Solarbier: Schlauer brauen mit Sonnenkraft

Von Corinna Kreiler

Clevere Kleinunternehmer: Die Bierbranche stöhnt über hohe Energiepreise, zwei Brauer aus der Provinz gehen alternative Wege: Ihre Kessel heizen sie vornehmlich mit Sonne und Holz. Nun streiten sie darum, wer Deutschlands erstes echtes "Solarbier" braut.

Eichstätt/Thalmannsfeld - Jeden Tag geht Benno Emslander auf die Baustelle. Er betrachtet Arbeiter, Gerüste, einen Silo. Hier wird seine Vision Wirklichkeit. Er lächelt und streicht sich über den Schnauzer. Das, was auf dieser Baustelle entsteht, wird zuerst die Brauer im Land aufrütteln - und dann die gesamte deutsche Wirtschaft, denkt er.

Emslander, 46, gehört die mittelständische Brauerei Hofmühl in Eichstätt. Gegründet wurde der oberbayerische Betrieb 1492, seit fast 150 Jahren ist die Firma in Familienbesitz. Ein typisches Unternehmeridyll, auf den ersten Blick nicht der beste Ort für Experimente.

Doch Emslander ist kein richtiger Brauer, er hat Chemie studiert und Betriebswirtschaft. Das Bier-Business dient ihm vor allem als Experimentierfeld in Sachen Energietechnik. Hohe Öl- und Gaspreise belasten die Brauereien, denn Bier braucht reichlich Energie: Zuerst wird in der Produktion gekocht und dann gekühlt. Viele Hersteller suchen deshalb nach Möglichkeiten, um die Kosten zu drosseln. Emslander sucht nicht mehr. Er hat seinen Weg schon gefunden.

Vor fünf Jahren setzte er sich hin und kalkulierte. Das muss doch besser gehen, dachte er sich. Billiger. Irgendwie hatte er es ja früher schon einmal geschafft. "Bier zwei Stunden kochen? Da brauchen wir ja Heizöl wie die Verrückten", sagte er damals zu seinem Braumeister. Dann entwickelte Emslander ein schonendes Brauverfahren. Sein Bier kocht nun kürzer, der Energieverbrauch ist nur noch halb so hoch. Emslander hat ein paar Preise dafür gewonnen und seinen 100.000-Liter-Heizöltank entsorgt. Dann nahm er sich die Sonne vor.

Der Brau-Innovator machte einen Plan, suchte sich Partner in der bayerischen Industrie, ließ ein paar Experten von der Uni nachrechnen und legte los. Anfang August soll das Solarwärmekraftwerk in Betrieb gehen. Es wird dann eines der größten seiner Art in Deutschland sein. Der Clou dabei: Emslander benutzt nicht die flachen Solarzellen, die sich normale Bürger aufs Dach montieren. Die findet er lächerlich. Zu viel Aufwand, zu wenig Wirkung.

Auf seinen Hof kommen rund 2000 Quadratmeter Röhrenkollektoren. Irgendwann sollen es sogar 3000 werden. Im Gegensatz zu den üblichen, flachen Solarzellen setzt seine Hochleistungsanlage Energie aus Sonnenwärme frei, die in Form von Wärme und Kälte genutzt werden kann. Emslander braucht beides, deswegen ist das Kraftwerk für ihn perfekt. Die Anlage ist perfekt, um mit steigenden Energiekosten fertig zu werden, da ist er sich sicher. Rund drei Millionen Euro kostet das Projekt, der Bund zahlt die Hälfte.

Eichstätt ist für Emslander erst der Anfang. Wenn die Anlage läuft, kann man sie überall in der Produktion einsetzen: In der Metallindustrie oder in der Lebensmittelindustrie. Man braucht nur ein bisschen Sonne.

Nicht jeder in der Branche teilt Emslanders Optimismus. Walther Gloßner zum Beispiel gibt sich skeptisch. Zusammen mit seinem Vater Werner leitet auch er eine mittelständische Brauerei - im fränkischen Thalmannsfeld, nur 26 Kilometer von Eichstätt entfernt. Eine Jura-Hochebene, brauner Sandstein ragt zwischen grünen Hügeln hervor. Mittendrin steht die Brauerei Felsenbräu.

Gloßner ist 39 und trägt ein Poloshirt, auf dem steht: "Hopfen und Malz, uns erhalt's". Er glaubt nicht an den Erfolg des Nachbarn. "Wie soll das denn funktionieren? Da ist doch gar nichts getestet", sagt er und wühlt in seinem Schuppen in einem Berg von Holzresten. Er hält ein paar Späne in seiner Hand und nickt. Die Qualität stimmt, gutes Material, wenig Rinde. Vollautomatisch wird das Holz über ein Band aus dem Schuppen ins Feuer geschoben, so heizt Gloßner seine Kessel. Ein Hochleistungsfilter säubert den Rauch, der bei der Verbrennung entsteht.

