Wirtschaft



ThemaInsolvenzRSS

Alle Artikel und Hintergründe

  • Drucken
  • Senden
  • Feedback
23.08.2010
 

Insolvenzrecht

Staat soll bei Pleiten als Erster kassieren

Pleite-Opfer Karstadt: Hemmt das geplante Recht die Sanierungschancen von Firmen?Zur Großansicht
ddp

Pleite-Opfer Karstadt: Hemmt das geplante Recht die Sanierungschancen von Firmen?

Die Bundesregierung plant ein neues Insolvenzrecht - und wünscht sich mehr Privilegien für die eigenen Gläubiger. Im Pleitefall sollen künftig staatliche Stellen zuerst Geld sehen, so sehen es Pläne zweier Ministerien vor. Die Rettung von Firmen könnte damit aber bedeutend erschwert werden.

Berlin - Geld-zurück-Garantie im Pleitefall: Staatliche Gläubiger sollen bei Firmeninsolvenzen künftig bevorzugt werden. Laut "Welt" arbeiten das Bundesfinanzministerium und das Bundesarbeitsministerium an einer Neufassung des Insolvenzrechts - mit folgenreichen Auswirkungen.

Im sogenannten Haushaltsbegleitgesetz solle festgeschrieben werden, dass sich die Sozialversicherungsträger, die Bundesagentur für Arbeit (BA) und die Finanzämter künftig vor allen anderen Gläubigern am verbliebenen Vermögen von Pleitefirmen bedienen können. Für private Gläubiger wie zum Beispiel Handwerker bliebe dadurch praktisch nichts mehr übrig.

Die Pläne bedeuten eine radikale Abkehr vom bisherigen Recht - dabei war es erst 1999 reformiert worden. So hatte bis dahin das zuvor 100 Jahre gültige Gesetz das Insolvenzgeschehen in Deutschland geregelt. Eine Sanierung war darin praktisch nicht vorgesehen: Ging ein Unternehmen pleite, wurde es zerschlagen und abgewickelt - mit dem Staat als erstem Geldempfänger. Erst mit der neuen Insolvenzordnung (InsO) wurde dieses Privileg abgeschafft und der Schwerpunkt des Rechtsrahmens auf den Erhalt der angeschlagenen Firmen gelegt.

Insolvenzverwalter sind entsetzt

Die Insolvenzverwalter-Gilde ist über die aktuellen Änderungspläne entsprechend entsetzt. "Die Rettung von insolventen Betrieben und damit von Arbeitsplätzen ist dann kaum noch möglich", sagte Daniel Bergner, der Geschäftsführer vom Verband der Insolvenzverwalter Deutschlands (VID), der Zeitung.

Die Politik will sich laut Zeitung bislang nicht dazu äußern. "Das Haushaltsbegleitgesetz befindet sich derzeit in der Ressortabstimmung. Daher kann ich zu Einzelheiten nichts sagen", sagte ein Sprecher des Finanzministeriums der "Welt".

Das FDP-geführte Bundesjustizministerium hat dem Bericht zufolge indes andere Pläne. Erst kürzlich hatte die zuständige Ministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger einen "Diskussionsentwurf für ein Gesetz zur weiteren Erleichterung der Sanierung von Unternehmen" vorgelegt.

"Daran werden wir festhalten", sagte Christian Ahrendt, der rechtspolitische Sprecher der FDP-Bundestagsfraktion, der Zeitung. Aus seiner Sicht widersprechen Staatsprivilegien den Vereinbarungen im Koalitionsvertrag. "Dort ist eindeutig die Gleichbehandlung aller Gläubiger festgeschrieben."

yes/dpa/ddp

Diesen Artikel...

Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.

Auf anderen Social Networks posten:

  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • deli.cio.us
  • Xing
  • Digg
  • Google Bookmarks
  • reddit
  • Windows Live

Forum

insgesamt 71 Beiträge zum Forum...
Die neuesten Beiträge:
24.08.2010 von GG146: Ein weites Feld

Das kann ich sehr gut nachempfinden. Das Insolvenzrecht und seine Auswirkungen einschliesslich Missbrauchsgefahren insgesamt ist ein sehr weites Feld. Möglicherweise ist der hier diskutierte politsche Vorstoß gar nicht so [...] mehr...

23.08.2010 von emden09: ohne Namen zu nennen, kommen Sie doch mal nach Meerbusch

Sie sehen das falsch. Ich spreche ALS Unternehmer. Als Unternehmer, der sich ärgert, dass einstmals konkurrierende Pleitiers mit dem Porsche ihrer Ehefrau rumfahren, in der 10 Zimmer-Villa ihrer Ehefrau wohnen und sich von der [...] mehr...

