Von Anja Herr und Julian Trauthig
Hamburg/Berlin - Das Hoch Lisa hat es geschafft: Mit viel Sonne und Temperaturen von durchweg über 30 Grad hat die Hitzewelle nicht nur die Menschen in Schwimmbäder und Baggerseen getrieben. Der wahrscheinlich heißeste Tag des Jahres hat die Menschen auch für kurze Zeit die Wirtschaftskrise mit all ihren Folgen vergessen lassen. "Heute ist es zu warm zum Denken. Deshalb hat die Krise bei mir heute eine Auszeit", sagte etwa Katrin Huber, Marketing-Managerin aus Hamburg. "Ich mache hier gerade Urlaub und denke kein bisschen an die Wirtschaftskrise", sagt auch die Erzieherin Lilian Zukunft. "Ich will einfach abschalten."
Das zeigt: Während sich in Berlin Bundesfinanzminister Peer Steinbrück vor dem Untersuchungsausschuss wegen der Rettung der Hypo Real Estate verantworten musste, machen die Menschen Urlaub von der Krise und versuchen, sich nicht um die drohende Arbeitslosigkeit, steigende Staatsverschuldung und düstere Wirtschaftsprognosen zu kümmern. "Mit der Wirtschaftskrise habe ich nichts am Hut - da sollen sich die Profis drum kümmern", lautet denn auch das Motto von Michael Horst, einem Künstler aus Berlin.
Doch das gelingt nicht allen: "Mich beschäftigt die Wirtschaftskrise schon - trotz Sonne", sagt Jagoda Orzel. Die 29-jährige Raumgestalterin aus Berlin überlegt, sich selbstständig zu machen. "Wer weiß, ob ich in solchen Zeiten überhaupt einen Kredit bekomme." Alternativ hat sie mit Freunden sogar darüber nachgedacht, sich ein Stück Land zu kaufen und Obst und Gemüse anzubauen, um sich selbst versorgen zu können. "Wer weiß, wie das alles weitergeht."
Doch so pessimistisch wie Orzel sind die wenigsten. SPIEGEL ONLINE hat die Sonnenanbieter nach ihrem Krisengefühl befragt.
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