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Solarenergie aus der Sahara: Merkel stellt EU-Geld für Wüstenstrom-Projekt in Aussicht

Das Projekt könnte den Energiemarkt revolutionieren: Deutsche Konzerne wollen im großen Stil Sahara-Solarstrom produzieren. Jetzt schaltet sich Kanzlerin Merkel ein und lobt das Vorhaben in höchsten Tönen - ebenso wie EU-Kommissionschef Barroso.

Berlin - Die Zustimmung kommt von ganz oben: Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat das geplante Großprojekt zur Gewinnung von Strom in Nordafrika begrüßt. Sie freue sich, dass sich deutsche Unternehmen wie Münchener Rück, Siemens oder RWE an der Initiative mit dem Namen Desertec beteiligten, sagte Merkel am Mittwoch auf dem Jahreskongress des Bundesverbands der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) in Berlin. Das Projekt passe gut in die Mittelmeer-Strategie der EU. Es sei auch denkbar, Gelder der EU zum Ausbau der Solarenergie in Nordafrika zu nutzen.

Zugleich mahnte Merkel, solche Projekte bedeuteten nicht, dass Deutschland sich nicht mehr um seine eigene lokale Energieversorgung kümmern müsse. Die Wüstenstrom-Initiative dürfe nicht als Entschuldigung dienen, in Deutschland ein Braunkohlekraftwerk nicht zu bauen, sagte Merkel.

Die Versicherungsgruppe Münchener Rück hatte die Wüstenstrom-Initiative vor einer Woche angekündigt. Im Kern geht es darum, mit riesigen Solarkraftwerken in der Sahara große Mengen Strom zu produzieren. Ein Teil der Energie könnte über neue Leitungen nach Europa transportiert werden. Das langfristige Ziel: Der Sahara-Strom soll rund 15 Prozent des europäischen Bedarfs decken. Das Projekt läuft unter dem Namen Desertec und basiert auf Studien des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt im Auftrag des Bundesumweltministeriums.

Auch EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso begrüßte die Initiative. Auf dem BDEW-Kongress sagte er, das Projekt helfe dabei, die "Vision einer kohlendioxidarmen europäischen Gesellschaft zu realisieren". Zugleich sei es ein gutes Projekt, um die Entwicklung der nordafrikanischen Länder zu fördern.

Eines der beteiligten Unternehmen ist der deutsche Stromkonzern RWE, der bisher vor allem Kohlekraftwerke betreibt. Das Unternehmen stellte am Mittwoch klar, dass die Stromgewinnung in Nordafrika nicht vorrangig für die Versorgung Europas gedacht sei.

Der in der Sahara produzierte Strom solle in erster Linie für die Versorgung der Menschen in den nordafrikanischen Ländern verwendet werden, sagte der Chef der RWE-Sparte für erneuerbare Energien, Fritz Vahrenholt. De Erwartung, der Strom könne in großem Stil über die Alpen nach Deutschland transportiert werden, sei "Wolkenschieberei".

Die nordafrikanischen Länder, müssten erst "Tausende Megawatt" haben, um sich angesichts eines starken Bevölkerungswachstums selbst zu versorgen. Nur Strommengen, die darüber hinausgingen, könnten womöglich nach Europa exportiert werden, sagte Vahrenholt. Das Projekt dürfe nicht als Argument dienen, dass Deutschland keine Kernkraft und keinen Ausbau der Windkraft vor seinen Küsten brauche. "Wir müssen unsere Aufgaben in Deutschland machen", sagte Vahrenholt. Bei dem Projekt handle es sich im derzeitigen Stadium lediglich um eine Studie. Vahrenholt distanzierte sich damit vom beteiligten Münchener-Rück-Konzern, der die Pläne mit großem Enthusiasmus an die Öffentlichkeit getragen hatte.

wal/AFP

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