 Millionen gefälschte Artikel beschlagnahmt. 2005 waren es erst 75 Millionen. Allein der deutsche Zoll beschlagnahmte 2006 gefälschte Waren im Wert von 1,2 Milliarden Euro, der Wert hat sich gegenüber 2005 fast verfünffacht.

Als Rido Busse den Negativpreis 1977 schuf, wollte er eines ausdrücken: Plagiatoren machen Profit auf Kosten anderer. Sie kopieren gefragte Produkte, um die Kosten für Forschung, Entwicklung und Marketing zu sparen. Häufig produzieren sie Billigware von mieser Qualität, die bestenfalls schnell kaputt geht, schlimmstenfalls lebensbedrohliche Auswirkungen hat. Nicht nur Weltmarken von Gucci bis adidas, auch Mittelständler klagen über Raubkopien ihrer Produkte.

Bei aller Kritik am Copyright-Diebstahl in China - Probleme beim Umgang mit geistigem Eigentum gibt es auch in den USA und Europa. So bekommt die Ahlener Heinrich Winkelmann GmbH beim "Plagiarius 2008" den zweiten Preis. Sie vertreibt ein Druckausdehnungsgefäß für Heizungsanlagen, das dem Modell "PND" der Schweizer Pneumatex AG sehr auffällig ähnelt.

Im Übrigen, glaubt die Jury, stecken oft auch hinter jenen Imitaten, die billig in China hergestellt werden, europäische Auftraggeber.


Im Museum Plagiarius können die Preisträger von 1977 bis heute besichtigt werden. Insgesamt werden mehr als 250 Originale und Plagiate der unterschiedlichsten Branchen im direkten Vergleich gezeigt. Adresse: Bahnhofstraße 11, 42651 Solingen, Tel.: 0212/2210731, Di bis So von 10-17 Uhr. Erwachsene: 2 Euro, Schüler und Studenten: 1 Euro, Kinder unter 14 Jahren: frei. www.plagiarius.com



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