23.08.2010 von Currywurst: .

Bei krimineller Vorgehensweise wird sich eine persönliche Haftung der Handelnden, bzw. bei Strohmännern der tatsächlichen Drahtzieher mitunter über § 826 BGB bzw. über § 823 Abs.2 BGB i.V.m. einem entsprechendem Schutzgesetz [...] mehr...

23.08.2010 von emden09: Bonitätsdaten sind wohlfeil erhältlich.

Entschuldigung, aber wir haben VOR Einführung des E-Bundesanzeigers in mehr als 1,5 Jahrzehnten Firmengeschichte jährlich weniger als 0,001 Umsatz-Promille (also quasi gar keine - ich erinnnere mich zuletzt an 1.500 Euro im Jahr [...] mehr...

23.08.2010 von Horatio Caine:

Jup, die Durchgriffshaftung nach § 823 Abs. 2 BGB i.V.m. mit Schutzgesetz (hier § 266a StGB). Diese tritt beim strafrechtlichen dinglichen Arrest neben den Arrestanspruch gegen die Juristische Person an sich. Dass sich natürlich [...] mehr...

Und Ihre Meinung? Diskutieren Sie mit! zum Forum...

News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Wirtschaft
alles aus der Rubrik Staat & Soziales
alles zum Thema Insolvenz

© SPIEGEL ONLINE 2010
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



DDP
SinnLeffers: Der Textilhändler ist ein Methusalem in Deutschlands Innenstädten, die Wurzeln der Firma reichen weit ins 19. Jahrhundert zurück. Nach der Insolvenz 2008 gelang es, das Unternehmen neu aufzustellen. Allerdings ist es nun deutlich kleiner. Mehr ...


DDP
Ihr Platz: "Der Seifen-Platz" oder umgangssprachlich "Seifen-Puls" - "Ihr Platz" hatte mehrere Namen, bevor die Drogeriekette 1973 ihren aktuellen Namen bekam. Nach der Rettung 2007 übernahm ein anderer großer Einzelhändler das Ruder. Mehr ...


DPA
Herlitz: Schulhefte, Briefblöcke, Zeichenkarton, Karteikarten - wer etwas zu Papier bringt, tut dies oft auf Herlitz-Artikeln. Nachdem das Berliner Unternehmen seinen Insolvenzantrag gestellt hatte, gelang eine Rettung im Rekordtempo. Mehr ...


DPA
Pfaff: Als Selbstnähen noch groß im Trend war, brillierte Pfaff. Mittlerweile gibt es in Kaiserslautern allerdings nur noch die Sparte für Industrienähmaschinen. Das Unternehmen wagt gerade nach der zweiten Insolvenz den Neuanfang. Mehr ...


DDP
Junghans: Uhren aus dem Schwarzwald - das sind nicht bloß Holzkästen mit Kuckuck, sondern auch Zeitmesser von Junghans. Die Jahre in einer Holding aus Hongkong brachten wenig Glück, nun haben wieder regionale Unternehmer die Leitung. Mehr ...


DPA
Babcock-Borsig: Von dem Unternehmen, das aus dem Zusammenschluss der Deutschen Babcock und Borsig wuchs, ist praktisch nichts mehr übrig. Allerdings wurden nach der Insolvenz im Jahr 2002 Sparten ausgegliedert, die heute erfolgreich arbeiten. Mehr ...


DPA
Holzmann: Auch der Einsatz von Kanzler Gerhard Schröder (SPD) brachte das Bauunternehmen Holzmann nicht auf Erfolgskurs zurück. 2002, drei Jahre nach der ersten Pleite, war der Konzern erneut insolvent. Viele Beschäftigte kamen bei Konkurrenten unter. Mehr ...


DDP
Grundig: Mit dem Bausatzradio "Heinzelmann" legte der Fürther Max Grundig einst den Grundstein für ein Technik-Imperium mit Geräten "Made in Germany". Heute kommen Fernseher mit dem Grundig-Schriftzug vorwiegend aus der Türkei. Mehr ...


DPA
Hertie: Was heute Hertie heißt, hat nichts mehr mit dem ursprünglichen Unternehmen von Mitgliedern der Familie Tietz zu tun. Und bald könnte die Marke ein zweites Mal untergehen. Findet sich kein später Retter, soll Hertie noch 2009 schließen. Mehr ...








TOP



TOP