Kühlschrank ist überflüssig

Gloßner braut sein Bier schon seit ein paar Jahren mit erneuerbaren Energien: Er lässt sich von Bauern aus der Region Waldabfälle liefern, hat seine eigene Biogasanlage vor der Tür und Solarzellen auf dem Dach.

Sein Bier kühlt er mit Natureis - so wie die Brauer früher, als der Kühlschrank noch nicht erfunden war. Gloßner ist der einzige, der es heute noch macht. Im Winter besprüht er ein Holzgestell mit Wasser, Eiszapfen bilden sich. Die schlägt er ab und lagert sie im Keller ein, wo sie im Sommer langsam vor sich hin tauen.

Weil sein Bier so umweltfreundlich ist, darf er sein Bier Solarbier nennen, ein Siegel, das die Uni München-Weihenstephan erfunden hat. Damit wirbt er auch auf den Flaschen: "Das erste Solarbier Deutschlands".

Rivale Emslander hält das für Quatsch. Das Bier ist doch hauptsächlich mit Hilfe von Holzresten gebraut und die wiederum sind eine Umweltsauerei, findet er. Denn die Waldabfälle werden verbrannt und dabei entsteht Rauch, der die Umwelt verpestet, Filter hin oder her. Seine Lösung, die findet er wirklich sauber. Er will bald "richtiges Solarbier" brauen.

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Forum - Heizen ohne Öl und Gas?
insgesamt 249 Beiträge
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1.
Askan 02.06.2008
Zitat von sysopDie erneuerbaren Energien tragen immer stärker zur Stromerzeugung bei. Daneben können sie aber auch einen wichtigen Beitrag zur Wärmegewinnung leisten. Wie werden wir in Zukunft unsere Häuser heizen?
Bei uns steht eine Sanierung der Heizung an. Wir werden wohl umschwenken und eine Solarheizung installieren, ergänzt von einer Ölheizung. Statt 4000 Liter brauchen wir dann hoffentlich unter 1000, begleitet von entsprechenden Dämm-Maßnahmen. Ganz ohne Öl werden wir nicht klarkommen
2.
Triakel 02.06.2008
In 5 Jahren wird kaum jemand mehr mit Öl heizen, in 10 Jahren wohl keiner mehr mit Gas. Dank meiner Wärmepumpe hebe ich die Heizkosten gegenüber der Ölheizung halbiert, so dass zusammen mit den Finanzierungskosten keine zusätzliche Belastung auftritt, sogar per Saldo eine leichte Einsparung. Amortisation also sofort! Nächstes Jahr ist die solarthermische Anlage für Brauchwasser und Heizungsunterstützung dran. Alles nicht ganz billig, aber alternativlos und vernünftig.
3.
lupenrein 02.06.2008
Die althergebrachte Holz- bzw. Kohlenheizung wird kommen, wenn Öl und Gas unbezahlbar geworden sind. Da kann dann Herr Gabriel noch so viel von Feinstaubbelastung oder CO2-Ausstoß schwafeln. Er wird den Leuten kaum das Heizenverbieten können. Holz und Kohle produzieren auch nicht mehr CO2 als Öl. Und die erdölfördenden Staaten sowie die Ölmultis können sich ihr Öl dann für kommende Jahrtausende einbunkern.
4.
Triakel 02.06.2008
Zitat von lupenreinDie althergebrachte Holz- bzw. Kohlenheizung wird kommen, wenn Öl und Gas unbezahlbar geworden sind. Da kann dann Herr Gabriel noch so viel von Feinstaubbelastung oder CO2-Ausstoß schwafeln. Er wird den Leuten kaum das Heizenverbieten können. Holz und Kohle produzieren auch nicht mehr CO2 als Öl. Und die erdölfördenden Staaten sowie die Ölmultis können sich ihr Öl dann für kommende Jahrtausende einbunkern.
Für Holz trifft das zu, für Kohle keinesfalls. Kohle ist der mit Abstand dreckigste fossile Energieträger. Und ich weis aus DDR-Zeiten, was das im Winter bei Inversionswetterlagen für einen leckeren Smog gibt. Und natürlich Feinstaub ohne Ende. Und zu Holz: 95% der nachwachsenden Holzmasse werden in Deutschland bereits genutzt, als Rohstoff oder als Energiequelle. Ihre Vision der Ölmultis, die verzweifelt das Zeug wieder in die Bohrlöcher zurückfüllen ist mir zwar sehr sympathisch, aber genau so wahrscheinlich wie ein Meteoriteneinschlag auf der Reeperbahn in der nächsten Stunde.
5.
lupenrein 02.06.2008
Hätte ich die technischen und vor allem finanziellen Möglichkeiten, würde ich sofort aud Kraft-Wärme-Kopplung umstellen.
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