Sorge vor neuer Krise IWF-Chefin fordert deutsches Konjunkturpaket

Angst vor einer neuen Weltwirtschaftskrise macht sich breit. Auch IWF-Chefin Lagarde befürchtet eine deutliche Abkühlung der Konjunktur. Bereits vorab appelliert sie im SPIEGEL-Interview an die Bundesregierung, Gegenmaßnahmen einzuleiten.

IWF-Chefin Lagarde: "Die Bundesregierung könnte gegensteuern"
REUTERS

IWF-Chefin Lagarde: "Die Bundesregierung könnte gegensteuern"


Hamburg - Die Chefin des Internationalen Währungsfonds (IWF), Christine Lagarde, schlägt Alarm. Sie fordert die Bundesregierung auf, für den Fall eines neuerlichen Wachstumseinbruchs ein Konjunkturprogramm aufzulegen. "Wenn der Export, auf dem das deutsche Wirtschaftsmodell beruht, einbricht, dann könnte die Bundesregierung gegensteuern", sagte Lagarde im SPIEGEL-Interview.

"Wenn Deutschland seine Binnennachfrage belebt, ist das gut für die deutsche Wirtschaft und für die der Nachbarländer." Spielraum für konjunkturstützende Maßnahmen sieht Lagarde vorhanden.

Kürzlich hätten Experten des IWF Deutschland routinemäßig besucht und festgestellt, "dass die Gesundung der deutschen Staatsfinanzen unter den gegenwärtigen Umständen bestens läuft".

Lagarde warnte im SPIEGEL vor einem Rückfall in die Rezession. Über den Sommer habe der IWF eine neue Vertrauenskrise festgestellt, die die wirtschaftliche Lage weltweit verschlechtere. Deshalb müssten Maßnahmen ergriffen werden, "um eine drohende Abwärtsspirale abzuwenden".

Ähnlich hatte sich auch schon Weltbankpräsident Robert Zoellick geäußert. Für die globale Wirtschaft bestehe das Risiko, "in diesem Herbst in eine neue Gefahrenzone" zu rutschen, warnte er am Samstag in Peking.

Lagarde verteidigte die Feststellung von IWF-Experten, wonach dem Bankensektor Europas bis zu 200 Milliarden Euro an Eigenkapital fehlen könnten. "Generell sehen wir die Notwendigkeit, dass die europäischen Banken rekapitalisiert werden, so dass sie stark genug sind, den Risiken der Staatsschuldenkrise und des schwachen Wachstums zu widerstehen", sagte sie. Die Aufstockung des Eigenkapitals sei notwendig, um weitere Ansteckung zu verhindern. Mit Blick auf die eingetrübten Aussichten plädierte Lagarde dafür, "dass die Länder ihren Sparkurs anpassen und wachstumsfördernde Maßnahmen ins Auge fassen".

ler



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mark anton, 04.09.2011
1. Lagard fordert Deutschland auf, sich noch weiter zu verschulden
Zitat von sysopAngst vor einer neuen Weltwirtschaftskrise macht sich breit. Auch IWF-Chefin Lagarde befürchtet eine deutliche Abkühlung der Konjunktur. Bereits vorab appelliert sie im SPIEGEL-Interview an die Bundesregierung, Gegenmaßnahmen einzuleiten. http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,784304,00.html
wo es die Volkswirtschaft ist, die bisher keinerlei Schuld an dem Schuldendilemma oder deren falsche Strategie fuer die erhoffte Bewaeltigung derselben, daran sind Barosso, Junckers, Trichet (im Hintergrund Sarkozi/Trichet) schuld, d.h. sie wollen ihre Banken ueber alles retten und schaufeln die hunderte Milliarden den Griechen ins Feuer, die sie nutzlos verpulvern, wie gehabt.
altmannn 04.09.2011
2. .
Zitat von sysopAngst vor einer neuen Weltwirtschaftskrise macht sich breit. Auch IWF-Chefin Lagarde befürchtet eine deutliche Abkühlung der Konjunktur. Bereits vorab appelliert sie im SPIEGEL-Interview an die Bundesregierung, Gegenmaßnahmen einzuleiten. http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,784304,00.html
Einfachste Art der Konjunkturbelebung: Ankündigung der Erhöhung der Mehrwertsteuer von 19 auf 22%. Ergibt jede Menge Vorzieheffekte. Das eingenommene Steuergeld wird sowieso in Kürze für die Bürgschaften oder die Zinserhöhung durch die Eurobonds benötigt. Egal für was, weg ist es auf alle Fälle und gleichzeitig brummt die Konjunktur. Danach kommt das nächste Konjunkturprogramm (25%).... und Deutschland profitiert wieder massiv vom Euro...
friedrichii 04.09.2011
3. hm
Zitat von sysopAngst vor einer neuen Weltwirtschaftskrise macht sich breit. Auch IWF-Chefin Lagarde befürchtet eine deutliche Abkühlung der Konjunktur. Bereits vorab appelliert sie im SPIEGEL-Interview an die Bundesregierung, Gegenmaßnahmen einzuleiten. http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,784304,00.html
Erinnert sich die Dame nicht mehr daran, was sie noch als franz. Finanzministerin von Deutschland gefordert hat? Deutschland soll den Exportüberschuß beschränken. Und nun fürchtet sie den Rückgang der Exporte? Aber natürlich, Deutschland soll.... und soll... mehr Schulden machen. Für wen?
Spiegelkritikus 04.09.2011
4. Stärkt die Binnennachfrage!
Zitat von sysopAngst vor einer neuen Weltwirtschaftskrise macht sich breit. Auch IWF-Chefin Lagarde befürchtet eine deutliche Abkühlung der Konjunktur. Bereits vorab appelliert sie im SPIEGEL-Interview an die Bundesregierung, Gegenmaßnahmen einzuleiten. http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,784304,00.html
Wenn der deutsche Export einbricht, dann hilft erst mal nur noch eine höhere Binnennachfrage. Und genau da liegt unser Problem: die neoliberale Wirtschaftspolitik der letzen 15 Jahre hat die Kaufkraft der deutschen Bürger systematisch geschwächt. Mit anderen Worten: breite Bevölkerungsschichten dürfen ruhig verarmen, Hauptsache die Exportindustrie brummt. Das war nicht nur sozial zynisch und verantwortungslos, sondern auch volkswirtschaftlicher Unsinn, weil der partikulär angehäufte Reichtum nicht in den Konsum, sondern in die Finanzspekulation geht. Höhere Löhne, Gehälter, Renten und andere Sozialleistungen sind das Gebot der Stunde - nicht nur aus humanitären Gründen, sondern vor allem auch volkswirtschaftlichen!
mimas101 04.09.2011
5. Geht nicht
weil die dt. Regierung 100te von Mrd. in die bankrotten PIIGS-Staaten pumpt.
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